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GDL: Keine Einigung in Sicht

27.10.14 (Allgemein) Autor:Stefan Hennigfeld

Im Dauerstreit zwischen der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) und der Deutschen Bahn ist noch kein Ende in Sicht. Zunächst aber wurde angekündigt, dass die aktuelle Streikpause um eine weitere Woche verlängert wurde, bis (mindestens) kommenden Sonntag, den 2. November. Ob das im Zusammenhang mit möglichen informellen Gesprächen steht, ist nicht bekannt. Tarifverhandlungen selbst hat es noch keine gegeben, es geht noch immer im die Frage, wer für wen einen Tarifvertrag abschließt und für wen nicht.

Aktuell sieht es so aus, als könnte eine Vereinbarung finden, die dem Ende Juni ausgelaufenen Grundlagen vertragt ähnelt, wonach jede Gewerkschaft für jeweils die Berufsgruppe einen Tarifvertrag abschließt, in der sie die Mehrheit organisiert. EVG-Chef Alexander Kirchner: „Tatsache ist, dass die GDL lediglich bei den Lokführern über eine Mehrheit verfügt. Bei allen anderen Berufsgruppen organisiert nachweislich der EVG die Mehrheit der Beschäftigten. Alle anderen Aussagen sind falsch.“

Die EVG schlägt vor, mit notarieller Hilfe den Organisationsgrad der EVG und der GDL für die Unternehmen des DB-Konzerns nach Berufsgruppen zu ermitteln. Eine von der Deutschen Bahn zu erstellende Beschäftigtenliste müsste dann mit einer von beiden Gewerkschaften ausgestellten Mitgliederliste berufsgruppenscharf verglichen werden. „Eine solche unabhängige Klärung der Mitgliederstärke – und damit des federführenden Verhandlungsmandats – schafft die dringend nötige Klarheit und beendet den Zahlenstreit“, so Kirchner. Ein solches Modell lehnt die GDL allerdings ab. GDL-Chef Claus Weselsky: „Mit Kooperationsverträgen, Federführung für irgendeine Berufsgruppe und Absprachen wer für wen zuständig ist, will die DB die Spaltung unserer Mitglieder im DB-Konzern aufrechterhalten. Unsere Arbeitskämpfe und die Beeinträchtigung der Kunden lassen sie dabei völlig kalt. Die DB setzt Millionen Euro in den Sand und schiebt über eine Medienkampagne die Schuld den Lokomotivführern und Zugbegleitern in die Schuhe. Das Ganze hat zum Ziel, die Grundrechte unserer Mitglieder zu beschneiden − und der Eigentümer Bund schaut zu.“

Der EVG wirft man bei der GDL vor, sich unterstützend für die DB AG zu betätigen. In einer Erklärung der GDL heißt es: „Es gilt das Prinzip der Tarifpluralität: Jede Gewerkschaft kann für ihre Mitglieder Forderungen aufstellen und sie, sofern sie mitgliederstark, tarifmächtig und solidarisch untereinander ist, auch durchsetzen.“ Man verweist darauf, dass es bereits heute unterschiedliche Bezahlung bei gleichen Beschäftigungssgruppen im DB-Konzern gibt. Weselsky: „Wer es heute schon schafft, die Arbeitszeit jedes einzelnen Beschäftigten des Zugpersonals minutiös zu planen und abzurechnen, der darf sich nicht hinter fadenscheinig konstruierten Extremfällen verstecken, die in der Tarifwirklichkeit zu 99 Prozent nicht entstehen.“ Bewegung scheint daher, trotz der jetzt verlängerten Streikpause in die Auseinandersetzung nicht zu kommen.

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