Eisenbahnjournal Zughalt.de

Nachrichten über Eisenbahn und öffentlichen Verkehr

Keolis Deutschland: Konsolidierung läuft

07.04.14 (Allgemein) Autor:Stefan Hennigfeld

eurobahnKeolis Deutschland setzte den 2012 gestarteten Konsolidierungskurs auch im abgeschlossenen Geschäftsjahr weiter fort, in einem zuletzt wieder deutlich härter gewordenen Wettbewerbsumfeld. Nach einer Phase der Stagnation im Jahr 2012 sind etablierte und neue Akteure auch weiterhin einem hohen Preisdruck ausgesetzt, das Unternehmen kritisiert darüber hinaus „ungleich verteilte“ Risiken zwischen Auftraggebern und -nehmern. Pönalisierungen in den Verkehrsverträgen seien häufig nicht verursachergerecht geregelt – tatsächlich wird auch von anderer Seite das Risiko etwa im Zusammenhang mit Infrastrukturfragen häufig kritisiert.

Allerdings: Auch der Aufgabenträger hat im deutschen SPNV keine direkten Vertragsverhältnisse mit den Infrastrukturbetreibern, ganz gleich, ob es sich um DB Netz oder andere EIU handelt. Trotzdem ist man sich bei Keolis sicher: Wirtschaftlichen Erfolg können die Privatbahnen in Deutschland auf Dauer nur erzielen, wenn den Ausschreibungen langfristig kalkulierbare Rahmenbedingungen zugrunde liegen. Das gilt sowohl für die Bestellung der Verkehrsleistung als auch für die erforderlichen Infrastrukturinvestitionen. Gerade in Ballungsräumen muss der Infrastrukturausbau weiter forciert werden, damit auf der Schiene auch qualitativ gute Leistungen erbracht werden können.

Bleiben die Rahmenbedingungen hingegen unverändert, wird aus Sicht von Keolis die Attraktivität des deutschen SPNV-Marktes mittelfristig leiden. Keolis Deutschland hat in 2012 eine Neubewertung der überwiegend aus verkehrsvertraglichen Pönaleregelungen abgeleiteten Risiken vorgenommen und Drohverlustrückstellungen in angemessener Höhe für die verbleibenden Vertragslaufzeiten gebildet. Infolgedessen hat man einen Jahresfehlbetrag von 20 Millionen Euro verkraften müssen. Dies, so heißt es bei Keolis, „dokumentiert die Notwendigkeit einer Korrektur von bis dato nicht ausreichend bewerteten Wagnissen“. Ermöglicht wurde das durch die Muttergesellschaft, dem französischen Keolis-Konzern, dessen Hauptgesellschafter die dortige Staatseisenbahn SNCF ist. Die Patronatserklärung des Mutterkonzerns ermöglichte einen wirtschaftlichen Neuanfang.

Die Umsetzung zahlreicher Konsolidierungsmaßnahmen sowie eine kontinuierliche Prozessoptimierung im Betrieb führten bereits in 2013 zu einer Verbesserung des operativen Ergebnisses von über 30 Prozent. Eine positive Entwicklung, deren Fortsetzung auch in 2014 zu erwarten ist, da der eingeschlagene Kurs konsequent beibehalten wird. Um sich auf die Sanierung des Bestandsgeschäfts zu konzentrieren, hatte man zunächst auf weitere Ausschreibungsteilnahmen verzichtet. Das soll sich nun ändern: Im Kerngebiet Nordrhein-Westfalen möchte man weiter expandieren und kündigt an, sich verstärkt hier an Neuvergaben zu beteiligen. Um die Nähe zwischen operativem Geschäft und Unternehmensführung zu verbessern, wurde jüngst der Hauptsitz von Berlin nach Düsseldorf verlegt: Mit Keolis wird zu rechnen sein.

Bild: EveryPicture.
Lizenz: CC-by-SA 3.0

Kommentare sind geschlossen.