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Kölner Dieselnetz: NVR kritisiert erhebliche Probleme

22.01.15 (NVR, Rheinland-Pfalz) Autor:Stefan Hennigfeld

Auch über ein Jahr nach dem offiziellen Betriebsstart des neuen Kölner Dieselnetzes ist die alltägliche Betriebssituation noch immer noch zum Teil erheblichen Problemen, Zugausfällen und Unterkapazitäten geprägt. Grund genug für den Aufgabenträger Nahverkehr Rheinland (NVR) die Zustände auch öffentlich zu kritisieren und den Betreiber DB Regio an seine Pflichten aus dem Verkehrsvertrag zu erinnern. Vor allem seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2014 gibt es vor allem zwischen Bonn und Euskirchen sowie zwischen Köln und Meinerzhagen bzw. Richtung Trier erhebliche Probleme.

Im Zentrum der Kritik stehen die neuen Dieselnetz-Fahrzeuge Coradia Lint 54 und 81 des Herstellers Alstom Transport. Bemängelt werden die Zuverlässigkeit, Kapazität, aber auch der technische Zustand der sogenannten Vareo-Flotte, die vom NVR jedoch in dieser Form bestellt worden ist. Allerdings: Die Unterkapazitäten liegen im Verantwortungsbereich von DB Regio, wenn auf Zugfahrten eigentlich eine Doppeltraktion verkehren soll, jedoch nur eine Einfachtraktion unterwegs ist. Nach Intervention des NVR begründete der Betreiber DB Regio NRW die unbefriedigende Fahrzeugsituation mit hohen unvorhergesehenen Schadständen bei den Neufahrzeugen in Kombination mit externen Faktoren.

„Es ist offensichtlich, dass die DB Regio NRW als Betreiber aktuell große Schwierigkeiten mit dem Betrieb des Kölner Dieselnetzes hat. Das machen einerseits unsere Qualitätsaufzeichnungen, andererseits die Vielzahl an Kundenbeschwerden überdeutlich“, so NVR-Geschäftsführer Heiko Sedlaczek. „Wir sehen die DB Regio in der Pflicht, in Zusammenarbeit mit dem Fahrzeughersteller die Kinderkrankheiten der Fahrzeuge schnellstmöglich zu beheben und wieder einen stabilen Betrieb auf den Strecken zu gewährleisten. Wenn dies mit den Neufahrzeugen nicht möglich ist, muss ein griffiZusätzlich sorgen noch nicht behobene infrastrukturelle Mängel auf den Strecken und damit verbundene Langsamfahrstellen sowie die Inbetriebnahme des elektronischen Stellwerks in Euskirchen mit einem neuen Betriebsprogramm für Verspätungen.ges Ersatzkonzept erarbeitet werden. Es kann nicht sein, dass unsere Kunden in den Zügen schon seit Wochen unhaltbare Zustände erleben.“

„Gemeinsam mit dem Fahrzeughersteller Alstom suchen wir Lösungen, um die betriebliche Situation im Kölner Dieselnetz so schnell wie möglich zu stabilisieren. Dazu zählt eine zügige Abarbeitung offener Gewährleistungsfälle“, so Dirk Helfert von DB Regio. „Hier ist Alstom in der Pflicht.“ Auch Probleme mit den ausfahrbaren Trittstufen sowie längere Türschließzeiten beeinträchtigen den anspruchsvollen Fahrplan, der seit Mitte Dezember im Kölner Dieselnetz gilt. Helfert: „Im Vergleich zum alten Dieselnetz ist die Verkehrsleistung mit Umsetzung des vareo-Konzepts um rund zehn Prozent gestiegen. Jede Abweichung vom Soll-Betrieb wirkt sich unmittelbar auf die Qualität aus.“

Die infrastrukturellen Voraussetzungen haben sich nämlich größtenteils nicht geändert. Noch immer handelt es sich um über weite Strecken eingleisige Abschnitte, auf denen die betriebliche Lage bei Unregelmäßigkeiten oft nur schwer stabilisiert werden kann. Zusätzlich sorgen noch nicht behobene infrastrukturelle Mängel auf den Strecken und damit verbundene Langsamfahrstellen sowie die Inbetriebnahme des elektronischen Stellwerks in Euskirchen mit einem neuen Betriebsprogramm für Verspätungen – das wird als Sachstand kommuniziert, Kritik an DB Netz äußert DB Regio dabei nicht. Der Konzernfriede steht über allem. Doch nicht immer liegt die zu geringe Kapazität nur an DB Regio, in manchen Teilen hat der NVR auch einfach zu wenig bestellt – und will nun nachbessern.

Für die Eifelstrecke und die Oberbergische Bahn sollen neue Mittelteile finanziert werden, die in die vorhandenen zweiteiligen Fahrzeuge eingebaut werden. DB Regio bestätigte auf Anfrage, dass Gespräche mit Alstom in dieser Sache bereits laufen. Nach erster Einschätzung würden die umgebauten Fahrzeuge im Jahr 2017 zum Einsatz kommen – also noch zwei Jahre Wartezeit. Und doch entbindet DB Regio das nicht von der Pflicht, die bestellten Verkehre zu fahren. NVR-Geschäftsführer Norbert Reinkober findet dabei deutliche Worte: „Daher werden wir auch weiterhin bei der DB Regio die Einhaltung der vertraglich festgelegten Kapazitäten sowie eine zügige Besserung der Situation anmahnen. Weitere vertragsrechtliche Konsequenzen werden mittlerweile nicht mehr ausgeschlossen.“

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