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VCD begrüßt Entscheidung beim Filderdialog für Erhalt der Gäubahn-Trasse

10.07.12 (Baden-Württemberg) Autor:Niklas Luerßen

Der ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD) begrüßt die klare Entscheidung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Bürgerforums Filderdialog für die so genannte Gäubahn-Variante. Diese sieht vor, dass die Fernzüge zwischen Stuttgart, Singen und Zürich auch künftig über die bestehende Gäubahn in den Stuttgarter Talkessel fahren. In Stuttgart-Vaihingen soll es in Zukunft einen Halt geben, so dass Fahrgäste mit der S-Bahn in wenigen Minuten den Flughafen erreichen können.

VCD-Landsvorsitzender Matthias Lieb: „Die Bürger haben Realitätssinn bewiesen und sich für die Variante entschieden, die am schnellsten zu realisieren ist, für die Gäubahn die meisten positiven Effekte bringt und die ganzen Nachteile der Planungen der Deutschen Bahn (DB) AG für den Bereich Flughafen vermeidet. Mit der Gäubahn-Variante kann der Bahnverkehr zu überschaubaren Kosten in kurzer Zeit nachhaltig verbessert werden.“

Die vom VCD im Rahmen seines Verkehrskonzeptes ‚Smart Link’ vorgeschlagene Gäubahn-Variante ist innerhalb von zwei Jahren umsetzbar und stellt eine wichtige Verbesserung für den Bahnverkehr im Süden Stuttgarts dar. In Stuttgart-Vaihingen muss lediglich ein zusätzlicher Bahnsteig gebaut werden, damit auch stadteinwärts fahrende Züge halten können. Für Berufspendler nach Stuttgart verkürzt sich die Reisezeit mit einem Umstieg in Vaihingen in die S-Bahn gegenüber heute ebenfalls, so der Verkehrsclub. Dies könne unabhängig von den weiteren Planungen zu Stuttgart 21 schon kurzfristig realisiert werden.

Der VCD sieht die Entscheidung des Bürgerforums wohl überlegt und begründet. Matthias Lieb: „Für Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen sind die Pendlerverflechtungen mit den Orten entlang der Gäubahn sehr gering. Gerade 2,3 Prozent aller Einpendler nach Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen (inkl. Flughafen und Messe) kommen von Orten entlang der Gäubahn.“ Dies ergibt sich aus den Pendlerzahlen des Statistischen Landesamtes aus dem Jahr 2009. Zehnmal mehr Pendler entlang der Gäubahn wollten jedoch nach Stuttgart, viele davon nach Stuttgart-Vaihingen. Auch nur rund fünf Prozent der Fluggäste des Stuttgarter Flughafens reisten südlich aus Landkreisen entlang der Gäubahn von Böblingen an.

Der VCD fordert nun im Hinblick auf die Fakten in Verbindung mit den Problemen des geplanten Mischverkehrs zwischen S-Bahn und Fernverkehr im Bereich Flughafen, die bisherige Planung neu zu bewerten. Angesichts des Widerstands der betroffenen Bürger vor Ort und der fehlenden Argumente für die teure Führung der Gäubahn über den Flughafen genüge es nicht, auf einmal getroffenen Entscheidungen zu beharren, kritisiert der VCD die stereotypen Antworten der Politiker, die weiterhin für die sogenannte Antragstrasse plädierten.

 

Beispiele für Pendlerzahlen:

Berufspendler von Horb
-> nach Stuttgart: 447
-> nach Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt: 41

Berufspendler von Rottweil
-> nach Stuttgart: 206
-> nach Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt: 10

Berufspendler von Herrenberg
-> nach Stuttgart: 1777
-> nach Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt: 141

Quelle: Statistisches Landesamt: „Berufspendler in Baden-Württemberg“, Statistische Daten 04/2011 (Stand 2009)

4 Responses


  1. Langweiler
    10.07.12 um 16:03

    Tja wie man eben die Zahlen so formulieren kann.
    12 Millionen Flug- und Messegäste, davon 5% sind 600.000 je Jahr, oder 1643 je tag (im Gegensatz zu den Pendlern auch Sonn und Feiertags). Zusammen mit den ca. 200 Pendlern nach LE- und Filderstadt dann 1850 – gegenüber 2450 Penlern nach gesamt Suttgart nicht wenig.
    Teilt man die 2450 entsprechend den Einwohnerzahlen der sTadtbezirke auf, entfallen auf Vaihingen (Rohr, Österfeld, Universität) 175.
    Also beim Bahnvorschlag kann man 1850 Pendler, FLug und Messegäste zusätzlich erschliessen, mit dem Halt in Vaihingen vielleicht 180 Pendler. Flug und Messegäste müssen alle durch eine Tür direkt am Bahnhof, sind also ÖV-Affin, die Pendler im Bezirk Vaihingen arbeiten teilweise etliche km vom Bahnhof entfernt, sind also viel schwerer zu erreichen.
    Ergo macht das Konzept der Bahn schon Sinn, sowohl das Potential der 1850 auf der Filder als auchd as Potential der 2450 in gesamt Stuttgart zu erschliessen. Die Vaihinger Pendler werden dabei mit Umstieg auf die S1 in Böblingen erschlossen – kein Umweg wie beim Umstieg der FLuggäste in Vaihingen, keine zusätzlichen Ticketkosten, sondern ein Umstieg in gerader Verlängerung.

  2. Pingback: Stuttgart 21: Die Gäubahn-Variante ist wohl vom Tisch – Stuttgarter Zeitung | News von Parken-oder-Hotel-am-Flughafen

  3. Langweiler rechnet leider falsch: Die Gesamtpendler nach Stuttgart von Bahnhöfen der Gäubahn sind 7.600 am Tag (nur die 3 Orte Horb, Rottweil und Herrenberg zusammen kommen auf 2.430). Er weiß wohl nicht, dass u.a. das Regierungspräsidium Stuttgart mit 2.800 Beschäftigten direkt am Bahnhof Vaihingen liegt und Vaihingen DIE Verkehrsdrehscheibe mit heute schon über 1.000 täglichen Bus-, Stadtbahn- und S-Bahn-Fahrten ist. Mit einem Halt der RE-Züge wird in S-Vaihingen im Berufsverkehr eine frühere S-Bahn Richtung Innenstadt erreicht – also profitieren auch nahezu alle Fahrgäste mit Ziel Stuttgart von diesem Halt. Deshalb ist ein Halt in Stuttgart-Vaihingen verkehrlich sinnvoll und wäre kurzfristig in 1-2 Jahren realisierbar. Denn auch in 10 Jahren wird noch kein Zug der Gäubahn am Flughafen halten.

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