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DB Regio und Vlexx sollen Saar-RB fahren

12.01.17 (Rheinland-Pfalz, Saarland) Autor:Stefan Hennigfeld

Der Zuschlag für den Betrieb der Regionalbahnlinien RB 70 und RB 73 in Rheinland-Pfalz und im Saarland wurde rechtskräftig an die Unternehmen DB Regio und Vlexx erteilt. Der Vergabeentscheidung vorangegangen war eine europaweite Ausschreibung, die als Verhandlungsverfahren mit vorgeschaltetem Teilnahmewettbewerb durchgeführt wurde. Das Streckennetz der sogenannten SaarRB wurde dabei in zwei Lose aufgeteilt.

Auf der Linie Schweich ‒ Trier – Saarbrücken – Kaiserslautern hat sich in Los 1 mit der DB Regio AG die bisherige Betreiberin durchgesetzt. In Rheinland-Pfalz ist ab Dezember 2020 auch die zur Reaktivierung vorgesehene Linie Trier Hafenstraße – Konz – Saarburg über die Weststrecke Trier Bestandteil dieses Loses, das insgesamt ein Volumen von 3,2 Millionen Zugkilometer pro Jahr umfasst. Zum Einsatz kommen Neufahrzeuge des Typs Alstom Coradia Continental.

Los 2 umfasst hat die Regionalbahnen von Saarbrücken nach Lebach-Jabach, von Saarbrücken über St. Wendel nach Neubrücke, von Saarbrücken über Merchweiler und Neunkirchen nach Homburg sowie zwischen Homburg und Illingen. In diesem Netz hat sich die vlexx GmbH durchsetzen können und den Zuschlag für insgesamt 2,3 Millionen Zugkilometer pro Jahr erhalten. Die vlexx GmbH bedient bereits seit Dezember 2014 im Saarland und in Rheinland-Pfalz u. a. die Regionalexpresslinie RE 3 zwischen Saarbrücken und Mainz/Frankfurt.

Sie wird dazu die in Los 2 ausgeschriebenen SPNV-Angebote mit modernen Neufahrzeugen des Typs Bombardier Talent 3 bedienen. Bis zur vollständigen Elektrifizierung der Strecke Illingen – Lebach-Jabach werden auf der Linie Saarbrücken – Lebach übergangsweise noch Dieseltriebwagen vom Typ Desiro von Siemens verkehren, die voraussichtlich ab dem Jahr 2024 durch Elektrofahrzeuge ersetzt werden.

Damit den vom Betreiberwechsel betroffenen Arbeitnehmern keine Nachteile entstehen und der Gewinner der Ausschreibung auf erfahrene Arbeitskräfte zurückgreifen kann, haben die Aufgabenträger bereits im Vergabeverfahren eine verpflichtende Personalübernahme seitens des Neubetreibers vorgeschrieben So muss nun die vlexx GmbH, als künftiger Betreiber des Los 2 der SaarRB, dem dort heute tätigen Fahr- und Zugbegleitpersonal sowie den Mitarbeitern der Leitstelle der DB Regio AG ein Angebot zur Übernahme der bestehenden Arbeitsverhältnisse unter Wahrung der persönlichen Besitzstände unterbreiten. Der Mitarbeiter entscheidet also selbst, bei wem er zukünftig arbeiten will.

Bislang sind Mitarbeiterwechsel bei sich ändernden Betreibern immer mal wieder vorgekommen, waren jedoch im großen Stil nicht die Regel. Ob Vlexx in der Lage ist, seinen Personalbedarf mit den Personen zu decken, die von DB Regio wechseln, dürfte fraglich sein. Die Regelungen, die von Paragraph 613a des Bürgerlichen Gesetzbuches abgeleitet sind, sehen zudem eine Obergrenze der Besitzstandswahrung von zwölf Monaten vor. Danach haben die neuen Betreiber die Möglichkeit, über Änderungskündigungen den Eintritt in eigene Tarifverträge zu erzwingen.

Auch für den Fall, dass dem Vergabeobjekt mehr Personen zugeordnet wurden als der neue Betreiber in seinem Konzept vorsieht, sind betriebsbedingte Kündigungen nach einem Jahr möglich. Inwieweit solche Regelungen bei einem Mangelberuf wie Triebfahrzeugführer jedoch überhaupt zur Anwendung kommen, darf abgewartet werden. Beim Vlexx jedenfalls ist man erfreut. „Wir freuen uns sehr über diesen neuen Vertrag und somit über die Erweiterung des vlexx-Streckennetzes im Saarland“, erklärt Frank Höhler, Geschäftsführer des Unternehmens.

Die Ausschreibung sieht vor, den DB-Mitarbeitern im Fahrdienst ein Übernahmeangebot zu unterbreiten. „Wir freuen uns über jeden erfahrenen DB-Kollegen, der zu uns wechseln möchte. Natürlich bilden wir auch weiterhin selbst Triebfahrzeugführer aus.“ Dabei beginnt die Vorbereitung für die Betriebsübernahme bereits sehr zeitnah. Schließlich muss man eine fehlgeschlagene Betriebsaufnahme wie im Dieselnetz Südwest verhindern, als über Monate Not- und Ersatzverkehre zum Einsatz gekommen sind.

Politisch allerdings hat man bislang noch keinen Gegenwind vernommen. Bei der letzten Vergabe an Vlexx forderte die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kamp-Karrenbauer (CDU), das Angebot von Vlexx DB Regio zu zeigen und zu fragen, ob man dort bereit wäre, für den gleichen Preis zu fahren. Forderungen dieser Art gibt es beim jetzigen Verfahren wohl nicht.

Siehe auch: Den sauberen Betriebsstart sicherstellen

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