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ESTW Solingen im Regelbetrieb

07.08.12 (Allgemein, VRR) Autor:Jürgen Eikelberg

In den Anfangsjahren der Eisenbahn wurden die wenigen Weichen noch vor Ort von Hand gestellt. Doch mit dem immer stärker werden Eisenbahnverkehr wurde es notwendig, für einen bestimmten Bereich die Weichen und Signale zentral zu steuern. Dies geschah in den Stellwerken. Bahnfahrer kennen sie als die Türme, die neben oder teilweise zwischen den Gleisen stehen, wo der Fahrdienstleiter einen guten Ausblick auf seinen Zuständigkeitsbereich hatte. Er musste sehen, ob das Gleis frei war. Zu Beginn waren es mechanische Stellwerke, wo über einen Doppeldrahtzug die Weichen und Signale gestellt wurden. Eine mitunter schweißtreibende und körperlich schwere Arbeit. Die „Reichweite“ lag bei 400 Meter für Weichen und 1.800 Metern für Signale.

Bereits 1912 wurden die ersten elektromechanischen Stellwerke entwickelt. Dort wurden Signale und Weichen durch 136 Volt Gleichstrom aus einer ständig vom Netz gepufferten Batterie gestellt. Dazu bekamen Weichen und Signale Elektromotoren. Im Jahre 1943 wurde in Deutschland die Bauform E 43 zum Einheitsstellwerk erklärt.

Die Gleisbildstellwerke, auf den Weichen und Signale schematisch dargestellt wurden, setze sich nach dem 2. Weltkrieg immer mehr durch. Das erste entstand bereits 1944 in Birkenwerder bei Berlin als Versuchsausführung. Am 12.10.1948 wurde dann das erste Drucktastenstellwerk der Bauform VES in Düsseldorf-Derendorf in Betrieb genommen. Durch die Gleisfreimeldeanlagen konnte der Zuständigkeitsbereich über den Sichtbereich hinaus vergrößert werden. Bei einen Drucktastenstellwerk werden alle Weichen und Signale für den gewünschten Fahrweg des Zuges gestellt. Konflikte mit anderen Fahrwegen werden ausgeschlossen.  Die  Signale auf Hauptstrecken sind heute Lichtsignale, die keine elektromechanische Steuerung brauchen.

Drucktastenstellwerke haben für die Deutsche Bahn immer noch eine hohe Bedeutung. Doch die DB Netz AG investiert zunehmend in die Technik. So werden nach und nach alte Drucktastenstellwerke durch Elektronische Stellwerke (ESTW) ersetzt, wenn die Unterhaltung der alten Stellwerke zu aufwändig ist. So auch in Leichlingen, Opladen und Solingen.

Gestern gab die Deutsche Bahn einen kleinen Einblick in das ESTW Solingen. Das verblüffende daran, die Technik befindet sich vor Ort, aber die Bedienplätze sind in der Betriebszentrale in Duisburg. Dort befinden sich aber noch die Bedienplätze für weitere ESTW.

Eigentlich macht ein ESTW alles von allein. Jeder Zug hat eine Zugnummer, die im System hinterlegt ist. Wenn der Zug im Plan – also pünktlich –  ist, stellen sich alle Weichen und Signale von selbst, wenn sich der Zug im Zuständigkeitsbereich des jeweiligen ESTW befindet. Der örtliche zuständige Fahrdienstleiter muss nur eingreifen, wenn es zu Störungen kommt. Das kann verschiedene Ursachen haben (z.B. Personen im Gleis, Überholung eines langsamen durch einen schnelleren verspäteten Zuges in einem Bahnhof, verspätete Züge aus anderen Bereichen) , aber da reichen dann zwei Mausklicks. Um einen Gleiswechsel in einem Bahnhof vorzunehmen, schiebt er einfach den Zug mit der Maus auf ein anders Gleis. Das gleiche gilt für Umleiter, wenn eine Strecke gesperrt ist. Die Meldung an die benachbarten ESTW erfolgt automatisch.

Jeder Fahrdienstleiter hat vier bis sechs Monitore, er kann auch einen Streckenabschnitt nah heran holen, um einen besseren Überblick zu haben.

Die Umstellung für das ESTW Solingen ging in mehreren Schritten vor sich. Zuerst wurden 40 Kilometer Kabelkanäle und 300 Kilometer Kabel verlegt. Es wurden 199 neue Signale errichtet und drei Bahnübergänge erneuert sowie zwei Überwege angepasst. Jeweils an einem Wochenende wurde in der so genannten Betriebspause in der Nacht das alte Stellwerk in den drei Teilbereichen Leichlingen, Opladen und Solingen abgeschaltet und das ESTW eingeschaltet.

Anstelle der Stelltische mit den Drucktasten sind jetzt Computerarbeitsplätze mit Monitoren und Maus die Arbeitsgeräte des Fahrdienstleiters. Mit Hilfe dieser Arbeitsgeräte kann er das Stellwerk einfach, schnell und sicher steuern. In drei Arbeitsschichten und an zwei Arbeitsplätzen steuern so elf Mitarbeiter den Zugverkehr im Stellbereich des ESTW Solingen im Dreischichtbetrieb.

Insbesondere durch den Bau moderner ESTW wird die Wirtschaftlichkeit der Betriebsführung deutlich verbessert, so die Deutsche Bahn. Bis 2016 investiert die Bahn in NRW rund 534 Millionen Euro in diese neue Stellwerkstechnik. Zu Einzelprojekten will die DB keine Auskunft gegen, so Jürgen Kugelmann von der Deutschen Bahn. Er betonte aber, das es keine Entlassungen geben werde, alle Mitarbeiter würden umgesetzt und weiter beschäftigt. Zum Teil sind sie in die Betriebszentrale nach Duisburg versetzt worden, zum anderen Teil haben sie andere Aufgaben im Konzern übernommen.

Bild: Jürgen Eikelberg

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