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DB Regio investiert für Wartungsaufträge von National Express

06.03.17 (Nordrhein-Westfalen) Autor:Stefan Hennigfeld

Bei DB Regio wird das schon im letzten Jahr angekündigte unternehmenspolitische Ziel, sich künftig verstärkt als Voll- und Teildienstleister rund um die Schiene aufzustellen, weiter mit Leben gefüllt. Das Unternehmen hat rund 4,5 Millionen Euro für eine neue Instandhaltungshalle in Münster investiert – dort werden Elektrotriebzüge von National Express beheimatet sein.

„Unsere neue Halle in Münster setzt ein wichtiges Signal für unsere Leistungsfähigkeit als Instandhaltungsdienstleister“, betont Andree Bach, Vorsitzender der Geschäftsleitung von DB Regio NRW. „Wir investieren in unsere Zukunft als Partner für Wettbewerber: Dies sichert langfristig Arbeitsplätze vor Ort und stärkt den Nahverkehr in der Region.“

Nachdem National Express im Jahr 2012 den ersten Ausschreibung im deutschen Eisenbahnmarkt für sich entscheiden konnte – die Vergabe der nordrhein-westfälischen Linien RE 7 und RB 48 – hat man für die Instandhaltungsleistungen einen Unterauftragnehmer gesucht. Das hätten ebenso Fahrzeughersteller wie auch andere Eisenbahnverkehrsunternehmen sein können. DB Regio hat sich um den Auftrag beworben und konnte die Ausschreibung durch National Express für sich entscheiden.

An den Werksstandorten Münster, aber auch in Düsseldorf, sichert die Partnerschaft insgesamt rund fünfzig Arbeitsplätze. „Die Zusammenarbeit mit DB Regio zeigt, dass Konkurrenten im Wettbewerb jenseits der Ausschreibungen gute Partner sein können“, so Wolfgang Schuster, Geschäftsführer von National Express. „Denn uns alle verbindet letztlich dasselbe Ziel: Wir wollen mehr Pendler von der Straße auf die Schiene bringen. Dafür brauchen wir den Schulterschluss der Branche.“

In der neuen Halle können alle turnusmäßigen Kontroll,- Instandhaltungs- und Instandsetzungsarbeiten durchgeführt werden. Rund zwanzig DB Regio-Mitarbeiter sind in Münster allein für die Elektrotriebwagen des Typs E-Talent 2 von Bombardier zuständig und setzen sämtliche anfallenden Tätigkeiten an den Fahrzeugen um. Dazu gehört zum Beispiel die Wartung der Klimaanlagen und Türen genauso wie das Wechseln des Getriebeöls.

Das Gleis der neuen Halle ist über 90 Meter lang, sodass auch die fünfteiligen Talent-Züge komplett hinein passen. Auf drei Ebenen kann das Werkstatt‐Team zeitgleich arbeiten: in der Arbeitsgrube unter dem Fahrzeug, im Innenraum und auf der Dacharbeitsbühne. Über eine Krananlage können schwerere Komponenten auf das Fahrzeug hinauf und heruntergehoben werden. Darüber hinaus werden dort auch mögliche Vandalismusschäden behoben.

Dazu gehört zum Beispiel der Tausch defekter Sitze oder zerkratzter Scheiben. Weiterer Standortvorteil der neuen Halle: Für aufwändigere Maßnahmen, etwa den Tausch von Großkomponenten wie Radsätze, Drehgestelle oder Fahrmotoren, können die Fahrzeuge direkt in das nahegelegene DB Regio‐Werk gebracht werden, das nur wenige Meter entfernt steht. Per Ultraschall können Radsätze dort zudem auf Herz und Nieren geprüft werden.

Auf dem Werksgelände steht außerdem eine umweltfreundliche Waschanlage zur Außenreinigung der Fahrzeuge bereit, die durch den Einsatz neutraler Reinigung mittel und ein aufwändiges Entsorgungssystem modernste Anforderungen in Sachen Ökologie erfüllt. Für die NX‐Instandhaltung hat DB Regio NRW zusätzlich zur neuen Halle eine halbe Million Euro investiert, um im bestehenden Münsteraner Werk eine Dacharbeitsbühne auf die Maße der Talent 2 zu verlängern.

Auf diese Weise steht dort ein zweiter, vollwertiger Arbeit stand für die NX‐Fahrzeuge zur Verfügung. Eine weitere Million Euro investierte DB Regio NRW in den Werksstandort Düsseldorf, wo neben den roten Regio‐Zügen der Bahntochter ebenfalls die weiß-blauen Fahrzeuge des Kölner Unternehmens mit britischer Konzernmutter instandgehalten werden. Und das ist für DB Regio in Nordrhein-Westfalen nicht der einzige Auftrag, der sich ausschließlich auf Instandhaltung bezieht.

In einigen Jahren beginnt ein weiterer Wartungsvertrag, der direkt mit dem VRR abgeschlossen wurde: Zahlreiche ET 422 werden dann an den Aufgabenträger verkauft und von DB Regio instandgehalten. Das ausführende Verkehrsunternehmen wird dann die Eurobahn sein. Auch im Zusammenhang mit der Debatte um die Vergabe der Instandhaltungsleistungen beim Rhein-Ruhr-Express sagte Andree Bachs Vorgänger Heinrich Brüggemann bereits am 18. Mai 2012 im Eisenbahnjournal Zughalt.de, dass man großes Interesse an Wartungsaufträgen für Züge anderer Betreiber habe.

Siehe auch: Marktwirtschaft nutzt auch auf der Schiene allen

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