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Kassel: Zehntägiger Test mit Elektrobus erfolgreich

10.09.12 (Hessen) Autor:Jürgen Eikelberg

Angenehm überrascht zeigte sich die Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) und ihre Kunden nach einem zehntägigen Einsatz des Solaris Urbino 8,9 LE electric, so die Bilanz von KVG-Vorstand Dr. Thorsten Ebert. Der Midi Bus fuhr vom 28. August bis zum 6. September täglich auf einen Teil der Documenta-Linie d13. Er wurde auch auf anderen KVG-Linien getestet.

Ein für das Fahrpersonal und die Passagiere angenehmes Reisen, eine flotte Beschleunigung und ein modernes, frisches Innendesign: Mit diesen Vorzügen hat der Elektro-Midibus von Solaris bei der KVG gepunktet.

„Wir und unsere Fahrgäste haben einen sehr guten Eindruck von diesem Bus gewonnen“, bilanziert Oliver Kriegel der gemeinsam mit seinem Kollegen Michael Schuß das Fahrzeug täglich über die etwa 67 Kilometer lange Strecke lenkte. Das Fahren habe viel Spaß gemacht: „Wir haben viele positive Rückmeldungen erhalten.“

Deutlich spürbar sei zudem die Strom-Rückspeisung beim Bremsen gewesen, durch den stufenlosen Antrieb war die Fahrweise ruhiger als bei einem Bus mit Getriebe und als sehr angenehm empfanden alle die geringe Geräuschkulisse im Innenraum: „Die Klimaanlage, die sonst nie auffällt, war plötzlich zu hören“, sagt Michel Schuß augenzwinkernd.

Kleinere Schwächen konnten sofort behoben werden. So hatte eine neu eingespeiste Software am dritten Tag die Kommunikation zwischen der Strom-Ladesäule und den Batterien gestört. Der Fehler lag an der Software der Ladetechnik, nicht am Bus selbst. Ein anderes Problem war ein wiederkehrender kurzfristiger Leistungsabfall beim Antrieb. Behoben werden konnte der Fehler erst, nachdem der Fahrer den Bus ausschaltete. Nach dieser so genannten Abrüstung war das Problem sofort gelöst.

„Wir hatten nicht damit gerechnet, dass der Test insgesamt so gut verläuft“, sagt dazu Dr. Ebert. „Uns war bewusst, dass es sich hier um eine völlig neue und äußerst komplexe Technik handelt, die noch nicht vollständig ausgereift sein kann.“ Gerade deshalb seien solche Praxistests notwendig. „Beide Seiten, sowohl die Hersteller als auch die ÖPNV-Unternehmen, gewinnen so wertvolle Erkenntnisse über die Stärken und Schwächen dieser Produkte.“

Schließlich müsse ein Linienbus während zwölf bis 15 Jahren täglich mehrere hundert Kilometer zuverlässig bewältigen, und dies bei jeglichen Witterungsverhältnissen. Die derzeit erhältlichen Elektrobusse, gleich welches Herstellers, können diese Kriterien nicht erfüllen.

Vor allem die Leistungsfähigkeit der Batterien muss erhöht werden. Bei der KVG zum Beispiel müssen Linienbusse täglich Strecken von bis zu 350 km absolvieren. Bei dem Midibus ist die Reichweite der Batterien nach Angaben von Solaris jedoch auf etwa 100 km begrenzt.

Hinzu kommt das noch nicht akzeptable Preis-Leistungs-Verhältnis. „Ein Midi-Elektrobus ist mit rund einer halben Million Euro etwa doppelt so teuer wie ein zwölf Meter langer und mit Umweltschutztechnik wie AdBlue-Einspritzverfahren, TopoDyn-Schaltgetriebe und Rußpartikelfilter ausgestatteter Solobus, der die EEV-Norm erfüllt. Der Austausch der Batterien ist etwa alle fünf Jahre fällig. Dabei würden weitere Kosten im sechsstelligen Bereich entstehen. Für die E-Technik wären darüber hinaus Investitionen in den Werkstätten zwingend, etwa für gesonderte Hebeanlagen für die Batterien, sowie zusätzliches Elektro-Fachpersonal“, listet KVG-Fahrzeugchef Karsten Kamutzki die zentralen Investitionen auf.

Nach dem ersten recht positiven Test mit dem MIDI-Bus wird in Kassel ab dem kommenden Frühjahr ein auf zwei Jahre angelegter Test mit einem Solo-Elektrobus folgen. Er wird in mehrstündigem Linienbetrieb auf Herz und Nieren geprüft.

Das Fahrzeug soll auf Strecken mit sehr unterschiedlicher Topographie sowie bei Großveranstaltungen, darunter etwa während des Hessentages in Kassel im Juni 2013, eingesetzt werden, teilt die KVG mit.

Dieser ausführliche Test soll im Rahmen eines Förderprojektes erfolgen, das derzeit gemeinsam mit dem Regionalmanagement Nordhessen, der Universität Kassel, den Städtischen Werken Kassel und weiteren Partnern vorbereitet wird.

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