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Modal Split: Mofair besorgt, VDV sieht ÖPNV auf gutem Weg

04.09.12 (Verkehrspolitik) Autor:Stefan Hennigfeld

In der letzten Woche veröffentlichte der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) die absoluten Fahrgastzahlen für das erste Halbjahr 2012. Keine Angaben machte der VDV – wie üblich – zum Modal Split, also zum Marktanteil von Bus und Bahn. „Wir erheben und veröffentlichen als Branchenverband des ÖPNV die Zahlen unserer Mitglieder, nicht die des gesamten deutschen Verkehrssektors, dafür gibt es Institutionen wie zum Beispiel das Bundesamt für Statistik“, sagt Verbandspressesprecher Lars Wagner. Unbestritten ist aber: Der Modal Split ist seit Jahrzehnten konstant.

Bus und Bahn konnten ihre Stellung im Wettbewerb der Verkehrsträger nicht verbessern, waren jedoch bislang stets in der Lage, die gestiegene Gesamtmobilität abzubilden. „Wir wachsen mit dem Verkehrsmarkt mit und das ist in einer Gesellschaft mit einer so hohen Affinität zum Automobil wie in Deutschland eine beachtenswerte Leistung“, so Wagner.

Statt dessen weist er darauf hin, dass eine Menge passiert ist: „Seit vielen Jahren bieten unsere Unternehmen sehr individuelle Tarifangebote für verschiedene Zielgruppen an, die durchaus stark nachgefragt werden, z. B. Schüler-, Auszubildenden- oder Semestertickets, Jobtickets, und einiges mehr. Das hat zu einer deutlichen Steigerung der Fahrgastzahlen in den vergangenen Jahren geführt. Zudem engagieren sich viele Unternehmen inzwischen in Kooperationen mit Anbietern von Carsharing oder Leihfahrrädern, um den ÖPNV-Kunden einen attraktiven Mix aus verschiedenen Verkehrsträgern anzubieten. Diese ´multimodalen´ Mobilitätsangebote gilt es in Zukunft noch weiter zu optimieren, das ist sicher ein richtiger und vielversprechender Weg“

Doch nicht nur das. Wagner: „Auch im Bereich der Kundeninformation hat sich durch die elektronischen Medien seit der Jahrtausendwende vieles entwickelt, heutzutage bieten so gut wie alle Verbünde und Unternehmen Ist-Zeit-Daten über die elektronischen Fahrplanauskünfte und manche bieten ihren Kunden sogar personalisierte SMS- oder Online-Dienste für individuelle Meldungen zu ihrer Linie oder Verbindung. Wie immer bei elektronischen Angeboten gibt es hier natürlich stetige Innovationen auf die auch unsere Branche reagieren muss.“

Die Situation sieht Engelbert Recker, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Mofair, der private Anbieter im öffentlichen Personenverkehr vertritt, anders. „An dem seit Jahren unveränderten Modal Split zeigt sich, dass es nicht gelungen ist, die Wettbewerbsfähigkeit des ÖPNV gegenüber dem PKW zu verbessern. Alle Maßnahme waren also kaum erfolgreich. Das hat sicher viele Ursachen, aber zumindest einige davon liegen in der Hand der Verkehrsbetriebe selbst. Das Angebot muss besser werden.“

Aus diesem Grund fordert Recker, die Regelung, dass eigenwirtschaftlicher Verkehr Vorrang vor öffentlich bestellten Leistungen hat, abzuschaffen. „Was sich nicht lohnt, wird nicht gefahren. Dies führt zu einem geringeren Angebot und schlechteren Verbindungen. Dadurch werden die Fahrzeiten verlängert. Wenn die Fahrt mit Bus und Bahn doppelt so lange dauert wie mit dem PKW, dann ist die Entscheidung der Verkehrsteilnehmer gegen den ÖPNV doch sonnenklar. Dazu kommen teilweise hohe Einzelpreise für Gelegenheitsfahrer. Wer ohnehin das Auto vor der Tür hat, der nutzt es auch.“

Bei Mofair sieht man auch noch immer Ineffizienzen, die dazu beitragen, dass sich die Wettbewerbssituation zum Individualverkehr nicht verbessert. Recker: „Gerade die kommunalen Verkehrsbetriebe sollten sich dem intramodalen Wettbewerb stellen und ihre Forderungen nach Marktabschottung aufgeben. Das gäbe entsprechenden ökonomischen Druck und die Fettpolster der geschützten Unternehmen würden abschmelzen. Es dürfte sich empfehlen, den Aufgabenträgern die Bestimmung des Angebots zu überlassen und sich auf eine effiziente Erstellung der Verkehrsleistung zu konzentrieren. Hoffen wir, dass die PBefG-Novelle hier die richtigen Weichen stellt.“

2 Responses


  1. Robert Liebling
    04.09.12 um 19:55

    Der Trend ist klar: Immer mehr Leute kehren der Schiene den Rücken und fahren komfortabel und zuverlässig mit dem Auto, wie ich es bereits getan habe. Ich habe mein VRR-Ticket während des Eurobahnchaos wegen Störung der Geschäftsgrundlage außerordentlich gekündigt. Gern hätte ich einen Musterprozess gegen den VRR geführt, aber die haben wohl gewußt, daß sie vor Gericht gegen mich keine Chance haben. Schade eigentlich.

    Wieviele von den Bahnlobbyisten fahren eigentlich regelmäßig mit dem Zug? Ich hätte jedenfalls Verständnis, wenn die das Auto nehmen.


  2. Bahnfreund
    05.09.12 um 00:02

    Sie und ihr eurobahn-Chaos. Haben die eigentlich keine anderen (handfesten) Argumente gegen den ÖPNV?

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