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VCD: Offener Brief zur Bahnstrecke Halle-Bitterfeld an Dr. Peter Ramsauer

07.09.12 (Verkehrspolitik) Autor:Jürgen Eikelberg

Die Eisenbahnstrecke zwischen Halle und Bitterfeld ist seit mehren Wochen für jeglichen Zugverkehr gesperrt. Grund sind die maroden Y-Stahlschwellen, die auf einer festen Fahrbahn verlegt wurden und nun gravierende Rostschäden aufweisen. Diese Strecke wurde 2005 als „Versuchsstrecke“ neu gebaut. Dem Eisenbahnjournal Zughalt.de liegen Bilder vor, die eine sofortige Streckensperrung rechtfertigen. Nun hat sich der Landesverband Elbe-Saale bereits am 30.08.2012 in einem offenen Brief an Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer gewannt und berührt dabei den Wunden Punkt des integrierten Konzerns. Der Brief im Wortlaut:

Offener Brief des VCD Landesverbandes Elbe-Saale

Sehr geehrter Herr Bundesminister Dr. Ramsauer,

die Eisenbahnstrecke Halle-Bitterfeld ist seit mittlerweile drei Wochen gesperrt und nicht befahrbar. Es handelt sich um eine wichtige und hoch frequentierte Bahnstrecke der TEN Achse Berlin-Palermo. Zudem ist die Strecke Bestandteil der Verbindung Berlin-München und eine wichtige Nahverkehrsachse. Für den Güterverkehr ist die Strecke ebenso wichtig.

Die für eine Geschwindigkeit von 200 km/h gebaute Strecke konnte zwar auf Grund fehlender Zugsicherungssysteme nur mit 160 km/h befahren werden. Allerdings wurde im Laufe der Jahre die Streckengeschwindigkeit wegen Schäden am Gleiskörper (einer neu gebauten Strecke!) immer weiter herab gesetzt. Zuletzt auf stellenweise 30 km/h, bis schließlich das Eisenbahnbundesamt die Betriebsgenehmigung für die Strecke vollständig zurücknahm. Die Schäden sind so gravierend, dass eine Instandsetzung nicht mehr möglich ist und die Strecke voraussichtlich für mindestens ein Jahr nicht befahrbar sein wird. Für Kunden im Nahverkehr bedeutet das Busfahrten im Schienenersatzverkehr und längere Arbeitswege. Für Kunden im Fernverkehr bedeutet das längere Reisezeiten und die Gefahr, Anschlüsse zu verpassen und das Reiseziel bis zu zwei Stunden später zu erreichen.

Als Interessenvertretung der Fahrgäste und verkehrspolitisch aktiver Verband bittet Sie der VCD-Landesverband Elbe-Saale, in dessen Gebiet die betreffende Bahnstrecke liegt, um Antworten auf die folgenden Fragen:

  • 1. Der Bund hat als Eigentümer die Aufsicht und Verantwortung über das Schienennetz in Deutschland. Wie hat das Bundesverkehrsministerium nach der Bekanntgabe der Streckensperrung reagiert?
  • 2. Warum hat der Bund nicht bereits reagiert, als eine für 200 km/h ausgebaute Strecke auf 120 km/h herabgesetzt wurde?
  • 3. Wie überwacht und kontrolliert das Bundesverkehrsministerium die Instandhaltung der Infrastruktur?
  • Welche Konsequenzen werden gezogen, damit künftig die Wartung und Instandhaltung aller Eisenbahnstrecken sichergestellt ist?
  • Warum wird die Eisenbahninfrastruktur nicht staatlich organisiert und betrieben, wie es in anderen europäischen Ländern Praxis ist?
  • 6. Zieht sich der Bund aus der Verantwortung?
  • 7. Wer übernimmt die Verantwortung für die jahrelang vernachlässigte Infrastruktur?

Der VCD-Landesverband Elbe-Saale e.V. erwartet die lückenlose Aufklärung und eine ehrliche

Information an die Bevölkerung.

Mit freundlichen Grüßen,

Jan Krehl

Vorstandsvorsitzender VCD Landesverband Elbe-Saale e.V.

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