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Hessen: Mobilitätsstudie vorgestellt

21.03.17 (Hessen) Autor:Stefan Hennigfeld

Im Auftrag der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung haben Wissenschaftler des des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) und dem Planungsbüro Steteplanung Szenarien einer Verkehrswende in Hessen erarbeitet. „Die Spätfolgen jahrzehntelanger Fehlentwicklungen blockieren die notwendigen Veränderungen“, sagt Jutta Deffner, Mobilitätsexpertin am ISOE und Leiterin des einjährigen Forschungsprojekts.

Obwohl zum Beispiel im ÖPNV durchaus Innovationen spürbar seien, stoße er innerstädtisch an seine Grenzen. Neue Fortbewegungsformen wie Car- oder Ride-Sharing würden zwar von Trendsettern genutzt, aber zu wenig öffentlich gefördert. „Das Radfahren finden alle toll, aber wehe, Radfahrende brauchen wirklich Platz“, sagt Deffner. Ergebnis dieser Politik sei eine weitere Dominanz des Autos mit entsprechenden Auswirkungen auf die Lärm- und Feinstaubbelastung.

„Heute gelten autogerechte Städte und Gemeinden nicht mehr als das Nonplusultra“, so Jutta Deffner. Hinzu kommt: Der Verkehrsbereich ist der einzige Sektor, in dem die notwendige CO2-Reduktion nicht gelingt. Die Aufenthaltsqualität hat sich in manchen Städten zwar verbessert, ist aber durch den Kfz-Verkehr weiterhin stark beeinträchtigt. Das gilt erst recht für ländliche Regionen, die dazu noch vom öffentlichen Verkehr abgehängt werden. In der Studie werden sieben Strategiefelder vorgestellt, die für eine nachhaltige Mobilitätskultur zentral sind.

Dazu gehören multioptionale Mobilitätsangebote, Regionen der kurzen Wege und eine Verbesserung der Aufenthaltsqualität in den Städten. Die Strategiefelder sind nicht isoliert zu betrachten, vielmehr bedingen und unterstützen sie sich gegenseitig. „Entscheidend für eine nachhaltige Mobilitätskultur ist jedoch, dass politische Entscheidungsträger und Verwaltungen die Mobilität und den Verkehr nicht einfach dem Markt überlassen, sondern auf allen Ebenen eine stärker steuernd-gestaltende Rolle einnehmen“, sagt Jutta Deffner.

Dazu gehöre auch, die Bedürfnisse und Anregungen aus der Bevölkerung stärker als bislang in Partizipationsprozessen zu berücksichtigen. „Wir müssen feststellen, dass die Verkehrspolitik der letzten Jahrzehnte gescheitert ist“, sagt René Bormann, Leiter des Arbeitskreises Innovative Verkehrspolitik der Friedrich-Ebert-Stiftung. Jutta Deffner betont: „Wir brauchen daher einen umfassenden Wandel unserer Mobilitätskultur, ein neues Leitbild nachhaltiger Mobilität.“

In Hessen lassen sich viele Entwicklungen beobachten, die auch für andere Regionen charakteristisch sind: Hessen ist eine der wichtigsten Verkehrsdrehscheiben Europas, das Rhein-Main-Gebiet nimmt hier eine hervorgehobene Stellung ein. Hessen ist stark vom Zusammentreffen unterschiedlicher Wirtschaftsbereiche geprägt. Es lebt von einer Mischung aus produzierendem Gewerbe, einem starken Verkehrs- und Logistiksektor, den vielen Banken und einem wissensintensiven Dienstleistungssektor.

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