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DB Energie: Versorgungslücken im Winter?

29.10.12 (Nordrhein-Westfalen) Autor:Stefan Hennigfeld

Bahnchef Rüdiger Grube warnt vor Versorgungslücken im anstehenden Winter, wenn das Kohlekraftwerk Datteln im Kreis Recklinghausen abgeschaltet würde. Derzeit laufen noch juristische Auseinandersetzungen. Dieser Aussage ist zu entnehmen, dass DB Energie nicht in der Lage ist, bei tiefen Temperaturen für ausreichend Spannung in der Oberleitung zu sorgen. Wettbewerbsbahnen und deren Verbände zeigten sich in der letzten Woche entsetzt.

Alexander Kirfel, Geschäftsführer beim Netzwerk Europäischer Eisenbahnen: „Das zeigt, dass die Energieversorgung über Jahre hinweg vernachlässigt worden ist. Dabei müsste eigentlich genug Geld im System sein – schließlich ist der Bahnstrompreis in den letzten Jahren um durchschnittlich fünf Prozent teurer geworden. Diese Rate liegt deutlich über der Teuerungsrate für Strom insgesamt. Da muss man sich die Frage stellen, wo das Geld geblieben ist. Offensichtlich hat man es nicht dazu genutzt, langfristige Verträge mit Energieversorgern zu machen. Wäre dem so gewesen, hätte man jetzt kein Problem mit der Versorgungssicherheit – die gerade im Winter besonders wichtig ist.“

Auch der Wettbewerberverband Mofair setzt sich kritisch mit der Situation auseinander. Vizepräsident Hans Leister, der schon seit vielen Jahren intensiv das Thema Bahnstrom bearbeitet, sieht ein eklatantes Versagen bei DB Energie: „Der spezifische Energiebedarf lokbespannter Wendezüge mit veralteten Lokomotiven, etwa der Baureihen 110, 111, 112 oder 143, ist deutlich höher als bei es bei modernen Triebzügen, etwa von Abellio oder der Eurobahn, der Fall ist. Aus diesem Grund müssen effiziente Fahrzeuge Vorrang haben. Das gilt auch im Güterverkehr, wo die privaten Betreiber ausschließlich moderne, effiziente Loks einsetzen.“

Teilweise war in den Medien die Rede davon, dass bei mehreren aufeinanderfolgenden Tagen mit deutlichen Minusgraden das Aufkommen von Zügen mit elektrischer Traktion reduziert werden müsse. Allerdings würde das dann in besonderem Maße Güterzüge betreffen, um den Personenverkehr nicht zu gefährden. Kirfel: „Das wäre der klassische Fall von Diskriminierung beim Netzzugang und es würde der Eisenbahn als Verkehrsträger nachhaltig schaden. Der Schienengüterverkehr konnte in den letzten Jahren sogar Marktanteile vom Lkw zurück gewinnen. Mit derartigen Maßnahmen würden die erzielten Erfolge nachhaltig gefährdet, weil die Schiene schlagartig wieder als unzuverlässig gelten würde. Das ist ein Image, aus dem wir uns seit Bundesbahn-Zeiten mühsam befreit haben.“

In diesem Zusammenhang warnt Kirfel vor einem Teufelskreis: „Man stelle sich mal vor, im tiefsten Winter müssten die Kohlenzüge stehen bleiben, weil nicht mehr genügend Spannung in den Oberleitungen von DB Energie ist. Das hätte zur Folge, dass die Stromversorgung noch schlechter wird, weil den Kraftwerken die Brennstoffe nicht geliefert werden. Die Betreiber würden dann alsbald Verträge mit Speditionen über den LKW-Transport machen. Die Schiene könnte dadurch ihren hohen Marktanteil beim Schüttgut auf Dauer verlieren – und zwar nur, weil DB Energie sich nicht angemessen auf den Winter vorbereitet.“

Denn eine Neuigkeit ist die geplante Schließung des Kraftwerkes Datteln nicht. Kirfel: „Bereits seit 2006 ist bekannt, dass E-ON das betreffende Bahnstromkraftwerk nicht über den 31. Dezember 2012 hinaus betreiben will. DB Energie hatte genügend Zeit, Vorkehrungen und Maßnahmen zu treffen. Unter anderem durch Rahmenvereinbarungen mit den Lieferanten. All das hat man nicht gemacht – man stand nur wie das Kaninchen vor der Schlange. Dass Züge wegen Versorgungslücken im Bahnstromnetz nicht fahren können, ist für ein zivilisiertes Land wie die Bundesrepublik Deutschland nicht akzeptabel. Auch dass es im Winter über mehrere Wochen erhebliche Minusgrade geben kann, sollte niemanden überraschen.“

Bei Keolis Deutschland, der größten Privatbahn in Nordrhein-Westfalen, beobachtet man die Situation mit großem Interesse. Unternehmenssprecher Mathias Wieland: „Wir gehen davon aus, dass DB Energie die mit uns geschlossen Verträge einhält, unabhängig von einzelnen Jahreszeiten oder der Frage, was mit dem Kraftwerk Datteln passiert. Gerade bei Schnee und Eis steigen viele Pendler auf die Eisenbahn als sicheres und verlässliches Verkehrsmittel um. Dieses Vertrauen jetzt aufs Spiel zu setzen ist leichtfertig.“

Bild: Deutsche Bahn AG

2 Responses

  1. Der „kompetente“ Mensch von Mofair lebt vollkommen jenseits der Realität. Ich fahre seit Jahren für die Privaten und das dort ausschließlich effiziente Loks eingesetzt werden ist ja wohl der größte Witz den ich je gehört habe! Mittlerweile müssen wir Baureihen von Loks erwerben die stellenweise doppelt so alt sind wie die Kollegen die drauf sitzen. Da gibt es nix mit Rückspeisung des Stroms. Hauptsache mal wieder ordentlich auf der Bahn herum hacken und die ach so „guten“ Privaten in den Himmel loben……bei der Bahn mag auch nicht alles schön und toll sein und viel vor den Baum laufen. Dann schaut mal zu den Privaten…vorallem in den Güterbereich…dann sieht man dann auch mal wie es eigentlich garnicht gehen sollte!

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