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BVG AöR feiert Tatra-Jubiläum

20.09.16 (Berlin) Autor:Stefan Hennigfeld

Vor vierzig Jahren, im September 1976, fuhr auf dem Ost-Berliner Tramnetz erstmals ein Triebzug vom Typ Tatra. Anlässlich dieses Jubiläums überreichte Klaus-Dietrich Matschke, Bereichsleiter Straßenbahn in der letzten Woche eine restaurierte Tatra für die Sammlung historischer Fahrzeuge der BVG AöR an den Denkmalpflege-Verein Nahverkehr Berlin. Die Tatra-Wagen wurden vom tschechoslowakischen bzw. tschechischen Hersteller ČKD Tatra mit Sitz in Prag produziert.

Die verschiedenen Tatra-Modelle fuhren in fast allen Ostblockländern, wobei in Berlin die Reihe KT4D zum Einsatz kam. KT steht für kloubovy tramway (tschechisch: Gelenkwagen), 4 für die Anzahl der Achsen und D für Deutschland. Am 11. September 1976 wurde die erste Tatra in Ost-Berlin auf der damaligen Linie 75 zwischen Hackescher Markt und Betriebshof Weißensee in Betrieb genommen. Obwohl das Modell eigentlich für kleinere und mittlere Betriebe und eher kurvenreiche und bergige Strecken konzipiert war, entschied man sich in Berlin für die KT4D als Nachfolger der damals eingesetzten Rekowagen.

Von 1976 bis 1990 sollten die wichtigsten Linien auf KT4D umgestellt werden und die Erschließung der Neubaugebiete erfolgen. Zwischen 1976 und 1997 kamen insgesamt 582 Tatras in Berlin zum Einsatz. Heute zählt der Bestand der Tatra-Züge in Berlin noch 79 Fahrzeuge, die in den kommenden Monaten nach und nach ausrangiert werden. 40 Wagen verbleiben als strategische Reserve hinsichtlich der wachsenden Stadt bis 2019 im Bestand der BVG. Auch von den modernisierten KT4D werden sicherlich einige Fahrzeuge einen Platz in der historischen Sammlung auf dem Betriebshof Köpenick finden.

So wie die Tatra, die vergangene Woche übergeben wurde. Der Wagen aus dem Baujahr 1986 wurde von Experten der BVG AöR und des Denkmalpflegevereins restauriert und in den Originalzustand der frühen 80er Jahre versetzt. Von der Bestuhlung, der Außenlackierung bis hin zu den begehrten „Lada-Rückleuchten“ ist nun alles wieder beim Alten, wie es im DDR-Alltag Ost-Berlins gewesen ist. Auch die Frontscheinwerfer vom legendären Skoda S100 bis hin zu den verchromten Scheibenwischer haben wieder ihren Platz gefunden.

Die Sammlung historischer Straßenbahnen hat vor knapp einem Jahr ein neues und ebenfalls geschichtsträchtiges Dach über dem Kopf erhalten. Der Straßenbahnbetriebshof Köpenick wurde im Jahr 1903 in Betrieb genommen und steht unter Denkmalschutz. Zwischen 1993 und 1999 wurde der Betriebshof denkmalgerecht saniert und umgebaut.

Die BVG AöR betreibt ihr Tramnetz größtenteils auf dem Gebiet des früheren Ost-Berlins, weil man im Westen der geteilten Stadt eine andere, an die Bundesrepublik angelehnte Verkehrspolitik betrieben hat: Die klassische Tram wurde größtenteils durch die deutlich schnelleren U-Bahnen, aber auch durch konventionelle Busse ersetzt. Aus diesem Grund stammen die älteren Tram-Fahrzeuge Berlins aus früheren Ostblockstaaten.

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