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Gute Chancen für Bayern-Takt nach Feuchtwangen und Dinkelsbühl

03.08.12 (Bayern, Verkehrspolitik) Autor:Niklas Luerßen

Die Reaktivierung der sogenannten Hesselbergbahn vom mittelfränkischen Dombühl über Feuchtwangen nach Dinkelsbühl wird immer konkreter. Nachdem eine neue Studie ausreichend großes Nachfragepotenzial aufzeigt und sobald die bayernweit einheitlichen Reaktivierungskriterien vollständig erfüllt sind, ist das Bayerische Verkehrsministerium zur Bestellung eines stündlichen Regionalverkehrs bereit. „Ich sehe gute Chancen, dass Feuchtwangen, Schopfloch und Dinkelsbühl bald in den BAYERN-TAKT integriert werden können. Das wäre ein Quantensprung bei der Anbindung des ländlichen Raums im westlichen Mittelfranken und würde die Standortattraktivität ungemein erhöhen“, macht Bayerns Verkehrsstaatssekretärin Katja Hessel deutlich. Der Ansbacher Landrat Jürgen Ludwig ergänzt: „Der Landkreis unterstützt die Bahn-Reaktivierung, denn Sie verbessert die Erreichbarkeit unserer Region deutlich. Es wäre toll, wenn auch die touristischen Ziele entlang der Romantischen Straße bald wieder mit dem Zug erreichbar wären.“

Um die Reaktivierung der Strecke Dombühl – Feuchtwangen – Dinkelsbühl zu konkretisieren, ist gestern auf Initiative der Staatssekretärin eine Arbeitsgruppe unter Federführung des Bayerischen Verkehrsministeriums gegründet worden. Ihr gehören neben dem Freistaat die Gebietskörperschaften entlang der Strecke, die betroffenen Eisenbahninfrastrukturunternehmen DB Netz AG, DB Station&Service AG und BayernBahn sowie der Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) und die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) an. Die Arbeitsgruppe wird erstmals nach der Sommerpause in Dinkelsbühl tagen. Hauptthemen werden das Fahrplanangebot, die Anpassung der Busverkehre, die ohne Landesmittel sicherzustellende Finanzierung des Infrastrukturausbaus und der weitere Zeitplan sein.

Gemeinsam mit den Landkreisen Ansbach, Weißenburg-Gunzenhausen und Donau-Ries hatte das Bayerische Verkehrsministerium im Jahr 2011 eine Machbarkeitsstudie zur Reaktivierung der Bahnlinien Nördlingen – Dinkelsbühl, Dinkelsbühl – Dombühl und Nördlingen – Gunzenhausen in Auftrag gegeben, die gemeinhin als Hesselbergbahn-Strecken bezeichnet werden.

Der VGN erstellte zeitgleich eine Potenzialprognose für den Fall einer Wiederinbetriebnahme der genannten Strecken. Ergebnis der Potenzialprognose ist, dass auf dem Abschnitt Dombühl – Feuchtwangen – Dinkelsbühl im Schnitt mehr als 1000 Fahrgäste pro Werktag zu erwarten sind. Ab diesem bayernweit einheitlichen Wert ist der Freistaat grundsätzlich zu einer Bestellung von Regionalzügen auf Reaktivierungsstrecken bereit. Die beiden anderen untersuchten Abschnitte Dinkelsbühl – Nördlingen und Nördlingen – Gunzenhausen verfehlen dieses Kriterium mit prognostizierten 500 bis 600 bzw. 850 Fahrgästen pro Werktag. Daher wird der Freistaat auf diesen Strecken auch künftig keinen Zugverkehr bestellen.

