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Trier: Stadtrat will 50km/h für Güterzüge

26.03.15 (Güterverkehr) Autor:Stefan Hennigfeld

Vor knapp fünf Jahren, im November 2010, forderten die Grünen im hessischen Landtag eine innerörtliche Höchstgeschwindigkeit für Güterzüge von 50km/h. Der Rat der Stadt Trier hat nun eine ähnliche Beschlusslage und fordert eine solche Regelung für Eisenbahnstrecken in geschlossenen Ortschaften. In einer gemeinsamen Resolution hat der Stadtrat mit großer Mehrheit die Deutsche Bahn aufgefordert, die derzeitigen starken Beeinträchtigungen durch den umgeleiteten Güterverkehr auf der Westtrasse zu minimieren und ohne Mehrbelastung der Osttrasse auf das Nötigste zurückzuführen.

„Die Umleitungen des Güterverkehrs der Deutschen Bahn auf die Westtrasse führten in den letzten Monaten für die Anwohnerinnen und Anwohner zu erheblichen Lärmbelästigungen“, heißt es in der Resolution. Insbesondere die Nachtfahrten verursachten an der nicht lärmgeschützten Strecke Ruhe- und Schlafstörungen. Zwar habe die Bahn die Nutzung der Westtrasse als Ausweichtrasse für den Güterverkehr lediglich bis Ende November vergangenen Jahres angekündigt, doch komme es immer wieder zu unerwarteten Nutzungen für den Güterverkehr. Neben einer Verbesserung der Information an alle beteiligten Stellen wird zudem die Erstellung eines Lärmgutachtens für die Westtrasse gefordert.

Zudem müsse die Umrüstung der Güterwagen auf Flüsterbremsen bis 2020 erfolgen. SPD-Fraktionsvorsitzender Sven Teuber forderte bei der Begründung der gemeinsam mit der CDU, den Grünen, der FWG, der Linken und der Piratenpartei eingebrachten Resolution die Bahn auf, den Anliegen zügig und zeitnah gerecht zu werden. Auch die AfD stimmte der Resolution zu. Wegen der übergeordneten Einschätzung, Resolutionen als eher unwirksames Mittel der Politik in der Regel nicht zu unterstützen, votierte die FDP-Fraktion im Stadtrat gegen die Vorlage. Die Folgen auf der Schiene wären heute noch die gleichen, wie es sie vor fünf Jahren gegeben hätte.

Gerade auf stark belasteten Strecken würde sich die Aufnahmekapazität erheblich verringern: Strecken sind umso leistungsfähiger, je ähnlicher die Geschwindigkeit der Züge darauf ist. Das gilt sowohl, wenn Regionalzüge schneller fahren als Güterzüge, aber alle paar Kilometer halten, als auch bei ähnlich schnell fahrenden Güterzügen. Ein Fließbandbetrieb bei relativ kleinen Blockabschnitten oder gar LZB oder Nachfolgetechnologien macht die Strecke leistungsfähig, wobei die Endgeschwindigkeit zunächst einmal eine untergeordnete Rolle spielt.

Ähnliche Thematiken ergeben sich bei der Frage nach der Eisenbahnregulierung: Wenn jemand mit seiner 40km/h schnellen Lokomotive am Rhein hochfahren will und hinter sich einen Stau verursachen würde, findet sich hier die natürliche Grenze des Open Access, weil die normative Kraft des faktischen irgendwann jede gesetzliche Regelung zerschlägt. Sollte sich eine solche Regelung z.B. zwischen Köln und Koblenz bzw. Mainz durchsetzen, so müsste der Personenverkehr dort erheblich ausgedünnt werden.

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