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RRX: Ausschreibungsergebnis offiziell publiziert

18.06.15 (Hessen, Nordrhein-Westfalen, NVR, NWL, Rheinland-Pfalz, VRR) Autor:Stefan Hennigfeld

Was bereits seit letzter Woche bekannt ist, wurde nun auch offiziell verkündet: Die Betriebsleistungen der Vorlauflinien zum Rhein-Ruhr-Express werden von Abellio Rail NRW (RE 1 und RE 11) sowie National Express Rail (RE 4, RE 5 und RE 6) gefahren. Die Fahrzeuge werden von Siemens geliefert, die auch am neuen Standort Dortmund-Eving für die Wartung zuständig sind. Die beiden Verkehrsunternehmen haben sich mit den jeweils wirtschaftlichsten Angeboten durchgesetzt.

Insgesamt werden 14,6 Millionen Zugkilometer im Jahr erbracht. Das Los von Abellio hat davon 6,2 Millionen, die beiden Lose von National Express 6,0 und 2,4 Millionen Zugkilometer im Jahr. Nach der Entscheidung der verantwortlichen politischen Zweckverbandsgremien muss jetzt noch eine zehntägige Einspruchsfrist eingehalten werden. Erst nach Ablauf dieser Frist werden die jeweiligen Verkehrsverträge abgeschlossen.

Beide Unternehmen freuen sich sehr über die Zuschlagserteilung. Stephan Krenz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Abellio GmbH: „Da die Vergabe noch unter Vorbehalt der Einspruchsfrist erfolgt, werden wir uns auch erst dann so richtig freuen, wenn rechtlich kein Widerspruch mehr besteht. Unabhängig davon unterstreicht die Entscheidung des VRR, dass Abellio bundesweit mit seiner kontrollierten Wachstumsstrategie auf dem richtigen Weg ist. Die Vergabe des größten Teilloses an unser Unternehmen ist eine Bestätigung unserer guten Arbeit, die unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den zurückliegenden Jahren geleistet haben. Unsere Qualitätsführerschaft in den alljährlichen Umfragen der Aufgabenträger hat sich erneut ausgezahlt und unser konsequentes Eintreten für einen fairen Wettbewerb auf der Schiene hat sich gelohnt.“

Auch Ronald Lünser zeigt sich erfreut, Vorsitzender der Geschäftsführung und Eisenbahnbetriebsleiter der Abellio Rail NRW GmbH: „Das Vorzeigeprojekt der nordrhein-westfälischen Landesregierung zu realisieren ist schon eine große Auszeichnung für die erfolgreiche Arbeit unserer Kolleginnen und Kollegen. Wir werden damit ein absolutes Premiumprodukt auf die Schiene setzen, das es in dieser übergreifenden Form im größten deutschen Bundesland so noch nicht gegeben hat. Wir haben uns gegen härteste Konkurrenz im fairen Wettbewerb profiliert und damit einen Meilenstein für die Entwicklung des Unternehmens im Jubiläumsjahr von Rail NRW gesetzt.“ Abellio Rail NRW übernahm vor zehn Jahren, im Dezember 2005, die ersten SPNV-Leistungen zwischen Hagen und Essen sowie zwischen Bochum und Gelsenkirchen.

Auch bei National Express ist man zufrieden mit dem Markteintritt. Das Unternehmen wird in diesem Jahr noch den Betrieb der Linien RE 7 und RB 48 zwischen Rheine, Köln, Wuppertal und Bonn aufnehmen und nun folgt voraussichtlich der Rhein-Ruhr-Express. Auch bei der S-Bahn Nürnberg hat man die Vergabe für sich entschieden, jedoch ist ein Nachprüfungsverfahren aktuell beim Oberlandesgericht München anhängig. Dean Finch, CEO der britischen National Express Group: „Ich bin sehr erfreut über die Fortschritte, die unser starkes, regionales Team macht.“

Im Zuge des Vergabeverfahrens gab es insbesondere von DB Regio immer wieder Kritik, dass hier einzig und allein die Lohnkosten entscheidend seien und die Wettbewerbsbahnen von im Vergleich zum DB-Konzern deutlich geringeren Löhnen profitieren würden. Im Hinblick auf Lohnhöhe und Arbeitszeit gab Heinrich Brüggemann von DB Regio NRW die Kostenunterschiede in der Rheinischen Post jüngst mit bis zu 14 Prozent an.

Dieser Darstellung haben die zuständigen Aufgabenträger widersprochen. Man verweist darauf, dass bei den einzelnen Losen unterschiedliche Bieter die jeweils höchsten Lohnkosten hatten, so dass ein struktureller Nachteil von DB Regio nicht zu erkennen sei. In einer gemeinsamen Erklärung heißt es: „Entscheidend im Verfahren waren neben den Overheadkosten vor allem die kalkulierten Energiekosten.“ Insbesondere geht es um die Frage nach effizienter Fahrweise sowie der Preisentwicklung über die Jahre beim Bahnstrom.

Dieser Punkt wird von der Düsseldorfer Kanzlei Heuking, die die Vergabe im VRR begleitet hat, noch einmal ausdrücklich gelobt. Anwältin Ute Jasper: „Der innovative Ansatz hat sich doppelt ausgezahlt. Für die Vergaben waren die Kosten über den Lebenszyklus einschließlich des Energieverbrauchs der Fahrzeuge entscheidend. Diese neuartige Ausschreibungsform wird sicher auch in anderen Bundesländern Schule machen.“

Siehe auch: Man stelle sich mal vor …

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