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ACE fordert Fernbusmaut

18.04.16 (Fernverkehr) Autor:Stefan Hennigfeld

Seit der Liberalisierung des Fernbusmarktes und der Möglichkeit, kommerziellen Linienverkehr mit Bussen anzubieten, wird immer wieder über eine mögliche Mautpflicht diskutiert. Nun hat sich auch der Autoclub Europa (ACE) in die Debatte eingeschaltet. Der Club begründet dies mit einem größeren Verschleiß der Straßen durch Fernbusse und stellt in einem Rechenbeispiel klar, dass die Maut für Fernbusse, sollte sie an den Fahrgast weiter gegeben werden, lediglich 20 Cent je 100 km Mehrkosten verursachen würde.

Stefan Heimlich, Vorsitzender des ACE: „Es ist absolut unverständlich, warum Fernbusse bisher von der Lkw-Maut ausgenommen sind. Unter der Last eines modernen Fernbusses leiden die Straßen und Brücken zum Teil stärker als unter einem schweren Sattelzug; denn mit bis zu neun Tonnen bringt ein Fernbus pro Achse mehr Gewicht auf die Waage als ein 40-Tonner.“ Laut dem ACE sollte sich ein modernes Mautsystem vor allem nach dem Verursacherprinzip richten: „Derjenige, der den Schaden verursacht, sollte auch für die Finanzierung von Erhalt und Neubau in die Pflicht genommen werden“, so Heimlich.

Eine Maut für alle Fahrzeuge über 3,5 Tonnen und eine Staffelung nach Gewicht und Achsenzahl wäre daher aus Sicht des ACE nur konsequent. Dem Argument, die Preise für Fernbus-Touren würden dadurch für den Verbraucher drastisch steigen, nahm Heimlich den Wind aus den Segeln: „Eine hundert Kilometer lange Strecke würde pro Fahrgast nur etwa 20 Cent teurer werden. Damit wäre der Fernbus auf vielen Strecken immer noch konkurrenzlos günstig. Durch die Abgabe würde aber endlich die grundlose Bevorteilung der Fernreisebusse aufhören.“

Laut ACE herrscht seit Monaten ein „vehementer und ruinöser Preiskampf“ der Anbieter von Fernbus-Touren. Offenbar geht es aber langfristig um ein äußerst lukratives Geschäft. Laut Hintergrundinformationen des ACE treffen die Fernbuslinien auf ein wachsendes Interesse: So ist zwischen 2012 und 2015 die Zahl der Inlandsfahrten von 2,1 Millionen auf 16,1 Millionen gesprungen. „Der Trend zeigt stetig bergauf, die Fernreisebusse haben sich etabliert, jetzt geht es darum, faire Bedingungen zu schaffen“, so Heimlich weiter.

Die These, wonach der Wettbewerb im Markt „vehement und ruinös“ sei, gibt es seit der Gesetzesänderung zum 1. Januar 2014. Allerdings: Die Ankündigung, dass erhebliche Preissteigerungen unmittelbar bevorstünden, hat sich in den Jahren – zumindest bislang – noch nicht bewahrheitet. Fernbus-Reisenden empfiehlt der ACE, die Leistungen der verschiedenen Anbieter zu vergleichen.

Die oft kommunizierten Niedrigpreise seien stark von Aktionen und dem Datum der Buchung abhängig. Nicht immer könne kostenlos storniert oder umgebucht werden, Aktionsangebote seien davon in der Regel ausgeschlossen. Darüber hinaus verweist der ACE auf die hohe Verkehrssicherheit des Busses: Das Risiko, während einer Fahrt mit dem Bus tödlich verletzt zu werden, ist etwa 14-mal geringer als bei einer Fahrt mit dem Auto.

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