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London: Pendler protestieren gegen SPNV-Streichungen

14.07.16 (Großbritannien) Autor:Max Yang

Am Montag demonstrierten über 100 Pendler im Bahnhof London Victoria gegen Fahrplanstreichungen durch das Verkehrsunternehmen GTR (Govia Thameslink Railway) im Netz Southern, welches SPNV im Süden Londons sowie unter anderem in den Regionen Sussex und Surrey umfasst. Hintergrund ist ein Konflikt mit den Gewerkschaften, der sich um die durch das Verkehrsministerium gedeckte Ersetzung von Kundenbetreuern mit betrieblichen Funktionen durch reine Fahrgeldsicherer dreht.

Hinzu tritt ein seit der letztjährigen Übernahme des Teilnetzes Thameslink/Great Northern bestehender Mangel an Triebfahrzeugführern. Am Montag trat ein Notfahrplan mit einer um etwa 15 Prozent reduzierten Transportleistung in Kraft. Gegenüber Zughalt äußerte sich Claire Heath, Pendlerin seit 17 Jahren, dass die Verkehrssituation so schlecht wie nie sei und sich negativ auf Privat- wie Berufsleben auswirke: „Zumindest in den letzten zwei Monaten war ich jeden Tag 30 Minuten zu spät bei der Arbeit, obwohl ich ab Haywards Heath einen früheren Zug als sonst nehme.“

Weiter: „Jeden Abend habe ich 2,5 Stunden Pendeln statt einer 45-Minuten-Fahrt vor mir.“ Heath überlege nun ernsthaft, ihr Leben umzustellen, um nicht mehr pendeln zu müssen. Bereits in den letzten Monaten fielen vermehrt Züge aus, auch auf der Flughafenlinie Gatwick Express. Die Einschränkungen im einst als vorbildlich geltenden Southern-Netz sollen bis zu zwei Jahre weiter andauern.

Der Groß-Londoner Bürgermeister Sadiq Khan (Labour) fordert die vorzeitige Kündigung des Verkehrsvertrages – was einzelne Parlamentsabgeordnete in der Early Day Motion 298 bereits letzte Woche zur Debatte einreichten. Die Situation erinnert entfernt an die Berliner S-Bahn-Krise der Jahre 2009 bis 2012. Dort gab es kaum Widerstand gegen die massivsten Betriebseinschränkungen seit Kriegsende, welche von Fahrzeug- und Personalpolitik der DB-AG-Tochter S-Bahn Berlin GmbH mitverursacht wurden. Politische Konsequenzen blieben größtenteils aus.

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