Bei der Infrastruktur für die Strecke Dombühl – Dinkelsbühl geht die Machbarkeitsstudie von notwendigen Investitionen in Höhe von knapp 7 Millionen € aus. Damit sollen eine Anhebung der Streckengeschwindigkeit, der Bau barrierefreier Bahnsteige und Bahnübergangsanpassungen finanziert werden. Wie bei allen anderen Reaktivierungsprojekten muss die Finanzierung durch den Betreiber oder die Region sichergestellt werden, der Freistaat übernimmt als Aufgabenträger die Bestellung des Nahverkehrs. Der Freistaat ist aber bereit, wie üblich einen langfristigen Verkehrsdurchführungsvertrag abzuschließen und damit für den Infrastruktureigentümer über langfristig bestimmte, marktübliche Infrastrukturgebühren Investitionssicherheit zu geben.

Soweit Kosten für den Umbau des Abzweigbahnhofs Dombühl anfallen, der im Besitz der Deutschen Bahn AG ist, ist eine Finanzierung aus Bundesmitteln grundsätzlich möglich. Der Umbau des Bahnhofs Dombühl für eine Reaktivierung der Hesselbergbahn muss eng mit den ohnehin geplanten Baumaßnahmen für die S-Bahn-Verlängerung von Ansbach nach Dombühl abgestimmt werden.

Bezüglich des Fahrplans empfiehlt die Machbarkeitsstudie ein stündliches Angebot zwischen Dinkelsbühl und Dombühl mit günstigen Anschlüssen nach Ansbach und Nürnberg. In der Hauptverkehrszeit könnten umsteigefreie Verbindungen von Dinkelsbühl bis Ansbach eingerichtet werden. Hinsichtlich des Busangebotes hat der VGN ein Konzept erarbeitet, das günstige Anschlüsse zwischen Zug und Bus vermittelt.

In den letzten Jahren wurde das Bahnangebot in Westmittelfranken bereits erheblich verbessert. So wurde im Dezember 2010 der S-Bahn-Betrieb zwischen Nürnberg und Ansbach aufgenommen, der Ende 2012 auf neue Niederflurzüge umgestellt wird. Spätestens 2015 soll die S-Bahn alle zwei Stunden über den neuen Bahnhof Leutershausen-Wiedersbach bis Dombühl verlängert werden. Gemeinsam mit dem Regionalexpress Nürnberg – Stuttgart wird Dombühl auf diese Weise erstmals ein stündliches Zugangebot mit guten Busanschlüssen erhalten. Der Fahrplan der reaktivierten Hesselbergbahn nach Dinkelsbühl könnte dann optimal auf das stündliche Zugangebot Richtung Nürnberg ausgerichtet werden.

Die Strecke Dombühl – Feuchtwangen – Dinkelsbühl ist rund 24 km lang. Der Personenverkehr wurde am 1. Juni 1985 von der damaligen Deutschen Bundesbahn eingestellt. Anschließend wurde die Strecke an die BayernBahn verpachtet, einem privaten Eisenbahnunternehmen mit Sitz in Nördlingen. Auf den Gleisen fahren weiterhin Nostalgiezüge und Güterzüge.

Ein Kommentar


  1. Edmund Lauterbach
    03.08.12 um 13:01

    Einmal mehr die nicht als solche gekennzeichnete Wiedergabe einer ministeriellen Jubelmeldung. Da wiederhole ich dann auch mal etwa, nämlich meinen Kommentar von gestern (http://www.zughalt.de/2012/08/vcd-bayern-endlich-chance-fur-bahnreaktivierungen-in-westmittelfranken-nutzen/):

    > Siehe http://www.pro-bahn.de/bayern/aktuell_bayern.php
    > mit Link zum Ministerium und Kommentar zur
    > Potenzialanalyse des VGN. Der VCD hat sich etwas zu
    > früh bzw. zu weitgehend gefreut. Die Chance, Netzlücken
    > zu schließen, will der Freistaat nicht wahrnehmen.

    Das Ministerium freut sich natürlich auch. Besonders wenn die unkritische Weitergabe seiner Pressemitteilungen nicht von redaktionell verfassten Beiträgen zu unterscheiden ist.

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