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Wuppertaler Schwebebahn künftig mit ECTS

16.08.12 (Kommentar, VRR) Autor:Jürgen Eikelberg

Die ÖPNV-Leistungen in Wuppertal sollen im Busbereich gekürzt werden, weil die Zins- und Tilgungslasten für Kredite bei dem Umbau und der Neubeschaffung von Wagen für die Schwebebahn ins Geld gehen (wir berichteten). Bis 2014 wollen die Wuppertaler Stadtwerke den Ausbau der Schwebebahn abschließen.

Neben der kompletten Erneuerung von Gerüst, Fahrschiene und Zügen sowie dem Neubau der meisten Stationen gehöre dazu auch die Installation eines neuen Betriebssystems. Denn nur so ließe sich die geplante Taktverdichtung und die Verkürzung der Fahrzeit zwischen Oberbarmen und Vohwinkel auf 25 Minuten realisieren. Außerdem müsse der Betrieb von mehr Zügen, die sich gleichzeitig auf der Strecke befinden, gemanagt werden. Mit dem alten System, das in seinen Ursprüngen aus dem Jahr 1963 stammt, sei das nicht mehr zu leisten., so die WSW.

Bei dem europaweiten Ausschreibungsverfahren erhielt die Firma Alstom Transport Deutschland GmbH den Zuschlag. Alstom konnte sich mit einer innovativen neuen Zugsicherungstechnik, basierend auf dem europäisch genormten ETCS-Standard (European Train Control System), der u.a. zur Steuerung und Sicherung des Eisenbahnverkehrs auf den Strecken der transeuropäischen Netze eingesetzt wird, gegen die Mitbewerber durchsetzen. Selbst ICEs der Deutschen Bahn und der französische Höchstgeschwindigkeitszug TGV fahren mit Versionen des Zugsicherungssystems, wie es modifiziert auch in der Wuppertaler Schwebebahn zum Einsatz kommen wird. Die neue Wuppertaler Schwebebahn wird damit zukünftig auch über eine Zugsicherung auf dem höchstmöglichen Sicherheitslevel SIL 4 (Safety Integrity Level) verfügen.

Schwebebahnen fahren aber anders als ICE und andere Züge „auf Sicht“. Und ECTS ist noch längst nicht auf allen Bahnstrecken in Deutschland verfügbar, auch nicht auf allen ICE-Strecken. Im Gegenteil, die Bundesregierung sträubt sich, weil sie es für zu teuer hält. Die Wuppertaler Schwebebahn ist eine zweigleisige Strecke, die lediglich an den Depots Weichen hat, um die Bahnen in das Depot oder die Werkstatt zu leiten. Die Wagen wenden in Vohwinkel und Oberbarmen in einer Schleife, Abzweigungen gibt es nicht. Bisher fuhr die Schwebebahn in der Hauptverkehrszeit in einem Drei-Minuten-Takt. Ein kürzerer Takt ist auch bei fahren „auf Sicht“ möglich und bedarf keines teuren Zugbeeinflussungssystems namens ECTS, es sei denn, es ist eine Vorstufe zur führerlosen Schwebebahn.

2 Responses


  1. Bahnfreund
    16.08.12 um 13:04

    Hoffentlich erkennen die mal die Zeichen der Zeit und stellen die Hängebahn endlich auf führerlosen Betrieb um, wenn die neuen Züge kommen!

  2. Gegen einen führerlosen Betrieb hätte ich dann nichts, wenn sich anstelle des Fahrers ein Zugbegleiter (Schaffner oder Fahrauweisprüfer oder Servicekraft) in der Schwebebahn befinden würde. Aber ich glaube, das ließe sich nicht durchsetzen und der Begleiter wäre schließlich dann doch nicht immer vorhanden.

    Wenn man übrigens bei der Schwebebahn voll auf das „Fahren auf Sicht“ vertraut, kann es wie vor einigen Monaten (ähnlich wie im Straßenverkehr) durchaus mal zu einem Auffahrunfall kommen. (Ist für den Schwebebahn-Fahrer vielleicht auch eine einschläfernde monotone Tätigkeit!) Eine größtmögliche Sicherheit ist da schon nicht schlecht!

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