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EVG und GDL kritisieren DB-Marktaustritt

09.03.15 (Sachsen) Autor:Stefan Hennigfeld

Die EVG hat das Prinzip der Herstellerwartung von Anfang an kritisiert, die GDL hat sich, da ihre Mitglieder nicht betroffen sind, eher zurückgehalten. Wenn DB Regio, wie langfristig im Vorfeld angekündigt und nun im Elektronetz Mittelsachsen erstmals praktiziert, einen Marktaustritt aus dem SPNV vornimmt und ein Bestandsnetz freiwillig hergibt, weil man sich an der Vergabe nicht mehr beteiligt, erhält man keinerlei politische Unterstützung von den Arbeitnehmervertretern. EVG und GDL üben gleichermaßen Kritik am Vorgehen des Unternehmens.

Es dürfe nicht das neue Geschäftsmodell von Regio werden, den Kopf in den Sand zu stecken und sich nicht mehr an komplizierten Ausschreibungen zu beteiligen, sagte der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates Jürgen Knörzer von der EVG: „Der Vorstand der DB Regio AG hat nicht nur eine wirtschaftliche Verantwortung, sondern auch eine Verantwortung gegenüber den Beschäftigten. Diese Verantwortung darf nicht kampflos bei weiteren Ausschreibungen – wie beispielsweise dem RRX – aufgegeben werden.“

Auch bei der GDL hält man das Vorgehen für falsch. DB Regio versuche, die Marktbedingungen zu beeinflussen, um das eigene Geschäftsmodell „durchzudrücken“, wie es heißt. Norbert Quitter, stellvertretender Bundesvorsitzender der GDL, hält das für inakzeptabel: „Die DB Regio AG zieht sich damit nicht nur in die Schmollecke zurück. Vielmehr opfert sie damit auch die Mitarbeiter auf dem Altar ihrer strategischen Interessen: denn nicht das Zugpersonal ist zu teuer, wie die DB gerne behauptet, sondern die Ausschreibungskriterien passen ihr nicht.“ Dabei könnte die DB Regio AG die Verkehre „ohne Weiteres“ auch ohne Infrastrukturleistungen übernehmen.

Insbesondere hält man das Argument für unglaubwürdig, DB Regio habe im Vergleich zu den Wettbewerbern zu hohe Löhne. Quitter: „Die DB Regio AG ist gut beraten, ihre Unternehmensstrategie und die Betriebsstruktur den Marktverhältnissen anzupassen. Statt ständiger Personalmehrung im Wasserkopf und überhöhtem Aufwand, um das eigene Marktverständnis durchzusetzen, sollte sie besser die Chancen nutzen, um Arbeitsplätze im direkten Bereich zu erhalten.“ Anders als die EVG übt man keine Kritik an den Herstellerwartungsmodellen, sondern nennt das Verhalten der Aufgabenträger „nachvollziehbar“, insbesondere im Hinblick auf die Nutzungsdauer der Fahrzeuge.

Im Juni 2014 klang das bei der GDL jedoch noch ganz anders. Auf Nachfrage teilte der Bundesvorsitzende Claus Weselsky dem Eisenbahnjournal Zughalt.de mit, Ziel sei es „in erster Linie, die Arbeitsplätze des Zugpersonals zu schützen/zu erhalten – und zwar unabhängig davon, bei welchem Arbeitgeber.“ Insbesondere hielt Weselsky den angekündigten Markt-austritt damals offensichtlich für unglaubwürdig: „Ob man aus den Verlautbarungen der DB AG einen Marktaustritt ableiten kann, bleibt Ihrer Bewertung vorbehalten.“ Offensichtlich hielt man die Ankündigungen für unglaubwürdig; ein Trugschluss, wie sich in der aktuellen Lage zeigt.

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