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VCD, BUND und PRO BAHN präsentieren Verkehrskonzept ‚Smart Link‘ für Fildern

14.06.12 (Baden-Württemberg) Autor:Niklas Luerßen

Der ökologische Verkehrsclub (VCD) präsentiert mit ‚Smart Link‘ ein integriertes Verkehrskonzept, das den unterschiedlichen Bedürfnissen an die Verkehrsführung auf den Fildern im Zuge des Baus von Stuttgart 21 (S21) Rechnung trägt. Die Idee, die der VCD in Kooperation mit dem Fahrgastverband PRO BAHN sowie dem BUND Regionalverband Stuttgart dabei verfolgte, ist, mit möglichst geringem Aufwand einen möglichst hohen Nutzen für den öffentlichen Verkehr zu erreichen, erklärt Klaus Arnoldi, stellvertretender VCD-Vorsitzender, das Prinzip von ‚Smart Link‘.

Klaus Arnoldi: „Die Planungen der Deutschen Bahn (DB) AG auf den Fildern enthalten viele offensichtliche Mängel. Sie sind wenig kundenfreundlich und bergen die Gefahr, dass der S-Bahntakt erheblich beeinträchtigt wird. Die Nachteile für die Fildergemeinden sind zu hoch. Und dies trotz hoher Investitionen in diesem Bereich. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, ein Konzept zu erarbeiten, in dem die Verkehrssituation auf den Fildern insgesamt verbessert wird.“

Das Verkehrskonzept des VCD bezieht den RE-Halt in Stuttgart-Vaihingen, den geplanten Fernbusbahnhof am Flughafen, das bestehende Messeparkhaus, die Stadtbahnen, die in Sichtweite des Flughafens enden sowie die Gäubahnstrecke zwischen Stuttgart-Vaihingen und geplantem Tiefbahnhof ein.

Die DB-Planungen für den Anschluss der Filder sehen vor, die Gäubahn über die sogenannte Rohrer Kurve zum neuen Flughafenbahnhof zu führen. Ein Vorhaben, mit dem nach Ansicht des VCD einige Probleme verbunden sind: So würde beispielsweise Stuttgart-Vaihingen zukünftig im Verkehrsschatten liegen, erklärt Klaus Arnoldi, mit ‚Smart Link‘ hingegen werde dieser Verkehrsknoten durch den Bau eines zusätzlichen Bahnsteigs aufgewertet. Er ergänzt: „Die Fahrzeit vieler Pendler aus dem Umland kann durch diesen zusätzlichen Regionalzughalt verkürzt werden. Gleichzeitig bestehen gute Übergänge zur Weiterfahrt mit S-Bahn und Stadtbahn. Reisende aus Richtung Singen erhalten kurzfristig und mit geringem Aufwand einen besseren Anschluss zum Flughafen.“

Klaus Arnoldi: „Bleibt die Gäubahn bestehen und wird mittels eines Tunnels leistungsfähig an den Tiefbahnhof angeschlossen, können Flugreisende nach Fertigstellung von Stuttgart 21 direkt und umsteigefrei auf der Gäubahn über den Tiefbahnhof zum Flughafen fahren.“ Dies hätte weitere positive Effekte zur Folge: Der Bau der Rohrer Kurve wäre hinfällig, was weniger Kosten verursacht, der Mischverkehr auf der Filder-S-Bahn-Strecke würde entfallen. Stattdessen könnten zusätzliche Verbindungen im Nahverkehrsbereich auf der Strecke zwischen Stuttgart-Bahnhof und Stuttgart-Flughafen angeboten werden, so der VCD.

Der Landesvorstand von PRO BAHN, Andreas Kegreiß, fügt hinzu: „Ein Mischbetrieb auf der Fildertrasse über den Fildertunnel bis zum Tiefbahnhof wäre ein dauerhafter Hemmschuh für den Regionalverkehr. Dieser darf aber nicht ausgebremst werden, ist doch der Anteil des Regionalverkehrs in den letzten zehn Jahren um 40 Prozent gewachsen.“

Matthias Lieb, VCD-Vorsitzender: „Ein oberirdischer Filderbahnhof nördlich der Autobahn ist eine kostengünstige Lösung, um den Kostenrahmen für Stuttgart 21 einzuhalten. Außerdem kann die Distanz zur Landesmesse durch die Stadtbahn oder andere innovative Transportmittel problemlos und mit kurzen Fahrzeiten überbrückt werden.“

Weitere Vorteile eines nördlich gelegenen, oberirdischen Bahnhofes aus VCD-Sicht: Indem die Stadtbahn U6 von dort über den Fernbusbahnhof zum Flughafenterminal und weiter nach Echterdingen verlängert werde, könnte die Region südlich von Stuttgart sehr gut an den Fern- und Regionalverkehr sowie die Landesmesse und den Flughafen angeschlossen werden. Freie Kapazitäten des Messeparkhauses stünden als Park&Ride-Angebot zur Verfügung, so der VCD.

„Alle Maßnahmen auf den Fildern verzichten auf teure Tunnelbauten – und sind somit realistisch hinsichtlich Kosten und Fertigstellung“, betont Klaus Arnoldi.

Gerhard Pfeifer, BUND-Regionalgeschäftsführer, ergänzt: „Insbesondere der Verzicht auf die Rohrer Kurve bedeutet einen erheblichen Pluspunkt hinsichtlich Naturschutz und Flächenersparnis. In dem geplanten Bereich für die Rohrer Kurve befindet sich heute ein wertvoller, alter Laubwald, der auch für die Naherholung eine große Rolle spielt.“

Der Planfeststellungsabschnitt 1.3 besteht aus drei Bausteinen. Die Trassierung der Neubaustrecke zwischen dem Fildertunnel und dem Filderabschnitt bis Wendlingen könne nach Meinung des VCD als bahntechnisch weniger kritisch angesehen werden. Für problematisch halte der Verkehrsclub aber den geplanten Filderbahnhof mit seinen 26 Metern Tiefe und der eingleisigen Anbindung an die Schnellbahn in Richtung Hauptbahnhof. Aus Sicherheitsgründen und wegen den langen Umsteigewegen, den hohen Baukosten und den hohen Folgekosten lehnt der VCD diese Planung ab. Die Verlegung der Gäubahn über den Flughafen erfordere hohe Investitionen und schaffe zusätzliche betriebliche Probleme mit der S-Bahn, so der VCD.

Das Konzept von VCD, BUND und PRO BAHN versteht sich als Beitrag zum sogenannten Filderdialog im Rahmen der Öffentlichen Anhörung zum Planfeststellungsabschnitt 1.3 von Stuttgart 21.

 

Was ist SMART?

SMART: Specific Measurable Accepted Realistic Timely
S – pezifisch-konkret (präzise und eindeutig formuliert)
S-Bahn und Fern-/Regionalzüge fahren von eigenen Bahnsteigen ab – keine Mischung
M – essbar (quantitativ oder qualitativ)
Kostenvorteile gegenüber der Antragstrasse
A – ttraktiv (positiv formuliert, motivierend)
Gesamtkonzept für den Verkehr auf den Fildern mit Vernetzung der Verkehrsmittel
R – ealistisch (das Ziel muss erreichbar sein)
geringere Komplexität im Vergleich zur Antragstrasse, deshalb umsetzbar
T – erminiert (bis wann?)
schnellere Realisierbarkeit im Vergleich zur Antragstrasse

Ein Kommentar


  1. Langweiler
    20.06.12 um 13:21

    Was haben die Filderbewohner denn Herrn Arnoldi getan, dass er Ihnen so ein Verkehrskonzept zumuten will?

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