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Elektrobuskonferenz in Bonn

16.09.16 (NVR) Autor:Stefan Hennigfeld

Die sechs Bonner Elektrobusse ziehen in Fachkreisen national und international Aufmerksamkeit und Interesse auf sich. Bei einer Tagung, die die Stadtwerke Bonn gemeinsam mit dem VDV und den Projektleitern des EU-Demonstrationsprojektes ZeEUS (Zero Emission Urban Bus System) Anfang September im Haus der Stadtwerke in Bonn organisiert hat, haben sich mehr als 120 Fachleute des Öffentlichen Personennahverkehrs, der Industrie und Beratungsunternehmen über das Elektrobusprojekt der Stadtwerke Bonn informiert.

Die Elektromobilitätskonferenz stand unter dem Titel „Projekt ZeEUS – E-Busse im Ganztagsbetrieb bei den Stadtwerken Bonn“. Mit den sechs Batteriebussen, die ausschließlich nachts auf dem Betriebshof Friesdorf geladen werden, hat Bonn damit eine der größten Elektrobusflotten Deutschlands. Geschäftsführer Heinz Jürgen Reining skizzierte auf der Konferenz den Weg von der Grundidee bis zur Machbarkeitsstudie und Testphasen mit verschiedenen Prototypen bis hin zur Produktionsbegleitung und dem Erwerb der SWB-Elektrobusse.

„Elektrobusse sind Verkehrsmittel der Zukunft“, zeigte sich Reining überzeugt. „Sie sollen auch aus ökologischen Gesichtspunkten heraus Dieselbusse ablösen und ohne Zwischenladung auskommen, und dass nicht erst auf lange Sicht, sondern zeitnah! Wir freuen uns, dass wir über das ZeEUS-Projekt und durch die UITP in diesem Vorhaben unterstützt werden.“ UITP betreut gemeinsam mit EU-Vertretern das Projekt ZeEUS.

Daran nehmen Verkehrsunternehmen in zehn europäischen Städten mit unterschiedlichen Elektrobus-Typen und verschiedenen Ladestrategien teil: Barcelona, Bonn, Cagliari, London, Münster, Paris, Pilsen, Randstad, Stockholm und Warschau. Bis voraussichtlich zum April 2017 werden Erkenntnisse über Einsatztauglichkeit und Wirtschaftlichkeit von Elektrobussen im Vergleich zu Dieselbussen gesammelt. Das Projekt ZeEUS soll nichts weniger als die Elektrifizierung ins Herz der städtischen Busnetze bringen.

Reining stellte den Einsatz und die Verfügbarkeit der Elektrobusse im Linienverkehr dar, die sich seit April 2016 stetig verbessert haben. Rund die Hälfte aller Umläufe sind mittlerweile durch die Elektrobusse und ihre nächtlich aufgeladenen Batterien fahrbar, und zwar mit demselben Pensum, das auch die Dieselbusse bewältigen. Nicht die Produktion von leistungsfähigen Elektrobatteriebussen sei die künftige Herausforderung, so Reining, sondern die Entwicklung einer intelligenten Ladeinfrastruktur auf dem Betriebshof Friesdorf, die es ermögliche, dass nachts alle rund 200 Linienbusse aufgeladen werden können.

Dies wäre eine weitere wichtige Voraussetzung für einen möglichen kompletten Umstieg von Diesel- auf Elektrobusse. Ob das jedoch finanziell darstellbar wird, ist fraglich, da es parallel zur kostenintensiven Elektromobilität im Bereich konventioneller Dieselbusse erhebliche Verbesserungen gegeben hat und noch immer gibt – und das ganz ohne öffentliche Fördergelder.

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