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UK: Freiheitsstrafen für Gewalttäter

02.02.17 (Großbritannien) Autor:Max Yang

Am 20. Januar verurteilte das Strafgericht (Crown Court) Croydon einen 29-jährigen Mann wegen vorsätzlicher schwerer Körperverletzung zu zehn Jahren Freiheitsstrafe. Dies teilte die britische Transportpolizei (BTP) mit. Der Täter, Joe M., bestieg am 23. Oktober 2014 einen Nahverkehrszug von East Croydon Richtung Londoner Stadtzentrum, wo er mit einem anderen, 45-jährigen Fahrgast aus einem nichtigen Grund in Streit geriet.

Nach kurzem Wortgefecht attackierte M. den anderen Fahrgast körperlich und schlug sieben Mal auf die Seite des Gesichts und den Kopf seines Opfers. Der 45-Jährige erlitt eine Schädelfraktur und eine Hirnblutung, welche zu bleibenden Schäden führte. Ermittlungen der BTP führten zur Festnahme am 13. November 2014 und einer Anklage am 29. Januar 2015. Der Richter beschrieb die Attacke als „wild und furchterregend“ und „unkontrollierte Gewalt“, durch welche das Opfer „nie mehr derselbe“ sein werde.

Die ermittelnde Polizistin Rachel Smith erklärte: „Dieser Vorfall ist ein Albtraumszenario für jeden, der regelmäßig mit der Eisenbahn pendelt. Wir wissen alle, dass es manchmal in vollen Zügen Spannungen zwischen Fahrgästen und gelegentliche Wortgefechte gibt, aber M. trieb dies auf die Spitze, indem er einen anderen Pendler lange und in einer erschreckenden Art und Weise angriff.“ Sie erklärte auch: „Ich bin froh, dass M. für schuldig befunden wurde und eine geeignete Gefängnisstrafe erhält.“

Ebenfalls zu 10 Jahren Freiheitsstrafe wurde Christopher C. (32) aus London verurteilt, der am 9. Juni 2016 einen 21-jährigen Reisenden in der U-Bahnstation Bond Street in London auf die Gleise stieß. Das Opfer geriet vorher während einer U-Bahn-Fahrt mit C. in Konflikt, nachdem er von C. grundlos geschubst wurde und sich dagegen zur Wehr setzte. Der 21-Jährige fiel auf die Stromschiene, schaffte es jedoch, zurück auf den Bahnsteig zu klettern, und wurde ins Krankenhaus gebracht.

Ermittlungen der BTP, die durch umfangreiches Videomaterial aus Überwachungskameras unterstützt wurden, führten zur Festnahme des 32-jährigen Täters am 6. Juli, der bei einem Verhör zugab, das Opfer auf die Gleise gestoßen zu haben, weil er „von ihm genervt“ gewesen sei. Vor dem Zentralen Strafgericht („Old Bailey“) bekannte sich Chris C. im vergangenen November schuldig. Zumindest in Großbritannien ist ein Konsens zu erkennen, alle Rechtsmittel gegen Gewalt in öffentlichen Verkehrsmitteln auszuschöpfen.

Letzterer Vorfall erinnert an eine Attacke in der Berliner U-Bahnstation Klosterstraße der BVG AöR im Jahr 2015, bei der ein 25-jähriger Mongole von vier Männern fremdenfeindlich beleidigt, mit einem Messer verletzt und auf die Gleise gestoßen wurde. Durch das Landgericht Berlin wurden im Dezember 2015 zwei Männer (21 und 16) wegen versuchten Totschlags zu je drei Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt, zwei weitere Täter (18 und 19) erhielen wegen gefährlicher Körperverletzung Bewährungsstrafen.

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