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Traue keiner Statistik …

15.06.15 (Hessen, Kommentar, Nordrhein-Westfalen, NVR, NWL, Rheinland-Pfalz, VRR) Autor:Stefan Hennigfeld

Anfang 2014 gab es eine Pressemeldung der Deutschen Bahn. Im Zusammenhang mit den Diskussionen um den Zukunftstarifvertrag mit der GDL nannte man erstmals Zahlen: Im Jahr 2013 waren insgesamt 115 Personen von Ausschreibungsverlusten im Regionalverkehr betroffen. Solche, deren Planstelle vor Ort gestrichen werden musste. In 34 Fällen wechselten sie zum anderen Betreiber, 27 wurden überregional versetzt. Die von GDL-Chef Claus Weselsky genannte Kritik, der konzerninterne Arbeitsmarkt sei ein großes „Landverschickungsprogramm“ wurde damit zurückgewiesen.

Inzwischen ist die fragliche Meldung auf den Internetseiten und im Pressearchiv des DB-Konzerns nicht mehr auffindbar. Man hat sich wohl zu weit aus dem Fenster gelehnt und braucht die Drohung noch, wenn man eine Ausschreibung verliert, wie aktuell beim Rhein-Ruhr-Express. Mit Existenzängsten zu arbeiten ist jedoch einfach unanständig. „Ihr habt die Wahl zwischen einer Versetzung weit, weit weg von hier oder dem Wechsel zu einer Wettbewerbsbahn, die Dumpinglöhne“ zahlt.

Dass das nicht stimmt, ist das eine. Es ist manipulativ, den Konzerntarifvertrag mit dem Branchentarifvertrag zu vergleichen, wo doch die meisten NE-Bahnen inzwischen eigene Haustarifverträge haben, die höher liegen als die branchenweiten Regelungen. Und auch so: Wenn eine Wettbewerbsbahn auf einer eingleisigen und nicht elektrifizierten Strecke fährt, wo 21 Uhr Betriebsschluss ist, dann werden Nachtzuschläge seltener fällig als bei DB Regio, wo bis weit nach Mitternacht und am Wochenende sogar ohne Pause durchgefahren wird, etwa bei der S-Bahn Rhein-Ruhr oder dem NRW-Express.

Auch die Frage, ob an Sonn- und Feiertagen auf der S-Bahn alle dreißig Minuten oder auf der weniger frequentierten Strecke nur alle zwei Stunden gefahren wird, spielt eine Rolle: Wenn Sonntagszuschläge seltener fällig werden, dann sinkt der Durchschnittslohn, aber nicht die Lohnstruktur. Besonders fies wird es, wenn die Löhne im DB-Konzern, die auch regelmäßige Nachtschichten und Auswärtsübernachtungen bei DB Schenker Rail oder DB Fernverkehr abdecken müssen (aber bei DB Regio nicht vorkommen) mit denen von Wettbewerbsbahnen verglichen werden, die nie nachts und nur selten abends und am Wochenende fahren. Wenn eine Wettbewerbsbahn den NRW-Express im Rahmen der RRX-Ausschreibung übernehmen wird, dann steigen deren Lohnkosten durch die genannten Dinge automatisch an.

Von den Werkstattangestellten ganz zu schweigen, denn wer von der DB AG zu Siemens wechselt und erstmals in den Genuss des Metallertarifvertrages kommt, der wird persönlich massiv von der Herstellerwartung profitieren: Er verdient mehr Geld! Was also spricht dagegen, den Arbeitgeber zu wechseln? Zunächst einmal will die GDL schon seit Jahren, dass für einen solchen Fall feste Abfindungsregelungen eingeführt werden. Die Bahn selbst geht (normalerweise) von einem lebenslangen Verbleib im Konzern aus. Die eingangs genannten Zahlen belegen diese These ja auch. Aber gerade deshalb braucht jetzt oder später niemand in Panik zu verfallen!

Siehe auch: RRX: Bekanntgabe diese Woche, Abellio und National Express gewinnen

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