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KVB fordert mehr Engagement für E-Mobilität

04.02.16 (NVR) Autor:Stefan Hennigfeld

Wenige Tage nachdem die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) ihre neuen Dieselbusse dem Verkehr übergeben haben, macht sich das Unternehmen nun politisch für eine stärkere Förderung elektrischer Traktion auch im Linienbusbereich stark. Letzte Woche hat man dafür einen Erfahrungsaustausch zwischen verschiedenen Verkehrsunternehmen veranstaltet. Zu Gast waren dabei u.a. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos, der Vorstandsvorsitzende der Rhein-Energie Dieter Steinkamp sowie die für Elektromobilität zuständigen Experten aus Industrieunternehmen, Wissenschaft und Verbänden.

Das Ziel ist es, die seit über hundert Jahren auf der kommunalen Schiene übliche Elektromobilität auszuweiten auf den Busverkehr. Der Vorteil elektrischer Traktion ist, gerade in den Städten, dass keine Schadstoffe ausgestoßen werden. Gerade in den Großstädten werden häufig noch die Grenzwerte zum Beispiel für verschiedene Stickoxide und Feinstaub überschritten. Das viel zitierte Kohlenstoffdioxid trägt zur Erderwärmung und somit zum Klimawandel bei.

Jürgen Fenske, Vorstandsvorsitzender der KVB: „Wir werden im Dezember des Jahres die Kölner Bus-Linie 133 auf den Betrieb mit acht E-Bussen umstellen. Die täglich rund 9.000 Fahrgäste haben dann auf dieser Linie eine noch bessere Möglichkeit, klima- und umweltfreundlich mobil zu sein. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass die Fahrzeuge und die Ladeinfrastruktur zuverlässig funktionieren.“ Die Investition für die Linie 133 war nur möglich, weil das Land Nordrhein-Westfalen mit einer Förderung von 1,92 Millionen Euro und die KVB mit 1,25 Millionen Euro die Mehrkosten im Vergleich zu herkömmlichen Dieselbussen ausgeglichen haben.

Jürgen Fenske spricht dabei auch für den Verband Deutscher Verkehrsunternehmen, deren Präsident er ist: „Wir sind dem Land NRW sehr dankbar für seine Unterstützung. Derzeit kostet ein E-Bus in der Anschaffung etwa 700.000 Euro und damit mindestens doppelt so viel wie ein Dieselbus.“ Ziel ist es, elektrische Traktion im Stadtbusverkehr marktfähig zu machen. Das ist jedoch umso schwieriger, da auch konventionelle Dieselbusse immer wirtschaftlicher werden. Dennoch ist man sich bei der KVB sicher: Die Einführung der E-Mobilität im Busverkehr befindet sich noch am Anfang. Im Technologietransfer müssen Fahrzeugtechnik und Ladeinfrastruktur auf die betrieblichen Anforderungen im Stadtverkehr abgestimmt werden.

Es bedarf einer Standardisierung, um Serienreife zu erreichen. Mit finanzieller Unterstützung der öffentlichen Hand sollen bis zum Jahr 2020 sehr viel mehr Busse in Deutschland fahren. Wie viele, bleibt offen. Es ist die Rede von einer „relevanten Stückzahl“. Aktuell beginnt die Testphase der KVB mit ihren E-Bussen. Die Kölner werden deshalb ab jetzt regelmäßig einen oder mehrere dieser Fahrzeuge im Stadtbild sehen. Genauso wie in der Konstruktions- und Herstellungsphase arbeitet die KVB hier eng im Rahmen der Entwicklungspartnerschaft mit dem Hersteller VDL Bus & Coach, dessen Zulieferern sowie der Rhei-Energie zusammen.

Jörn Schwarze, Technikvorstand der KVB: „Entwicklungspartnerschaften wie die unseres E-Bus-Projektes sind immer spannend, weil am Anfang die Herausforderungen nur zu erahnen sind. Nur in der guten Zusammenarbeit zwischen Herstellern und Betreibern können solch hoch innovative Produkte im Technologietransfer marktreif gemacht werden.“ Zunächst wird jeder der acht E-Busse auf seine technische Verfügbarkeit getestet. Da die E-Busse eine Neukonstruktion darstellen, können Herstellungsmängel nicht ausgeschlossen werden. Genauso muss die Ladeinfrastruktur an den Endhaltestellen der Linie 133 in der Goldgasse am Breslauer Platz sowie am Südfriedhof Zollstock getestet werden.

Die Ladeinfrastruktur, bestehend aus Unterwerken und Lademasten, befindet sich derzeit im Aufbau. Die Rhein-Energie ist ein wesentlicher Partner im E-Bus-Projekt der KVB. Die Konzernschwester der KVB hat den Aufbau und den Betrieb der Ladeinfrastruktur zur Versorgung der E-Busse mit elektrischer Energie übernommen. Das Projekt ist der Einstieg der Rhein-Energie in die DC-Schnellladetechnik mit Leistungen von 50 bis 240 Kilo-Watt (kW). Gemeinsam machte man sich der Bundesumweltministerin gegenüber dafür stark, künftig auch weiterhin ausreichende finanzielle Mittel für die Förderung elektrischer Mobilität im Stadtbusverkehr bereit zu stellen. Ziel ist die großflächige Umstellung weg von konventioneller Dieseltechnik.

Siehe auch:Den Realitäten ins Auge blicken

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