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Mainz.

07.08.14 (Kommentar, Rheinland-Pfalz) Autor:Stefan Hennigfeld

Als die Deutsche Bundesbahn in den Jahren nach der Einheit endgültig abgewirtschaftet hatte, war auch die Eisenbahn am Ende. Sie war in der Bonner Republik vieles: Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, Konjunkturmotor, Schattenhaushalt – eins aber war sie nicht: Ein ernsthafter Verkehrsträger. Die Jahre der Bonner Republik standen wie kaum eine andere Epoche für die Massenmotorisierung und das hat nicht nur mit der Bezahlbarkeit des Autos zu tun, sondern auch damit, dass die Eisenbahn in diesen Jahren eine absolute Zumutung war.

Der SPNV wurde nach dem Gutsherrenprinzip betrieben, die Silberlinge waren auch damals schon eine Zumutung, und in Spitzenzeiten hatte der Laden mehr Personalkosten als Umsatz. Kurzum: Der damals oft genutzte Begriff Subventionsmoloch war, auch vor dem Hintergrund der auf einen Tiefpunkt sinkenden Fahrgastzahlen, durchaus angebracht. Mit der Eisenbahnreform sollte alles besser werden. Die Schiene sollte wieder das werden, was sie eigentlich kann, nämlich ein Massenverkehrsmittel. Sowohl in den Metropolregionen Deutschlands als auch im Fernverkehr. Vor allem aber für die klassische Flächenerschließung – hier hat die Bundesbahn mit ihrer Stilllegungspolitik einen vermutlich nie wieder zu behebenden Schaden angerichtet – wurden die Regionalisierungsgelder eingeführt, es tat sich also was.

Doch ausgerechnet im zwanzigsten Jahr der Eisenbahnreform wurde im Sommer 2013 eine deutsche Landeshauptstadt, Mainz, für Tage und Wochen fast vollständig vom Eisenbahnverkehr abgekoppelt. Es gab keine Mitarbeiter fürs Stellwerk. Niemand war da, der die Weichen und Signale für die Züge stellen konnte. Natürlich ist in den Sommerferien Urlaub (wer hätte das auch ahnen können?) und mit einem für diese Jahreszeit überdurchschnittlichen Krankenstand wurde die Personalplanung endgültig aus dem Gleichgewicht gebracht. Nun war der Zeitraum ein vorübergehender, überschaubarer – und es gibt durchaus unfall- oder baustellenbedingte Betriebseinstellungen im Eisenbahnverkehr, die länger dauern. Aber Mainz wurde zum Symbol, zum Symbol für eine vermeintlich gescheiterte Unternehmenspolitik der Deutschen Bahn: Wie kann es sein, dass wegen Personalmangel eine Landeshauptstadt nicht angefahren werden kann? Ja wo leben wir denn?

Das schlimme ist: Auch wenn es der Konzernkommunikation der Deutschen Bahn gelungen ist diesen Eindruck zu erwecken, aber es war eben keine Spätfolge Mehdorn´scher Misswirtschaft mehr, sondern über vier Jahre nach dem Amtsantritt des neuen DB-Vorstandes (und den hat Rüdiger Grube vermutlich aus guten Gründen nahezu komplett ausgetauscht) ist auch die neue Unternehmensführung dafür verantwortlich, dass ausreichend Mitarbeiter eingestellt und ausgebildet werden. Zurecht hat man sich daran gesetzt, aber der öffentliche Effekt, der bleibt, ist eine Zumutung. Die Eisenbahn gilt wieder als unzuverlässig, die DB AG (Ex-Bundesbahn) hat in der öffentlichen Wahrnehmung auf einmal wieder das alte Gutsherrenprinzip reaktiviert. Mainz hat so manches altes Vorurteil über die Eisenbahn in die Gegenwart katapultiert.

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