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Abellio auf gutem Weg

29.10.12 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld

Vor gerade einigen Wochen auf der InnoTrans überschlugen sich die Ankündigungen der europäischen Staatseisenbahnen, künftig in Deutschland das große Geschäft machen zu wollen. Dabei sieht die Realität düster aus. Längst ist DB Regio wieder Favorit bei sämtlichen Ausschreibungen – ganz unabhängig davon, wie diese ausgestaltet werden. Ob Netto- oder Bruttovertrag, Fahrzeugfinanzierung, DB Regio ist und bleibt der Platzhirsch.

Bei Veolia gibt es einen Investitionsstopp, Keolis und Netinera wollen zwar viel, sind bislang aber noch immer in der Bringschuld. Abellio hat auf markige Sprüche verzichtet – hat man doch erst jüngst eine peinliche Wettbewerbsniederlage im VRR hinnehmen müssen. Und dann kommt, wenn auch für Insider nicht mehr ganz so überraschend, die Nachricht, dass man das riesige STS-Netz gewonnen hat. Die Unternehmensführung in Essen und Amsterdam kann zufrieden sein. Die niederländische Staatsbahn expandiert enorm im deutschen Markt.

Dabei war das von Anfang an abzusehen, dass sich ein solcher Investor in Deutschland nicht dauerhaft damit zufriedengibt, von Essen nach Siegen und zurück zu fahren. Mit dem STS-Netz vervielfacht man sich von jetzt auf gleich. Und parallel expandiert auch die Beteiligungsgesellschaft Westfalenbahn. Ab 2015 fährt man an die Nordsee und sollte Los 2 ebenfalls an Land gezogen werden, dann geht es bis ins ostniedersächsische Braunschweig. Auf einmal ist Abellio deutschlandweit tätig. Bislang definierte sich die marktrelevante Stellung des Unternehmens ausschließlich über den Gesellschafter. Jetzt wird Abellio eine ganz andere Hausnummer.

Doch bevor man in Euphorie verfällt: Die Tücken der Betriebsaufnahme kommen erst noch. Hat man nächstes Jahr genügend Leute für die Linie RB 47? Wie bei Wettbewerbsbahnen üblich, rühmt sich Abellio damit, dass man Triebfahrzeugführer ausbildet. Wenn man mal genauer hinsieht, stellt man fest, dass die Finanzierung ausschließlich über öffentliche Stellen läuft. Wer keinen Bildungsgutschein vom Arbeitsamt oder eine andere Förderung erhält, braucht gar nicht erst zu fragen. Von gesellschaftlicher und sozialer Verantwortung zeugt das ebenso wenig wie von nachhaltiger Personalpolitik.

Bislang hat man es geschafft, die GDL aus dem Unternehmen herauszuhalten. Das wird spätestens beim STS-Netz vorbei sein. Hunderte Eisenbahner der DB AG warten darauf, übernommen zu werden. Diesem politischen Druck wird man sich nicht widersetzen können. Und dann der Organisationsgrad auf einmal ganz anders. Expandieren ist was schönes – aber je größer das Unternehmen ist, desto schwieriger wird die Führung. Im Interesse der Fahrgäste bleibt zu hoffen, dass Abellio den guten Job aus Nordrhein-Westfalen auch im Osten machen wird. Denn im VRR ist Abellio das bei den Kunden beliebteste Unternehmen – das kommt nicht von ungefähr.

3 Responses

  1. Der erste Absatz… Mal Hand aufs Herz und ehrlich sein: Was wuenschen Sie sich vom Wettbewerb – dass der SPNV wirtschaftlich wird, oder haben Sie doch irgendeinen Hass auf die DB und wuerden gerne auch mehr zahlen, wenn dafuer die Zuege nicht rot sind?

  2. Ziel ist es möglichst guten SPNV anzubieten egal wer hier oder dort fährt…

  3. Die DB hätte es sicherlich genau so gut gekonnt. Aber es zählt wieder nur der Preis. Das damit die Löhne nur wieder mal abgesenkt werden, durch den „Branchentarifvertrag“ der EVG interessiert niemanden.

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