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NWL kritisiert Pläne zu eingleisigen Tunnelsanierungen auf der Oberen Ruhrtalbahn

31.08.12 (NWL) Autor:Sven Steinke

Der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) kritisiert in einer Resolution die Planungen des Infrastrukturbetreibers DB Netz drei Tunnel auf der Strecke zwischen Hagen und Warburg eingleisig zurückzubauen. Die NWL-Vertreter erwarten durch die zwei eingleisigen Abschnitte auf mehreren Kilometern Länge, eine Senkung in der Leistungsfähigkeit der Schieneninfrastruktur und damit nachhaltige Einschränkungen bei der zukünftigen Entwicklung des Bahnangebotes.

Die Pläne der DB Netz sehen konkret vor, zwischen Oeventrop und Freienohl den Glösinger-Tunnel (687m) und den Freienohler-Tunnel (650m) mit dem dazwischen liegenden Streckenabschnitt eingleisig zurück zubauen. So würde sich ein rund 3,5 Kilometer langer Abschnitt ergeben, auf dem sich Züge nicht begegnen können. Zusätzlich soll der Elleringhauser-Tunnel (1.399m) zwischen Olsberg und Brilon-Wald auf ein Gleis zurückgebaut werden.

Für die nötige Genehmigung des Eisenbahnbundesamts (EBA) hat die Infrastrukturtochter der Deutschen Bahn bereits eine wissenschaftliche Untersuchung erstellt. Diese weist aus, dass die Strecke durch die Beseitigung der höhengleichen Bahnsteigzugänge in Neheim-Hüsten und Wickede, sowie einer Blockverdichtung zwischen Brilon Wald und Olsberg trotzdem noch in „Premium-Qualität“ befahren werden kann.

Der NWL kritisiert diese Untersuchung, da stetige Nachfragesteigerungen und saisonale Nachfragespitzen nicht berücksichtigt werden. Der Aufgabenträger verweist hier insbesondere auf den Adventsverkehr Richtung Dortmund, der an Spitzentagen eine Verdreifachung der Fahrgastzahlen zur Folge hat. Ohne Zusatzfahrten könnte man der Fahrgastnachfrage hier gar nicht gerecht werden. Diese Fahrten sind bereits heute großen betrieblichen Zwängen ausgesetzt. Die Auswirkungen der geplanten eingleisigen Abschnitte auf diese Züge sind nicht untersucht worden. Zusätzlich wird die Flexibilät im Fall von Betriebsstörungen eingeschränkt.

Der NWL warnt insbesondere davor, dass die geplanten Rückbauten in Zukunft nur sehr schwer wieder beseitigt werden können. In diesem Fall müsste mit großem finanziellen und konstruktiven Aufwand eine zweite eingleisige Tunnelröhre gebaut werden. Einen ausreichenden Kosten-Nutzen Faktor, damit diese Maßnahmen aus öffentlichen Geldern finanziert werden können, erwartet der NWL nicht, sodass die Strecke dauerhaft diese eingleisigen Abschnitte behalten würde.

Die Sanierung der Tunnel verfehlt damit die Ziele des NWL Nahverkehrsplans und die Koalitionsvereinbarung der aktuellen rot-grünen Regierungskoalition, welche eine Beseitigung von eingleisigen Streckenabschnitten vorsieht. Der Zweckverband fordert die Untersuchung um die Kritikpunkte zu ergänzen und die Tunnel zweigleisig zu sanieren.

2 Responses


  1. Lukas Iffländer (PRO BAHN Mittel-/Oberfranken)
    31.08.12 um 21:48

    Andere Besteller legen einfach Planbegegnungen in diese Abschnitte um es der DB Netz zu versauen ;-)

  2. Ich kenne Strecken, wo soviel zurückgebaut wurde, dass man meistens nicht mehr in der Lage ist, einen außerplanmäßigen Güter- oder Personenzug einzulegen, ohne dass dafür ein fahrplanmäßiger Personenzug ausfallen muss!

    Weiterer Nachteil: Wenn eines Tages (z. B. wegen des Rhein-Ruhr-Express) der gesamte Taktfahrplan geändert werden muss, muss gegebenenfalls auf gute Anschlüsse in Richtung Sauerland (Oberes Ruhrtal) verzichtet werden.

    Deshalb: Alle Arten von Rückbauten bitte mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpfen!

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