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Erfolge marktwirtschaftlicher Politik

29.06.15 (Kommentar, Nordrhein-Westfalen) Autor:Stefan Hennigfeld

Natürlich gibt es im SPNV an Rhein, Ruhr und Sieg noch immer Verbesserungspotential. Nach dem Motto „Wer rastet, der rostet“ wäre es auch falsch, eines Tages zu sagen „Jetzt ist alles gut“ und sich zurückzulehnen. Autos werden ja auch immer komfortabler und so muss der ÖPNV sich ebenfalls beständig verbessern. Das ist in den letzten zehn Jahren auf ganz besondere Art und Weise gelungen. Wer erinnert sich nicht, wie insbesondere die S-Bahnen in den Nullerjahren ausgesehen haben?

Wer nicht dabei war wird Geschichten von vor einigen Jahren gar nicht glauben können, als Züge mit Fäkalverschmutzungen tagelang durch die Gegend gefahren sind (für Pendler oft erkennbar dadurch, dass die Kotze vom Wochenende jeden Tag im Zug war und offensichtlich kein Reinigungstrupp durchgegangen ist). Von Graffitischmierereien auf braunen Kunstledersitzen, verkratzten Fenstern oder einfach nur bestialischem Gestank ganz zu schweigen. Und da muss man sagen, dass hier so große Verbesserungen bereits erzielt worden sind, dass es die einfach mal zu loben gilt! Der alte Bundesbahn-Charme ist von der Schiene endgültig verschwunden und im Interesse der Gesamtqualität ist das gut so!

Die Eisenbahnreform ist allein deshalb ein Erfolg gewesen, denn all diese Verbesserungen wären ohne den vorhandenen Marktdruck nicht möglich gewesen. Die Preise wurden durch die jüngsten Vergaben erheblich gesenkt, die Qualität ist gestiegen. Es ist im Interesse der Eisenbahn notwendig, das verfügbare Geld so wirtschaftlich wie möglich aufzuwenden und dabei die bestmögliche Qualität zu verlangen. Auch bei den Schlechtleistungen der Deutschen Bahn hieß es anfangs immer, es würde teurer werden bei höheren Qualitätsvorgaben und vieles mehr. Heute wissen wir: Das ist nicht der Fall.

Nehmen wir ein anderes, schlechteres Beispiel: Als vor einigen Monaten Videos in den sozialen Netzwerken die Runde machten, die die schwer eingestaubten Sitze in den Stadtbahn-Zügen der Essener Verkehrs AG gezeigt haben, hieß es vom Kommunalmonopolisten schlicht, das läge an der massiven Untersubventionierung und man könne regelmäßige Reinigungen mit einem Staubsauger nicht bezahlen. Zur Erinnerung: Bei DB Regio wurde noch vor zehn Jahren ähnlich argumentiert und durch angemessenen Marktdruck ist das Unternehmen zu so großen Restrukturierungen gezwungen worden, dass man nun deutlich bessere Leistungen für viel weniger Geld erbringen kann.

Es ist notwendig, sich das noch einmal vor Augen zu führen, um zu sehen, welche Wegstrecke bereits zurückgelegt worden ist. Oder auch um darauf hinzuweisen, dass es Qualitätsberichte dieser Art zwar für die SPNV-Unternehmen gibt, die kommunalen Monopolisten im ÖPNV unterliegen jedoch faktisch keinerlei Controlling. Dieser direkte Vergleich zeigt, dass marktwirtschaftliche Strukturen im öffentlichen Verkehr erkennbar besser sind als der Schutz vermeintlich „gemeinnütziger“ Monopolunternehmen im Eigentum der öffentlichen Hand. Dort werden Schlechtleistungen und Probleme allenfalls mit „wir wollen mehr Geld“ kommentiert, von besserer Leistung redet leider niemand.

Siehe auch: NRW: Aktuelle Qualitätsberichte liegen vor

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