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UK: Turbulente Woche für Pendler

19.12.16 (Großbritannien) Autor:Max Yang

Eine weitere turbulente Woche mit mehreren Streiktagen ging für Pendler im Süden Londons und dem Umland der britischen Hauptstadt zu Ende. Ein Protestmarsch von mehreren Dutzend Fahrgästen zog am Donnerstagabend mit dem Schlachtruf „What do we want? Trains! When do we want them? Now!“ durch London. Der am Bahnhof Victoria begonnene Aufzug begab sich vor das Verkehrsministerium, welches aus Sicht der Pendlerorganisation Association of British Commuters (ABC) die Verantwortung für den derzeitigen Konflikt mit den Gewerkschaften ASLEF und RMT tragen muss.

Der Ersatzfahrplan sieht vor, dass viele Bahnhöfe nicht bedient werden. (Archivbild vom 5. November 2016, Max Yang/Zughalt.de)

Der Ersatzfahrplan sieht vor, dass viele Bahnhöfe nicht bedient werden. (Archivbild vom 5. November 2016, Max Yang/Zughalt.de)

Am selben Donnerstag gingen zweitägige Schiedsgespräche beim Schlichtungsdienst ACAS mit den Vertretern des Verkehrsunternehmens Southern sowie der Lokführergewerkschaft ASLEF ergebnislos zu Ende. Es wird erwartet, dass daher weitere massive Einschränkungen an den angekündigten Streiktagen 19. und 20. Dezember, 31. Dezember bis 2. Januar sowie 9. bis 14. Januar den Zugverkehr stören. Auch zwischenzeitlich wird es wegen der von den Gewerkschaften ausgerufenen Überstundenverweigerung zu verschiedenen Verspätungen und Zugausfällen kommen.

Nick Brown von Govia Thameslink Railway erklärte zum Scheitern der Gespräche: „Fahrgäste und Unternehmen werden durch die völlig unberechtigten und unnötigen Streiks der Gewerkschaften zu Geiseln gemacht.“ Darüber hinaus verwies Brown auf Positionen des Office of Rail and Road sowie des Rail Safety & Standards Board, nach denen die Schließung von Zugtüren allein durch den Fahrer sicher sei.

Eine durch die ABC durchgeführte Umfrage unter 1000 Fahrgästen ergab, dass rund 85% eine Sonderkündigung des Verkehrsvertrages fordern. 73% fordern den Rücktritt der Verkehrsstaatssekretäre Chris Grayling und Paul Maynard. Eine Komplettverstaatlichung der britischen Eisenbahn findet jedoch nur bei 41% der Befragten Anklang. Nur 5% geben den Gewerkschaften die Hauptschuld am Konflikt, 24% verweisen auf das Verkehrsministerium, 23% auf Southern und 44% geben allen zu gleichen Teilen die Schuld.

Eigenwirtschaftlich betriebene, reservierungspflichtige Nahverkehrszüge stehen möglicherweise in naher Zukunft den Pendlern in Südengland zur Verfügung. Die „London Brighton & South Coast Railway“ will alte Großraumwagen mit 4er-Sitzkonfigurationen auf den Strecken Brighton-London (über Clapham Junction), Chichester-London (über Littlehampton, Shoreham und Hove) sowie Eastbourne-London (über Lewes und Haywards Heath) verkehren lassen – jeweils ein Zugpaar pro Werktag und Strecke, das morgens in die Hauptstadt und abends in das Umland fährt.

Durch die bei Charterzügen übliche Reservierungspflicht soll, anders als im SPNV im Londoner Umland üblich, jedem Fahrgast ein Sitzplatz garantiert sein. Auch der Verkauf von Snacks und Getränken im Zug ist geplant. In der derzeit frühen Planungsphase lässt sich aber noch nicht sagen, ob und wann erste Züge fahren werden.

Bild: Max Yang

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