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Rhein-Ruhr-Express: Minister Groschek spricht von „abgespeckter Version“

21.08.12 (Nordrhein-Westfalen) Autor:Stefan Hennigfeld

Erstmals hat ein Mitglied der nordrhein-westfälischen Landesregierung öffentlich gesagt, dass der Rhein-Ruhr-Express nur in einer „abgespeckten Version“ realisiert werden könne. Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung berichtet über einen Auftritt des Landesverkehrsministers Michael Groschek (SPD) auf der Messe Ideenpark. Groschek nehme lieber „einen Haltepunkt und zehn Stundenkilometer weniger in Kauf.“

In der Branche ist bereits seit Jahren klar, dass der Rhein-Ruhr-Express zumindest in seiner Endvariante völlig unrealistisch ist und daher nicht kommen wird. Es handelt sich lediglich um ein politisches Schlagwort, um Infrastrukturinvestitionen im nordrhein-westfälischen SPNV im Verteilungskampf der Länder untereinander besser durchsetzen zu können.

Ab 2016 werden die Linien RE 1, RE 5, RE 6 und RE 11 nach einer Neuvergabe und Neuordnung nicht mehr als RE, sondern als RRX geführt. Es werden besondere Doppeldeckertriebzüge in elektrischer Traktion zum Einsatz kommen, die entweder der öffentlichen Hand oder einer privaten Besitzgesellschaft gehören werden. Derzeit werden noch beide Varianten geprüft. Ob es Leistungsausweitungen geben wird, ist offen.

Die Linie RB 42 wird ab Dezember 2016 über ihren südlichen Endpunkt Essen hinaus nach Mönchengladbach verlängert. Das Geld dafür wird bei den jährlichen Infrastrukturinvestitionen gestrichen. Es gab zudem Planungen, die Linie RE 6 über Neuss und Dormagen nach Köln zu verlängern. Ob das noch realistisch ist, auch nach 2016, kann derzeit noch nicht abgesehen werden.

Die nordrhein-westfälische Landesregierung ist nicht bereit, Gelder für die Leistungsbestellungen aus dem eigenen Haushalt zur Verfügung zu stellen. Der frühere Verkehrsstaatssekretär Horst Becker (Grüne) forderte statt dessen stets, der Bund solle anderen Ländern Geld wegnehmen. Unter Groschek scheint man nun das offen zu sagen, was Fachleuten schon lange klar war: Der Rhein-Ruhr-Express wird auf Dauer in einer Vorstufe hängen bleiben.

2 Responses


  1. Bahnfahrer
    21.08.12 um 09:53

    War das nichts zu erwarten? Bei der Finanzlage des Landes und des Bundes ist ein solches Konzept wie der RXX mit den notwendigen Investitionen in Infrastruktur kaum möglich. Nach wie vor setzt die Politik stärker auf das Auto und den Individualverkehr als auf den öffentlichen Verkehr.
    Für NRW als bevölkerungsreichtes Land wäre eine Investition in die Bahn-Infrastruktur zumindest auf den Hautpstrecken Dortmund – Köln und Zulauf mehr als dringend. Die Benzinpreise steigen permanent und das wird sich auch nicht mehr ändern. Die Autobahnen sind heute schon dicht, der tägliche Dauerstau ist unübersehbar. Die Züge auf den Hauptstrecken sind in der Berufsverkehrszeit ebenfalls überfüllt, Kapazitätserweiterungen sind dringen erforderlich.
    Die Hauptstrecke Düsseldorf – Köln ist heute schon überlastet, dabei hat man noch nicht einmal das vierte Gleis für die S-Bahn von Langenfeld nach Leverkusen geplant und gebaut.
    Sowohl Landes- als auch Bundespolitik nehmen ihre Verantwortung nicht wahr, die von den Menschen immer wieder geforderte Mobilität durch deutliche Erhöhung von Investitionen in die Infrastruktur zu verbessern.

  2. Wichtig ist, dass der Rhein-Ruhr-Express ein besseres Angebot bietet als die bisherigen RE-Linien. Das verbesserte Angebot sollte aus mehr Schnelligkeit und vor allem aus dichteren, merkbareren und attraktiveren Fahrplänen bestehen. Sollte das nicht gelingen, ist das Projekt „Rhein-Ruhr-Express“ gescheitert.

    Schafft man es jedoch trotz der Einsparungen, ein attraktiveres Angebot auf die Beine zu bekommen, dann wird die hohe Nachfrage die noch fehlenden Maßnahmen zwangsweise eforderlich machen.

    Hoffen wir, dass aus dem großen Rhein-Ruhr-Express nicht eine kleine Fahrplanänderungsmaßnahme wird, die die Verkehrsströme und das Angebot nicht wesentlich verändert! Wäre schade!

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