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VDV und BAG SPNV wollen Gebrauchtfahrzeugmarkt forcieren

22.09.14 (Allgemein) Autor:Stefan Hennigfeld

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) sowie die Bundesarbeitsgemeinschaft der Aufgabenträger für den Schienenpersonennahverkehr (BAG SPNV) wollen eine bessere Funktionalität des Gebrauchtfahrzeugmarktes im deutschen Eisenbahnwesen, speziell im Regionalverkehr, künftig stärker forcieren. Das gaben beide Verbände in der letzten Woche bekannt.

In einer gemeinsamen Erklärung äußern sich die Präsidenten Jürgen Fenske (VDV) und Thomas Geyer (BAG SPNV) zu der aktuellen Situation: „Die Fahrzeuge sind oft eine Achillesferse im sehr gut funktionierenden Wettbewerb. Denn ohne zugelassene und verlässliche Fahrzeuge kann man die stetig wachsende Zahl unserer Kunden nicht befördern. Da aber gerade bei Neufahrzeugen im SPNV immer wieder die bekannten Probleme auftreten, halten wir die Einrichtung eines deutschlandweiten SPNV-Gebrauchtwagenmarktes, in dem die Fahrzeuge während ihrer technischen Lebensdauer flexibel in verschiedenen Einsatzgebieten fahren können, für sinnvoll und hilfreich. So können die Unternehmen auch kurzfristig auf Fahrzeugausfälle reagieren. Deshalb plädieren wir auch für eine stärkere Standardisierung der Fahrzeuge.“

Dabei kommt auch das Thema Zulassung zur Sprache. Das Zulassungsverfahren müsse „wieder in jeder Beziehung kalkulierbar werden.“ Ansätze wie Serien- und Plattformzulassung oder Komponentenzulassung werden unterstützt, auch die Festschreibung der Anforderungen und Nachweisverfahren zum Tag der Antragstellung hält man für sinnvoll. Aktuell gibt es die Situation, dass sich Normen und Gesetze während der Bauphase ändern können. Dabei können baugleiche Züge teilweise zugelassen und teilweise nicht zugelassen sein. Der logische Ansatz, dass entweder alle Züge ein Sicherheitsproblem haben und daher vom Gleis müssen oder aber, dass alle Züge sicher sind und fahren können, wird oft nicht beachtet. Dies, da sind sich VDV und BAG SPNV sicher, soll sich ändern. Außerdem unterstützt man Bestrebungen, private Prüfstellen, so sie durch das Eisenbahnbundesamt dazu ermächtigt sind, mit der Zulassung der Züge zu beauftragen.

So ist es etwa in der Luftfahrt üblich, aber auch im Automobilbereich. Dort sind die bekanntesten Prüforganisationen TÜV und Dekra ebenfalls keine staatlichen Stellen. Mit der Allgemeinen Betriebserlaubnis gibt es dort zudem auch schon immer die Baureihenzulassung, die der Eisenbahnverkehr noch nicht hat. Das Thema Serienzulassung und Standardisierung spielt auch in die Finanzierungsfragen mit rein. Die Verbände „betrachten eine möglichst weitgehende Austauschbarkeit der Fahrzeuge nicht nur als wesentliche Absicherung für Kapitalgeber, sondern als eine strategische Weichenstellung.“ Dabei räumt der VDV ein, dass mit Investitionshilfen dazu beigetragen wird, dass die Bieterzahl steigt und das Leistungsangebot bezahlbar bleibt.

Das ist gerade vor dem Hintergrund exorbitant steigender Kosten für die Infrastrukturbenutzung relevant, auch wenn das im vorliegenden Verbändepapier so nicht vorkommt. Die BAG SPNV hingegen räumt ein, dass Investitionshilfen (zunächst unabängig von der genauen Ausgestaltung) den Aufbau eines Gebrauchtfahrzeugmarktes erschweren. Die Verbände wissen, „dass der SPNV-Markt durch eine hohe Kapitalintensität und lange Kapitalbindung besonders geprägt“ sei. Anders als etwa im Schiffsektor, wo es ähnlich ist, lässt sich die Auslastung jedoch langfristig steuern, da langfristige Verkehrsverträge die Nutzung sichern. Dazu kommt: Auf Nachfrage war dem VDV kein einziger Fall bekannt, wo Züge mit erheblichen Restwerten dauerhaft ohne Auftrag auf den Abstellgleisen rumstehen mussten.

Dabei legen die beiden Verbandspräsidenten Jürgen Fenske und Thomas Geyer großen Wert auf die Feststellung, dass hier die Akteure gemeinsam an der Erstellung beteiligt waren: „Der Schulterschluss zwischen allen relevanten Wettbewerbern und den Aufgabenträgern soll an dieser Stelle auch ein wichtiges Signal für die politischen Entscheider im Bund und in den Ländern sein: Wir brauchen sowohl bei der Finanzierung, bei der Beschaffung und auch beim Betrieb von SPNV-Fahrzeugen verlässliche und praktikable Lösungen. Dafür nehmen wir als Branche die an uns gestellten Anforderungen und Herausforderungen an. Wir sind aber andererseits auch auf kalkulierbare Vorgaben durch die Politik angewiesen. Deshalb müssen die gemeinsamen Festlegungen aus dem Handbuch für Eisenbahnfahrzeuge auch schnell und umfassend umgesetzt werden.“

Siehe auch: Der verhinderte Gebrauchtfahrzeugmarkt

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