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UK: Tagung zu Eisenbahnforschung

10.11.16 (Großbritannien) Autor:Max Yang

In London fand vergangene Woche die jährlich stattfindende Konferenz der Rail Research UK Association (RRUKA) statt. Die Partnerschaft zwischen Network Rail, dem Rail Safety and Standards Board (RSSB) und 55 britischen Universitäten hat sich zum Ziel gesetzt, den Austausch von Forschern und Praktikern zu verbessern. Im Rahmen der Bemühungen zu einer “24/7-Eisenbahn” sei die verstärkte Nutzung von Robotik und autonomen Systemen für die Instandhaltung von Rollmaterial abzusehen, erklärte Sharon Odetunde, Co-Vorsitzende der RRUKA.

Odetunde erinnerte darüber hinaus an die “#NextGenRail”-Kampagne zur Gewinnung dringend benötigter Talente für die Eisenbahn. Diese Ansicht teilt auch Koji Agatsuma von Hitachi Europe: die Bahnbranche müsse genauso attraktiv sein wie die Autobranche. Gary Cooper von der Rail Delivery Group erinnerte an die drei Prioritäten der Fahrgäste: Zuverlässigkeit, Information und Kapazität. Um die Kunden zufriedenzustellen, bedürfe es einer gemeinsamen branchenweiten Anstrengung, gerade im Angesicht des massiven Nachfragewachstums.

Sebastian Seriani vom University College London (UCL) stellte Forschungsergebnisse zur Verteilung wartender Menschen auf U-Bahnsteigen vor. Eine andere Perspektive nahm Ross Welham (ebenfalls UCL) ein, der sich mit der Frage beschäftigte, warum Ergebnisse aus der Forschung nur sehr zögerlich in der Praxis ankommen. Eine Ausnahme war offenbar die Einführung automatischer Zugsicherungssysteme in den 1990ern, die aber nur aufgrund politischen Drucks nach einer Unfallserie so schnell gelang.

Bei der später stattgefundenen Einführung von GSM-R hingegen war vorherige Forschung bereits obsolet. Die effektive Nutzung von Daten war ein Schwerpunkt der Veranstaltung. Shruti Kohli von der University of Birmingham stellte eine automatische Auswertung von Freitext in Zugberichten vor, welche die Wartungsabläufe verbessern soll. Steve Wesemeyer von der University of Surrey und Tracy Ross von der University of Loughborough sprachen über Verbesserungen für mobilitätseingeschränkte Reisende durch eine mehrere Datenquellen zusammenfassende mobile App, die Datenschutzaspekte berücksichtigt.

Nick Gould von der Manchester Metropolitan University präsentierte ein intermodales Fahrgastinformationssystem, welches neben Situationen wie Wetter, mitreisenden Kindern oder schwerem Gepäck auch persönliche Charaktereigenschaften (flexibel, vergesslich, spontan, organisiert, gewohnheitstreu…) berücksichtigt. Weitere Forschungsprojekte, die sich unter anderem mit der kostengünstigen Überprüfung des Infrastrukturzustands (David Milne, University of Southampton), dem Konzept eines Ultraleichtfahrzeugs (Revolution VLR – federführend hierbei die University of Warwick) sowie dem Radverschleiß (Yousif Muhammadsalih, University of Huddersfield) beschäftigen, wurden ebenfalls dem Publikum vorgestellt und waren teilweise in einer angeschlossenen kleinen Messe zu sehen.

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