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Überdurchschnittlicher Fahrgastzuwachs in München

29.05.12 (München) Autor:Jürgen Eikelberg

Wie in den meisten Städten in Deutschland verzeichnete auch die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) im Jahre 2011 einen Fahrgastzuwachs.522 Millionen Fahrgäste waren im vergangenen Jahr mit den MVG-Verkehrsmitteln U-Bahn, Bus und Tram unterwegs, rund 10 Millionen mehr als 2010. Dies entspricht einem überdurchschnittlichen Plus von rund 2 Prozent. Im Bundesdurchschnitt wurden vergangenes Jahr 0,7 Prozent mehr Fahrgäste gezählt als 2010. Verbundweit gab es in München einen Zuwachs von 1,9 Prozent. In München geht er einher mit einem Bevölkerungszuwachs von ebenfalls 2 Prozent.

MVG-Chef Herbert König: „München fährt MVG – immer mehr und immer öfter. Der Boom bei U-Bahn, Bus und Tram ist ungebremst – und stellt uns auch künftig vor gewaltige Herausforderungen. Einerseits sind die Fahrgast-Zuwächse natürlich erfreulich, weil ein erfolgreicher und intensiv genutzter Nahverkehr München gut tut. Weniger Autoverkehr bedeutet weniger Stau, weniger Emissionen, mehr Platz und mehr Stadtqualität. Zudem zeigt der Run auf die MVG-Verkehrsmittel, dass unser Angebot passt und der Kurs stimmt, den wir als kommunales Verkehrsunternehmen gemeinsam mit der Landeshauptstadt München verfolgen: U-Bahn, Bus und Tram aus einer Hand und damit aus einem Guss, im gesamten Stadtgebiet – als Teil der kommunalen Daseins-vorsorge. Den großen Rückhalt in der Bevölkerung hat das große Nahverkehrsjubiläum im vergangenen Jahr deutlich gemacht, als wir 40 Jahre U-Bahn und 150 Jahre Nahverkehr in München gefeiert haben.“

Dennoch gibt es auch die Kehrseite der Medaille: Die MVG stößt immer öfter an ihre Kapazitäts- und Leistungsgrenzen. König: „Wir werden quasi von unserem eigenen Erfolg überrollt und kommen der steigenden Nachfrage kaum noch hinterher. Zwar bauen wir unser Angebot im Zuge der MVG-Angebotsoffensive und im Rahmen unserer Möglichkeiten Jahr für Jahr weiter aus. Aber es muss noch mehr geschehen, damit der ÖPNV auch künftig ein Erfolgsmodell bleibt. Wir brauchen neue Strecken wie zum Beispiel die Tram-Tangenten. Wir müssen die über 40 Jahre alte U-Bahn-Infrastruktur umfänglich erneuern – und mittelfristig auch erwei-tern. Die Bahnhöfe sind teilweise sanierungsbedürftig und müssen modernisiert werden. Und wir haben in allen Betriebszweigen auch künftig Bedarf für zusätzliche Fahrzeuge, wobei die Industrie die Zuverlässigkeit ihrer Produkte ohne Zweifel weiter verbessern muss. Ausbau und Finanzierung all dessen wird in den kommenden Jahren 10-stellige Summen kosten, allein für die Münchner U-Bahn rechnen wir mit 1,5 Milliarden Euro nur in diesem Jahrzehnt. Während es den meisten Beteiligten auf kommunaler Ebene angesichts direkter Betroffenheit klar ist, dass es keine Alternative zum weiteren Ausbau und dessen Finanzierung gibt, hat sich das drohende Dilemma offenbar noch nicht bis zu jedem Landes- und Bundespolitiker herumgesprochen. Jedenfalls gibt es derzeit noch keine Perspektive für eine dauerhafte und ausreichende Finanzierung des ÖPNV, insbesondere auch in Sachen Erneuerungsbedarf. Hier muss sich schnell etwas ändern, damit der ÖPNV und damit letztlich die Städte nicht vor die Wand fahren. München funktioniert nur mit ÖPNV. Ohne weiteren Ausbau von U-Bahn, Bus und Tram bleibt die Stadt auf der Strecke.“

Am 28. Mai 2012 wurde auch der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund 40 Jahre alt. Auch er blickt auf eine erfolgreiche Karriere zurück. Von 1973 bis 2012 wuchs die Fahrgastzahl von 358 auf 645 Millionen Fahrten, die Personenkilometer um 134 Prozent von 2.787 auf 6.521 Mio. und die Zahl der Haltestellen der Verkehrsunternehmen um 199 Prozent von 1.512 auf 4.519. In gleicher Zeit stiegen die Einwohnerzahlen im Verbund um 25 Prozent von 2,19 auf 2,73 Mio. Die Zahl der Fahrten pro Einwohner/Jahr stieg damit um 44 Prozent von 163 auf 235, und das, obwohl die Zahl der PKW um 147 Prozent von 0,577 auf 1,422 Mio. zunahm.

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