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Deutsche Bahn mit neuer Fernbus-Strategie

26.02.15 (Fernverkehr) Autor:Max Yang

Unter der bereits bekannten Marke „berlinlinienbus.de“ soll das Fernbusnetz der Deutschen Bahn ab der zweiten Hälfte des Jahres 2015 erheblich ausgebaut werden. Das Ziel sei eine Vervierfachung des Angebots bis 2016, wie der Vorstand Personenverkehr der Deutschen Bahn, Ulrich Homburg, auf einer Pressekonferenz in Berlin am Montag erklärte. Ironischerweise musste die Uhrzeit dieses Pressetermins zweimal nach hinten verschoben werden, da Homburg mit einem verspäteten Flug Frankfurt vier Stunden später in Richtung Berlin verließ als geplant. Die Marke IC Bus werde zwar aufgegeben, die internationalen ehemaligen IC-Bus-Verbindungen als „Verlängerung der Schiene“ jedoch beibehalten und weiterhin durchgehend im Bahntarif und auf bahn.de buchbar sein, wobei dann auch zugunsten der Kunden die großzügigeren Fahrgastrechte des Schienenverkehrs Anwendung finden.

Reguläre inländische Buslinien werden nicht auf bahn.de zur Buchung angeboten und ein anderes Tarifsystem finde Anwendung. Dennoch werde das Kundentreueprogramm bahn.bonus zukünftig auch für nationale Busreisende verfügbar sein. Orientiert werde sich bei der Gestaltung des Angebots an der Kundennachfrage sowie an der Marktentwicklung. So sollen insbesondere auf nachfragestarken Relationen wie zwischen Berlin und Bremen oder zwischen thüringischen und bayerischen Zielen mehr Verbindungen angeboten werden. Die DB werde auch weiterhin nicht selbst Busfahrer anstellen und Fahrzeuge erwerben, sondern sich weiterhin mittelständischer Subunternehmer bedienen, wie sie dies etwa beim IC Bus mit tschechischen und polnischen Unternehmen schon heute tut. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, sollen zwar örtliche Tarifverträge bei den Beschäftigungsverhältnissen mit den Busfahrern Anwendung finden, nicht jedoch die Konzerntarifverträge der Deutschen Bahn.

Selbsterklärtes Ziel ist es, eine starke Nummer zwei auf dem noch jungen Markt zu werden und das Feld nicht einem marktbeherrschenden Anbieter zu überlassen. Derzeit habe man gemeinsam mit ADAC Postbus jeweils rund 9% Marktanteil, Spitzenreiter sei der kürzlich zusammenfusionierte Gigant MeinFernbus FlixBus. Auf eine Frage danach, wie sich die DB-Busse von der Konkurrenz unterscheiden werden, antwortete Homburg ausweichend: Das Angebot für den Kunden sei auf dem Fernbusmarkt vergleichbar, die Wettbewerber unterschieden sich nur in Details. „Schneller als von uns erwartet hat sich der Fernbus als ein integraler Bestand­teil der Mobilität in Deutschland etabliert“, so Homburg. „Für besonders preissensible und junge Reisende ist er inzwischen das Verkehrsmittel der Wahl und diesem Kunden­wunsch wollen wir uns stellen.“

Die Deutsche Bahn sehe sich als führender Mobilitätsanbieter in Deutschland, welcher dem klaren Kundenbedürfnis nach multimodalen Angeboten Rechnung tragen müsse. Ein günstiger Zeitpunkt für die Erweiterung des eigenen Busangebots sei nun eingetroffen, da eine Konsolidierung eingetreten sei. Die großen Unternehmen MeinFernbus und Flixbus sind zu einem Marktführer fusioniert, Anbieter wie city2city (National Express) haben den Marktausstieg vollzogen und nur noch wenige namhafte Player auf dem deutschen Fernbusmarkt existierten. Gerüchten, die Bahn übernehme den Anteil des ADAC am Gemeinschaftsunternehmen ADAC Postbus, trat Homburg entgegen. Aufgrund der starken Stellung der DB im Schienenverkehr, der mit dem Busverkehr zusammen durch die Kartellbehörden als ein großer Markt betrachtet würde, wären solche Übernahmepläne jedenfalls wettbewerbsrechtlich problematisch.

Fraglich bleibt, ob das eigentliche Kerngeschäft Schiene bei all den Bus-Vorhaben im Konzern vernachlässigt wird. Homburg selbst betonte, dass die Deutsche Bahn keine Schienenverbindung für eine Busverbindung einstellen werde. Ein massiver Flurschaden ist aber bereits entstanden, denn Verbindungen wie der Eurocity Wawel nach Wrocław (Breslau) sind eingestellt worden, während IC-Busse auf der Strecke sich etablierten. Obwohl man nun im Hause DB das Busangebot massiv ausbaut, hält Homburg an der Forderung fest, dass eine Bus-Maut eingeführt werden solle. In die gleiche Kerbe schlägt auch Karl-Peter Naumann vom Verband Pro Bahn. Auch eine Gleichbehandlung von Bus, Bahn und Flugzeug in Bezug auf Fahrgastrechte wird weiterhin seitens Homburg gefordert, obwohl man im Bussektor mit Berlinlinienbus nunmehr eine „low price – low cost“-Strategie fahren möchte.

Siehe auch: Große Bahn, ganz klein

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