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Es ist erst der Anfang

06.02.17 (Kommentar, VRR) Autor:Stefan Hennigfeld

In den allgemeinen Jubelmeldungen zu den neuen Verfügungsstreifen ist bereits untergegangen, dass auf politischen Druck der Grünen Planungen mit Schutzhunden wieder verworfen worden sind. Man hat mit Tierschutz argumentiert; dabei werden Polizeihunde in entsprechenden Autos mit Klimatisierung oft besser transportiert als der Fahrgast so mancher Verkehrsunternehmen. Ganz zu schweigen davon, dass der Besuch in so manch einem heruntergekommenen nordrhein-westfälischen Zoo ganz andere Beispiele für nicht artgerechte Tierhaltung zutage bringen könnte.

Aber nun kommen die richtigerweise EVU-übergreifend eingesetzten Verfügungsstreifen endlich im Alltag an und das ist ein gutes Zeichen. Es ist aber kein Grund, sich auf dem erreichten auszuruhen. Warum sind die kommunalen Verkehrsunternehmen nicht mit an Bord? Weil die EVAGs, Rheinbahnen und Stadtwerke dieser Welt lieber ihr eigenes Süppchen kochen? Warum hat man denn einen Verkehrsverbund? Dieser hat sich vor vierzig Jahren mal über einen Einheitsfahrschein definiert, aber heute ist der Gedanke weiterzuentwickeln und dazu gehört auch, dass es gemeinsame Sicherheitsdienste gibt, die in der U-Bahn ebenso aktiv vernetzt sind wie in der S-Bahn.

Gucken wir uns doch einmal Städte wie Dortmund, Düsseldorf, Bochum oder Essen an: Hier sind die unterirdischen U-Bahnzugänge fester Bestandteil eines Hauptbahnhofes als Gesamtanlage. Kriminelle Banden, die Diebstähle begehen und Rauschgift verkaufen wissen, dass innerhalb dieser Gesamteinheit verschiedene Polizeien zuständig sind. Natürlich haben die Beamten der verschiedenen Behörden jederzeit Nothilferechte, aber wo bleiben die gemeinsamen Streifen der Bundespolizei mit der jeweiligen Ortspolizei? Wieso werden gerade im Zusammenhang mit einschlägig polizeibekannten Berufskriminellen keine gemeinsamen Ermittlungs- und Eingreifgruppen gebildet, wie sie etwa in Hamburg oder in München an der Tagesordnung sind?

Erst letzte Woche lief im Radiosender WDR 4 ein ausführlicher Bericht, dass Dortmund das westdeutsche Umschlagzentrum für den Rauschgifthandel sein soll. Und damit ist nicht die örtliche Drogenszene am Hauptbahnhof gemeint, sondern dass es offensichtlich organisierte Verbrechensstrukturen gibt, die in Dortmund ihre überregionale, ich bitte um Entschuldigung, „Hauptstelle“ betreiben. Und da soll es angeblich unmöglich sein, mehrere Polizeien und die Ordnungsämter unter einen Hut zu bekommen? Da lachen doch die Gegenspieler drüber – und das sind in diesem Fall eben keine kleinen Fische, sondern gemeingefährliche Verbrecher, die es hinter schwedische Gardinen zu bringen gilt.

Natürlich kann die Eisenbahn- und ÖPNV-Branche hier nur einen Teil tun, aber der Eindruck, dass viel Luft nach oben ist, drängt sich auf. Und die Hauptbahnhöfe sind nun einmal traditionell ein Kriminalitätsschwerpunkt. Daran ändern auch die Bahnhöfe des Jahres nicht, die die Eisenbahnlobby immer wieder kürt. Ja, das Engagement des VRR ist ohne Frage richtig und wichtig. Aber es ist nur der Anfang, weitere Partner müssen sich schnell anschließen.

Siehe auch: VRR startet Verfügungsstreifen

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