Eisenbahnjournal Zughalt.de

Nachrichten über Eisenbahn und öffentlichen Verkehr

Barriereifreiheit im Busverkehr: Politiker und Experten diskutierten in Berlin

13.09.12 (Allgemein) Autor:Jürgen Eikelberg

Unter der Schirmherrschaft des stellvertretenden Vorsitzenden des Verkehrsausschusses des Bundestages, Volkmar Vogel (CDU), lud der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (bdo) e.V. am 11. September Fachpolitiker aller Bundestagsfraktionen und Branchenexperten zu einem gemeinsamen Infoworkshop in das Paul-Löbe-Haus des Deutschen Bundestags ein, um die aktuelle Situation und kommenden Herausforderungen eines wichtigen Zukunftsthemas des Busverkehrs zu diskutieren. Barrierefreiheit ist in den Entwicklungen fast aller Lebensbereiche ein Dreh- und Angelpunkt für weitreichende Zukunftsentscheidungen.

Durch Vorträge des VdTÜV, des Rollstuhlherstellers OTTOBOCK und des traditionsreichen Busunternehmens HARU Reisen konnten sich die Anwesenden aus unterschiedlichen Perspektiven über das Thema der Barrierefreiheit im Busverkehr informieren. In Deutschland leben knapp 8 Mio. Menschen mit einer Behinderung. 1,6 Mio davon sind auf einen Rollstuhl angewiesen um mobil zu bleiben.

„Es geht darum, im öffentlichen Verkehr in all seinen Facetten den wachsenden Ansprüchen der Gesellschaft und aller Nutzer so gut es geht gerecht zu werden. Von barrierearmen Angeboten profitieren nicht nur Menschen mit Behinderung, sondern im ÖPNV z.B. auch Eltern mit Kinderwagen,“ so Volkmar Vogel, MdB, bei seiner Begrüßung der Teilnehmer.“

Dr. Gisela Volz, Vizepräsidentin des bdo, machte aus Sicht des Busgewerbes deutlich, dass Busverkehr, nicht gleich Busverkehr ist: „Im ÖPNV haben wir durch den Einsatz von Niederflurfahrzeugen schon ganz andere technische Voraussetzungen als im Reiseverkehr. In der Touristik haben sich barrierefreie Busreisen zu einem etablierten Segment entwickelt. In ganz Deutschland gibt es Unternehmen, die sich auf solche Angebote spezialisiert haben.

In den Fachvorträgen machen die Experten klar, dass es beim Thema Barrierefreiheit immer um das Zusammenspiel von Fahrzeug, Rollstuhl und Busunternehmen geht. „Auf der technischen wie auf der operativen Seite brauchen alle Beteiligten passende Standards, die sich auch an der Weiterentwicklung der Hilfsmittel orientieren“, so Dipl.-Ing. Frank Schneider mit Blick auf die Welt der relevanten Normen.

Dirk Möller vom technischen Produktmanagement des Rollstuhlherstellers OTTOBOCK wies in diesem Zusammenhang auf die notwendigen technischen Eigenschaften der im Markt befindlichen medizinischen Hillfsmittel hin.: „Fahrern muss auf den ersten Blick klar sein, ob es sich um einen für den Fahrzeugtransport zugelassenen Rollstuhl handelt und an welchen Punkten dieser richtig zu sichern ist, damit es in der täglichen Nutzung nicht zu Problemen bei der Anwendung kommt. Die Finanzierung sogenannter Rückhaltesysteme sollte für unsere Kunden klar und eindeutig geregelt sein. Ohne diese geprüften und zertifizierten Haltepunkte kann man einen Rollstuhl nicht korrekt sichern.“

Hans-Jörg Schulze, Busunternehmer aus Berlin, gab im Anschluss den Teilnehmern einen ganz praktischen Einblick in das Thema. Sein Unternehmen, HARU Reisen, setzt in unterschiedlichen Marktsegmenten Busse mit barrierefreiem Zugang ein. „Ob bei Stadtrundfahrten oder bei Gruppenfahrten für öffentliche Einrichtungen in Berlin gibt es entsprechende Anforderungen. Wir sind seit vielen Jahren mit dem Thema konfrontiert. Leider sehen wir uns oft Anforderungen gegenüber, die sich mit handelsüblichen Angeboten nicht bewerkstelligen lassen. Solche Busse finden sich nicht als Standardangebot in den Herstellerprogrammen. Um z.B. die Anforderungen des Bundespresseamtes bzw. den Auflagen für unsere neue BER-Flughafenlinie zu genügen, mussten mit den Herstellern technisch anspruchsvolle Sonderbauten realisiert werden. Wir haben das geschafft, aber, wie bei allen Sonderanfertigungen, schlägt sich dies im Preis deutlich nieder. Wenn es hier einen von allen Seiten anerkannten Standard gäbe, würden sich sicher auch die Mehrkosten auf ein geringeres Maß reduzieren.“

Aus Sicht es bdo kann es in Zukunft nur eine für alle Seiten angemessene, praktische und bezahlbare Lösung geben, wenn Politik, Behindertenverbände, Industrie und Busunternehmen an einem Strang ziehen. Von Seiten der privaten Omnibuswirtschaft geht ganz klar das Signal aus, dass die Unternehmen sich ihrer Verantwortung bewusst sind, aber auch verlässlichen Rahmenbedingungen z.B. bei der Anschaffung neuer Fahrzeuge brauchen, die mindestens europaweite Gültigkeit haben. Hier will man Hand in Hand mit der Industrie arbeiten.

Kommentare sind geschlossen.