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London Underground testet neue Bahnsteigsbelüftung

18.08.15 (Großbritannien) Autor:Max Yang

Am Londoner U-Bahnhof St Paul’s wurde im Auftrag von Transport for London auf dem östlichen Bahnsteig der Central Line kürzlich eine neuartige Belüftungsanlage montiert. Herz des neuen Systems ist ein Ventilator, welcher auf dem Straßenniveau frische Luft einzieht. Die eingezogene Luft wird durch ein Wasserkühlungssystem mit einem Durchsatz von 16 Litern Kaltwasser pro Sekunde um bis zu 7 Kelvin heruntergekühlt, bevor es den Bahnsteig erreicht.

Der Ventilator kann jede Minute so viel Luft bewegen, wie in 15 Doppeldeckerbusse passt. David Waboso von London Underground: „Wir wissen, dass Reisen durch London während der Sommermonate unkomfortabel sein können, so dass wir immer auf der Ausschau nach innovativen Wegen sind, um die Temperatur zu reduzieren. Die Kühlung der Tube ist eine große Herausforderung, wir machen aber große Fortschritte, und bis Ende 2016 werden 40% des Underground-Netzes mit klimatisierten Zügen bedient. Projekte wie die Installation einer Ventilatorenanlage am U-Bahnhof St Paul’s zeigen, dass LU einige der begabtesten kreativen Menschen in der Branche hat, wenn es darum geht, neue Wege bei der Kühlung der Londoner Tube zu entwickeln.“

Eine weitere Ventilatorenanlage wird diesen Sommer nahe des nördlichen Endes der Victoria Line zwischen den Stationen Walthamstow Central und Blackhorse Road installiert. Der Einbau wurde zeitlich mit Instandhaltungsarbeiten koordiniert, die die Infrastruktur soweit verbessern, dass 36 Züge pro Stunde ab nächstem Jahr abgefertigt werden können. Eingesetzt wird die Anlage auf der Victoria Line ab nächsten Sommer.

Traditionelle Ventilatorenanlagen ohne zusätzliche Wasserkühlung gibt es in London bereits seit Jahrzehnten, kürzlich wurden 83 Ventilatoren wiederhergestellt. Zusätzlich wird durch Transport for London ein „Cooling Innovation Centre“ gegründet, um neue effiziente und umweltfreundliche Methoden zur Temperaturregelung von Stationen und Fahrzeugen zu erforschen.

Während etwa in Berlin beinahe im Zweijahrestakt neue Hitzerekorde festgestellt werden, eine Kühlung von Stationen oder teilweise gesundheitsgefährdend aufgeheizten U-Bahn-Zügen jedoch nicht geplant ist, wird das ältere und deutlich aufwändiger zu unterhaltende U-Bahn-Netz im klimatisch milderen London stetig weiterentwickelt.

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