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Mofair kritisiert neuen Fahrplanservice der Deutschen Bahn und Google Maps

04.10.12 (Verkehrspolitik) Autor:Sven Steinke

In einer Mitteilung kritisiert der Privatbahnverband mofair die Art der Zusammenarbeit zwischen DB Vertrieb und dem Fahrplandienst Google Transit. So ist es seit Mitte September bundesweit möglich Fahrplanverbindungen für Züge der Deutschen Bahn mit der Routenberechnung im Kartendienst Google Maps zu erstellen. Züge privater Anbieter wurden im Rahmen dieser Kooperation nicht mit aufgenommen, obwohl der Deutschen Bahn die Fahrplandaten vorliegen.

Der Verband sieht in der Kooperation in ihrer jetzigen Form eine unnötige Wettbewerbsverzerrung und Verwirrung der Fahrgäste. Mofair-Präsident Wolfgang Meyer spricht sogar von Abzocke, weil dem Nutzer auf vielen Verbindungen längere Reiserouten mit höheren Fahrpreisen zugemutet werden. Mofair-Vizepräsident Hans Leister meint, dass eine einheitliche Informationsplattform zu Fahrplan und dem tatsächlichen Fahrtverlauf aller öffentlicher Verkehrsmittel, genauso wie ein Deutschland-Takt und ein Deutschland-Tarif endlich Ziel der Verkehrspolitik auf Bundesebene sein müsse.

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6 Responses


  1. Beobachter
    04.10.12 um 12:29

    Auch wenn die Deutsche Bahn AG die Fahrplandaten der anderen Verkehrsunternehmen vorliegen hat, darf sie diese nicht an Dritte weitergeben. Hierzu ist deren Zustimmung erforderlich.

    Ein weiterer Grund, Google finanziert sich aus Werbung und lässt sich die Veröffentlichung der Fahrpläne bezahlen. Und die Bahn wird sicher nicht die Werbung (auf Google-Transit) für die HLB und andere Verkehrsunternehmen bezahlen wollen.

    Der Fehler liegt im System. Es müsste eigentlich eine unabhängige Informationsplattform geschaffen werden, die nichts mit der DB AG zu tun hat. Diese Informationsplattform könnte dann die Daten für Google-Transit zur Verfügung stellen und alle wären vertreten gewesen. So muss aber jedes Verkehrsunternehmen selbst die Daten für Google bereit stellen. Langfristig wird es so kommen.

  2. Google laesst sich das nicht bezahlen. Es ist kein Geld geflossen, weder in die eine noch in die andere Richtung, nachzulesen in den entsprechenden Pressemitteilungen, auch hier auf Zughalt.

    Mofair nutzt einfach jede Gelegenheit, der DB ans Schienbein zu treten (wo kommt das „fair“ im Namen her?!). Haette die DB die Daten der Dritt-EVU mit reingenommen, haette Mofair ueber die „Unverschaemtheit“ gamotzt. Der Verein soll einfach eine Zustimmungserklaerung zur Weitergabe der Daten auserbeiten und allen Mitgliedern zur Verfuegung stellen. Wer will, unterschreibt und wird dann von DB Vertrieb ebenfalls an Google weitergereicht. So einfach…

  3. Na klar ist Google Transit kostenlos, schließlich will Google Inc. an die Daten der Nutzer kommen, damit macht Google Inc. schließlich sein Geld.

  4. Der „Beobachter“ hat recht, der Fehler liegt im System. Eine unabhängige Fahrgastinformations- und Ticketvertriebsstelle hätte keinen Murks angeboten. Das war aber der DB egal, obwohl ihr natürlich die Mängel von Google Transit bekannt waren. Warum sie ihre Fahrgäste dennoch so verladen möchte, ist nur ihr bekannt. Sie hat damit dem Gesamtsystem Eisenbahn geschadet. Die DB behauptet immer, sie sei der Systembetreiber. Von dem kann man erwarten, dass er die Inforamtionsbedürfnisse vollständig und ohne Ansehen der Verkehrsunternehmen verbreitet. Sich darauf zu berufen, die Fahrplaninformationen seien geheim, ist doch lächerlich. Jeder kann sie sich im Internet besorgen. Hätte man die privaten gefragt, sie hätten sicherlich problemlos zugestimmt. Aber jetzt, wo die DB merkt, was sie angerichtet hat, sind die anderen schuld. Sie hätten der DB die Daten nicht gegeben. Gott sei Dank funktioniert diese Ablenkung nicht.

  5. Nun ja – was ist die DB? Eine Wesen mit eine Art Januskopf. DB Netz hat natürlich die aktuellen Fahrplandaten aller Unternehmen, die auf dem der DB überlassenen Schienennetz verkehren. Diese werden gefiltert und wandern dann entsprechend abgespeckt zum zur DB Mobility&Logistics AG (DB ML) gehörenden Bereich Fernverkehr, der im Konzern für Vertrieb und Information zuständig ist. Der betreibt das Auskunftsystem, aus dem die Daten dann zu Google Transit wandern.

    Das ist eine für den Konzern geschickte Konstruktion. Anstatt das DB Netz ein über Trassengebühren (oder im Sinne des staatlichen Auftrages via Steuern) zu finanzierendes Auskunftssystem anbietet, dass die Echtzeitdaten aller EVU (und darüber hinaus) enthält, kann der Konzern von jedem Verkehrsanbieter noch einmal Geld für die Integration dieser Daten ins System von DB ML verlangen.

    Die andere Variante wäre, jeder Verkehrsanbieter bereitet selber seine Daten auf. Das ist aber auch nicht kostenlos, würde an vielen Stellen Arbeit wiederholen, die woanders schon gemacht ist, und es wird nicht ganz einfach sein, dass alle Anbieter die Daten in einen gemeinsamen Standard anbieten.

    All diese Fakten waren den Beteiligten DB und Google sicherlich vor Beginn der Kooperation bekannt. Und damit hat man sich eigentlich auch die Wirkung auf die Öffentlichkeit ausrechnen können. Ob man mit der Art und Weise, wie es bisher läuft, sich selber und den Bahnkunden einen Gefallen tut, ist durchaus fraglich.

    Was der Bahn- und Buskunde wirklich braucht, ist eine Abbildung der gesamten Reisekette: Fußweg, Taxi, Stadtbus, Bahn usw. – unabhängig von jeweiligen Verkehrsanbieter.

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