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Flughafen-Bahnhof in Stuttgart erst 2022 fertig – Trennung des Planfeststellungsabschnittes 1.3 geplant

02.08.12 (Baden-Württemberg, Stuttgart) Autor:Niklas Luerßen

Die neue Variante des Flughafenfernbahnhofs, der unter der Flughafenrandstraße liegen soll, hat weitere Verzögerungen zur Folge. Die Bahn rechnet mit einer Fertigstellung im Jahr 2022. Um zu verhindern, dass sich S 21 insgesamt verzögert, soll nun laut Bahnvorstand Volker Kefer der Planungsabschnitt 1.3. in zwei Teile gespalten werden. Der Streckenabschnitt zwischen Echterdinger Ei und Ostfildern (1.3a) soll schnell genehmigt werden. Dann würden die Züge vom Stuttgarter Tiefbahnhof  einfach am Flughafen vorbeifahren. Die unterirdischen Einschleifungen und der Fernbahnhof (1.3b) würden später angeschlossen. Steffen Siegel, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft Filder zeigt die Probleme der neuen Pläne auf. 

Nachdem man die klaren Mehrheitsbeschlüsse im Filderdialog – gegen den Mischverkehr durch Leinfelden-Echterdingen und für den Erhalt der Gäubahntrasse sowie einen S-Bahn-Ringschluss vom Vaihinger Bahnhof über den Flughafen bis ins Neckartal – einfach vom Tisch gewischt hat, fordern die S 21-Projektbetreiber jetzt einen neuen Flughafenbahnhof. Um das Gesicht zu wahren und das Gesamtprojekt Stuttgart 21 nicht noch mehr zu gefährden, plant man den Planfeststellungsabschnitt 1.3 (Filder) in zwei Abschnitten durchzuführen. Den ersten Teil , die weniger problematische Schnellbahntrasse entlang der Autobahn, will man im bisherigen Zeitfenster unterbringen, den zweite Teil, den neuen Fernbahnhof kann man dagegen nur mit „einem gewaltigen Zeitverzug“, so Bahnvorstand Volker Kefer, umsetzen.

Steffen Siegel kommentiert: „Die bisherige Murksplanung von S 21 auf den Fildern mit zwei Bahnhöfen am Flughafen war nie umsetzbar, sonst hätte man in zehn Jahren Planung doch längst einen Baubeschluss zustande gebracht. Nun ersetzt man diese bisherige katastrophale Planung durch einen neuen Plan, der mindestens ebenso unzulänglich ist.“ Die Bahn will Stuttgart 21 mit dem Tiefbahnhof starten, ohne den Flughafen anzuschließen.

Die Schutzgemeinschaft Filder zählt einige Problempunkte auf, die mit der neuen Planung auf die Filder zukommen:

  • Über Jahre würden die Züge aus Ulm am Flughafen ohne zu halten vorbeidonnern.
  • Ebenso würden die Züge aus Tübingen, die in Wendlingen in Richtung Flughafen einschleifen sollen, am Flughafen nicht halten können. Die Tübinger kämen weder nach Esslingen noch zum Flughafen.
  • Der neue Bahnhof am Flughafen würde den Flughafenbodenverkehr massiv beeinträchtigen: Der neue zweistöckige Bahnhof unter der Flughafenrandstraße, würde die Straße auf Jahre stilllegen. Die Flughafenrandstraße aber ist die „Hauptschlagader“ des Flughafenverkehrs.
  • Die Gäubahn aus Süden müsste während der jahrelangen Verzögerungen in Vaihingen enden. Alle Fahrgäste müssten auf die S-Bahn nach Stuttgart umsteigen, einige wenige auf die S-Bahn zum Flughafen.
  • Von Stuttgart aus käme man nicht mehr direkt nach Zürich.

Wenn man den neuen Bahnhof am Flughafen tatsächlich verwirklicht, würden sich weitere Probleme aufschaukeln:

  • Der S-21-Kostendeckel, der wenn man genau hinschaut, jetzt schon durchbrochen ist, wäre nie zu halten.
  • Der jetzt geplante Fernbahnhof am Flughafen müsste zusätzlich zu den Zügen aus Ulm und Stuttgart auch alle Gäubahnzüge abwickeln. Dies wird fahrplantechnisch nicht befriedigend zu bewältigen sein.
  • Der lärmverstärkende Mischverkehr durch Leinfelden-Echterdingen mit seinem störenden Einfluss auf den S-Bahnverkehr bliebe erhalten.
  • Der neue Flughafen-Bahnhof müsste mit einer deutlich größeren Schleife an die Schnellbahntrasse angeschlossen werden. Das würde wesentlich mehr Landverbrauch bedeuten als bisher.
  • Und schließlich müsste man den Planfeststellungsabschnitt (1.3a) entlang der Autobahn ein zweites Mal eröffnen, sobald die neuen Anschlüsse durch den zweiten geänderten Planabschnitt (1.3b) eingebunden werden müssen.

Steffen Siegel dazu: „Gleich, ob man die bisherige oder die zukünftige Planung zugrunde legt, alle angedachten S-21-Flughafenlösungen sind der Offenbarungseid für Stuttgart 21. Fragt sich nur, warum man sich gegen die einfache Lösung, die im Filderdialog eine klare Mehrheit fand, mit Händen und Füßen wehrt. Diese Variante wäre umweltschonender, benutzerfreundlicher, kostengünstiger und leistungsfähiger.“

4 Responses

  1. nanu? eine Mehrheit hat sich „klar gegen den Mischverkehr auf der Filder“ ausgesprochen? Eine Mehrheit wovon? Ist Ihnen eigentlich auch klar, dass sich diese angebliche Mehrheit gleichzeitig für einen Mischverkehr zwischen Rohr und Vaihingen-Süd ausgesprochen hat? Das war eine St. Florians Mehrheit von Filderbewohnern, nennen Sie doch fakten und lassen Sie das Tatsachenverdrehen!

