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Nordwestbahn: Nach wie vor Probleme trotz positiver Entwicklung

07.08.12 (VRR) Autor:Stefan Hennigfeld

Die Nordwestbahn hatte dieser Tage mit technischen Problemen am Werkstattstandort Dorsten zu kämpfen. So mussten einige Zugbewegungen wegen technischer Schwierigkeiten ganz entfallen oder wurden mit Unterkapazitäten gefahren, etwa weil es Kupplungsprobleme gab, so dass statt der bestellten Doppel- nur Einzeltraktionen fahren konnten. Im Sommer besonders unangenehm sind auch defekte Klimaanlagen.

„Wir haben in unserer Dorstener Werkstatt einen Wartungsstau abarbeiten müssen und sehen uns dabei auf einem guten Weg. Gerade bei den heißen Temperaturen, wie sie in der letzten Juliwoche aufgetreten sind, kamen wir nicht umhin, den Klimaanlagen oberste Priorität einzuräumen. Insgesamt gehen wir aber davon aus, dass sich die Kapazitäts- und Komfortprobleme für unsere Fahrgäste künftig in dieser Form nicht mehr wiederholen“ erklärt Nordwestbahn-Sprecher Timo Kerßenfischer.

In der vergangenen Woche wurde in einer Regionalzeitung indirekt behauptet, der VRR bereite eine außerordentliche Vertragskündigung vor. Das ist so nicht richtig. Verbundsprecherin Sabine Tkatzik: „Wir haben mit unserem Partner Nordwestbahn einen gültigen Verkehrsdurchführungsvertrag, der nach einer ordnungsgemäßen EU-weiten Ausschreibung zustande gekommen ist. Dieser ist einzuhalten und dort sind Schlechtleistungen in ihren unterschiedlichen Formen bereits definiert.“

Das bedeutet, dass der VRR Geld kürzt, wenn die Züge mit weniger Kapazität als bestellt fahren oder wenn die Klimaanlagen defekt sind. Ausgefallene Züge werden überhaupt nicht bezahlt. Tkatzik: „Trotz allem erkennen wir in den letzten zwölf Monaten eine deutlichen Aufwärtstrend bei der Qualität der Nordwestbahn. Das merken wir einerseits an den Liefernachweisen des Unternehmens selbst, andererseits aber auch an den Berichten unserer Zugtester.“

Zufrieden ist man bei der Nordwestbahn allerdings noch nicht. Kerßenfischer: „Unsere Kunden zahlen den vollen Preis und haben daher selbstverständlich auch Anspruch auf die volle Leistung. Wir haben im Moment jedoch keine akuten Probleme und sind daher zuversichtlich, dass dieser Normal- auch der Regelfall bleibt.“

Lange Zeit hatte die Nordwestbahn unter den Folgen eine schweren Unfalles am linken Niederrhein zu kämpfen, als durch einen Bauzug der Deutschen Bahn im Sommer 2010 mehrere Züge kaputtgefahren worden sind. In der Folgezeit wechselte das Rollmaterial dort rasch und musste immer wieder von anderen Unternehmen gemietet werden. Kerßenfischer: „Auch diese Episode ist jetzt vorbei. In unserer Werkstatt kehrt Normalität ein, es sind aber auch noch einige Themen im Nachgang insbesondere zu den letzten zwei Jahren zu lösen.“

Wettbewerbsbahnen haben – anders als die DB AG – keine große Fahrzeugreserve. Die Deutsche Bahn verfügt noch immer über einen riesigen Fuhrpark, der einst von der Deutschen Bundesbahn angeschafft worden ist. Diese Investitionsgüter wurden der DB AG bei ihrer Gründung geschenkt, die Finanzierung übernahm das Bundeseisenbahnvermögen. Die Wettbewerber mussten jeden Zug für viel Geld anschaffen. Deshalb wirken sich Unfallschäden dort deutlich stärker aus.

Von Zugausfällen und Verspätungen betroffene Kunden haben jedoch die Möglichkeit, die VRR-Mobilitätsgarantie in Anspruch zu nehmen. Nach mehr als zwanzig Minuten Wartezeit und wenn es keine alternative Verkehrslinie gibt werden Taxikosten übernommen. Tkatzik: „Bus und Bahn stehen im Wettbewerb mit anderen Verkehrsmitteln. Deshalb müssen wir Zuverlässigkeit gewährleisten und tun das unter anderem mit der Mobilitätsgarantie.“

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