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Offizielle Inbetriebnahme des RegioRBL im VVO und ZVON

02.07.12 (Sachsen) Autor:Niklas Luerßen

Stabilere Anschlüsse und mehr Informationen durch bessere Kommunikation: durch das rechnergestützte Betriebsleitsystem für den Regionalverkehr (RegioRBL) in Ostsachsen kommen die Fahrgäste in den Regionalbussen zukünftig entspannter ans Ziel. Es wurde das System in Dresden offiziell durch Sven Morlok, Staatsminister für Wirtschaft und Arbeit, in Betrieb genommen.

Insgesamt 19 Unternehmen im Gebiet des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO) und des Zweckverband Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien (ZVON) nutzen die moderne Technik, die vor allem die Kommunikation zwischen den Fahrzeugen, aber auch die Information für den Fahrgast deutlich verbessern wird. Seit 2008 haben die Unternehmen und die Verkehrsverbünde, gefördert durch den Freistaat Sachsen, insgesamt über 9 Millionen Euro in den Aufbau der Technik investiert. „Mit dem RBL für Ostsachen wird das Nutzen von Bussen und Bahnen einfach entspannter“, betont Sven Morlok, Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr bei der Einweihung.

Weite Wege zwischen Arbeitsplatz und Wohnung, Schule und dem Sportverein sind insbesondere in ländlichen Gebieten eher die Regel als die Ausnahme. Häufig steigen Pendler und Schüler zwischen den Verkehrsmitteln um. Abgestimmte Fahrpläne machen das Umsteigen einfach, aber wenn Verspätungen entstehen, kommt das System schnell ins Wanken. „Besonders zwischen den Bussen verschiedener Gesellschaften war die Kommunikation früher sehr schwierig“, erläutert Dieter Unger, Geschäftsführer der Regionalverkehr Dresden GmbH. „Jeder nutzte andere Standards, häufig konnte dann nur ein Telefonanruf in der Leitstelle die Verbindung an einen anderen Bus sicher stellen.“ Mit dem RegioRBL nutzen alle Regionalverkehrsunternehmen in den beiden Verkehrsverbünden die gleiche Technik. „Insgesamt wurden über 900 Busse mit neuer Technik ausgerüstet“, erklärt Dr. Jürgen Greschner, Geschäftsführer der Firma INIT. „Durch GPS-Ortung weiß man immer, wo sich die Busse befinden und kann daher schneller Entscheidungen treffen: wartet der Anschluss, weil der Bus gleich kommt, oder verzögert das dann den weiteren Betriebsablauf. Entsprechende Hinweise erhält der Busfahrer auf das Display des Bordgerätes gesendet.“ Darüber hinaus wurden die Busse mit elektronischen Haltestellenansagen ausgestattet, um besonders ortsfremden Fahrgästen die Orientierung zu erleichtern. Die Fahrplandaten der Fahrzeuge können die Fahrgäste unterwegs unter www.vvo-mobil.de von internetfähigen Handys abrufen oder sich schon im Voraus unter www.vvo-online.de über die tatsächlichen Abfahrtszeiten informieren. „Damit wird die Information der Fahrgäste während der Fahrt deutlich verbessert“, betont Andrea Radtke, Geschäftsführerin von Regiobus Bautzen. „Insbesondere im regionalen Busverkehr, wo es bisher im Störungsfall nur wenig Informationsmöglichkeiten gab, hilft das RBL dem Fahrgast weiter.“

Das RegioRBL wird über eine Schnittstelle mit den Betriebsleitsystemen der DB Regio AG und der Städtebahn Sachsen verbunden. Das im Aufbau befindliche neue Betriebsleitsystem der Dresdner Verkehrsbetriebe AG (DVB) wird ebenfalls mit dem RegioRBL verknüpft. Mit Inbetriebnahme des RegioRBL rücken nun diese Verknüpfungspunkte in den Fokus der Arbeiten. Schrittweise legen die Unternehmen und Verbünde im Rahmen der Fahrplankonferenzen wichtige Umsteigebeziehungen fest, die zukünftig durch die bessere Abstimmung untereinander gesichert werden können. Damit wird es möglich sein, dass ein verspäteter Zug oder eine Straßenbahn einen Regionalbus informieren kann, so dass für die Fahrgäste noch ein Umstieg möglich ist. Insbesondere Reisende an den Verknüpfungspunkten wie Radeberg, Heidenau oder Bischofswerda, die von mehreren Unternehmen angefahren werden, profitieren von der Einführung der neuen Technik.

Im Zuge der Einführung des RegioRBL wurde auch die gesamte Vertriebstechnik modernisiert. Dies umfasst sowohl die Geräte in den Bussen als auch im stationären Verkauf sowie auf den Elbfähren in der Region. „Die neuen Bordgeräte in den Bussen sind leicht zu bedienen. Ein großes Touch-Display macht den Ticketverkauf für die Busfahrer einfacher und übersichtlicher. Früher musste man sich auf die am häufigsten nachgefragten Tickets beschränken, da eine Erweiterung des Sortiments technisch nicht möglich war. Über die neuen Geräte ist jetzt der Verkauf sämtlicher Tickets von VVO und ZVON möglich. Das ist besonders für die Fahrgäste, die zwischen den Verbünden pendeln, ein großer Vorteil“, erläutert Andrea Radtke. „Auch zukünftige elektronische Tickets können mit den Geräten erfasst und gescannt werden.“ In den Servicestellen der Regionalverkehrsunternehmen wurde schrittweise eine einheitliche neue Verkaufstechnik eingeführt, die über das gleiche umfassende Leistungsspektrum verfügt. Vor allem die schnelle Aktualisierung der Ticketdaten ist in der Praxis von Vorteil. „Durch die neue Technik können wir Tarifänderungen innerhalb weniger Stunden umsetzen und  schaffen darüber hinaus die technischen Voraussetzungen zum einfacheren Vertrieb von Sondertickets zu Veranstaltungen. Natürlich stehen noch umfangreiche Abstimmungen mit zahlreichen Partnern an, aber der Vision, zukünftig KombiTickets zu Veranstaltungen auch bei den Verkehrsunternehmen zu erwerben, sind wir mit der neuen Technik einen Schritt näher gekommen“, erklärt Dieter Unger.

Für das Gesamtprojekt werden durch den Freistaat Sachsen insgesamt 7,46 Mio. Euro Fördermittel bereitgestellt. Neben den 19 beteiligten Unternehmen waren auch die beiden Verkehrsverbünde mit einer Summe von 1,34 Mio. Euro an der Finanzierung des RegioRBL beteiligt. Das eng damit verbundene RBL für die DVB AG, das sich derzeit für den Stadtverkehr Dresden im Aufbau befindet, wird darüber hinaus durch den Freistaat mit 8,5 Mio. Euro gefördert. „Nur ein stabiler und zuverlässiger Nahverkehr kann eine Alternative zum eigenen Auto sein“, betont Sven Morlok. „Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels trägt dieses innovative System zu einer bedarfsgerechten und kostengünstigen Organisation des Personenverkehrs in gering besiedelten Gebieten bei.“

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