  2. @JOT

    Tatsache 1: vom Faktencheck, also der Schlichtung wurde gar nichts umgesetzt. Diese wahr auch Grundlage des Volksentscheids. Das bedeutet der Bürger wurde beim Volksentscheid getäuscht, da der Schlichtungserspruch auch von der Pro Seite akzeptiert wurde. Siehe hierzu Mitschnitte, Protokolle und Schlichterspruch von http://www.schlichtung-s21.de/

    Tatsache 2: Beim Volksentscheid wurde ausschließlich über den Ausstieg der Finanzierung des Landes entschieden. Alles andere war angeblich, rechtlich nicht möglich. Also ging es auch rechtlich nur um die Finanzierung und nicht um das Projekt. Auch wenn es die Pro ler gerne uminterpretieren möchten. Recht bleibt Recht.

    Tatsache 3: Bis heute wurde die Mischfinanzierung nicht durch Gerichte geprüft. Das wird sich bald ändern.

    Tatsache 4: Wo waren Sie denn beim Filderdialüg ? Sie hätten teilnehmen können, so wie jeder interessierte Bürger. Sehen sie es wie eine Wahl zu der nicht alle hingehen. Diese dürfen sich dann aber nachher nicht beschweren, da sie ja hätten abstimmen können. Fakt ist, daß sich beim Filderdialüg die Mehrheit für die Gäubahn ausgesprochen hat. Das können sie jetzt versuchen zu verdrehen, es ändert aber nichts am Ergebnis.


  3. Thomas Arweiler
    03.08.12 um 19:53

    Die Bahn hat seit der Börsenidee die Sharehouldervalue-strategie. Seit den 1990er gab es eine Art Kulturkampf bei Aktiengeselschaften. Sharehouldervalue (Priorisierung der Aktionärsinteresse), wurde z.B. von DaimlerBenz verteten, bringt den Aktionären durch am kurzfristigen gewinn orientierte Investitionsentscheidung eben langfristig wenger erfolg als customervalue. Customervalue (Kundenorientierte Strategie) durch z.B Porsche vertreten hat langfristigen Erfolg für die Aktionäre .
    Typische sharehouldervalue Entscheidungen der Bahn sind die Sparbremsbeläge der Güterzüge , Klimaanlagen ausgelegt bis 32grad Celsius oder Lärmschutz nach den gerade noch gültigen Bahnsonderrechten. Aus dieser Zeit stammt auch die Konzeption für S21. Zu diesem Zeitpunkt plante die DB auch noch mit der Einstellung der Regionalzüge , da IC-fahrkarten mehr kosten für die gleiche Strecke. Blöderweise hat der Regionalverkehr seitdem um rund 100% zugenommen. Politiker in BW haben aber wegen einer gescheiterten 2. Start-und Landebahn das unwirtschaftliche Projekt widerbelebt. Die 90er jahre Prognosen wurde aber in der Planung nicht wirklich aktualisiert. Beim Kauf der SachsenLB dem Verkauf vielmehr noch als beim Rückkauf der EnBW und schließlich mit S21 wollten Politiker ihre Karriere beschleunigen. Ist irgendwie auch gelungen.


  4. K. Neumann
    06.08.12 um 21:27

    Der Kostendeckel wurde bereits gehoben. Das sieht auch die Bahn ganz offensichtlich so. Deswegen greift Kefer zu dem Trick, den sehr teuren Tiefbahnhof am Flughafen von dem bisherigen Planfeststellungsabschnitt 1.3 abzutrennen, in dem er flugs aus PFA 1.3 die PFAs 1.3a und 1.3b kreiert. Kommt Zeit kommt Rat bzw. Erpressungspotenzial. Dietrich hat´s ja bereits bekundet: wer was besseres da oben möchte als die Bahn geplant hat, der muss dafür bezahlen. Wenn 1.3a einmal gebaut ist, dann ist es nur folgerichtig und vernünftig, dass die Menschen 1.3b alsbald von selbst fordern. Und dann wird die Bahn, die rundum zufrieden ist mit 1.3a auf die Politik verweisen. Alles andere dann zwangsläufig vernünftig: das Land bezahlt, um nicht dumm und als Vernunfts- und Verkehrsverhinderer dazustehen. Noch ziert man sich in der Öffentlichkeit beim Land. Aber unter der Hand haben SPD und auch Grüne schon durchblicken lassen, dass der Kostendeckel für eine vernünftige Filderlösung vernünftigerweise nicht sakrosankt sein sollte. Und die Bahn weiss, dass der Druck aus dem Volk auf die Politik spätestens mit Fertigstellung von 1.3a steigen wird, um schnell zu einer vernünftigen Lösung mit der Bahn zu kommen. Da freut sich grün-rot wie die Bahn auch schon mal auf das Gelingen des Coups. Ein absolut widerliches Spiel der Politik im Abgleich mit der Bahn, um den Kostendeckel der Öffentlichkeit als überholt und unvernünftig darstellen und aushebeln zu können, und zwar nicht durch die Bahn, nein, sondern in klug gelenkter Weise durch den Druck der betroffenen Bevölkerung selbst, dem dann die Politik vernünftigerweise nachgeben wird, um dann bei den Mehrkosten von ein paar Hundert Millionen über den Kostendeckel hinaus auf die Wünsche der Bevölkerung verweisen zu können: Bittesährrrrr, I H R selber habt es doch so gewollt!. Die hohe Schule, wie man Verträge aushebelt, um den Steuerzahler auch die Unterhose noch ausziehen zu können. O tempora o mores. Mir dreht sich der Magen um.

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