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RRX-Fahrzeugpark: Abellio begrüßt VRR-Pläne

04.05.12 (Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, VRR) Autor:Stefan Hennigfeld

Die Essener Privatbahn Abellio zeigt sich erfreut über die Pläne des VRR, für die RRX-Vorlauflinien RE 1, RE 5, RE 6 und RE 11 einen Fahrzeugpark einzurichten. „Durch die beiden Modelle, die dort erwogen werden, wird der faire Wettbewerb zwischen den Unternehmen gewährleistet“ sagt Geschäftsführer Ronald Lünser und lobt vor allem die Bestrebungen zur Werkstattförderung – die bereits bei der Ausschreibung Elektronetz Niederrhein zur Anwendung kommen soll.

„Das Elektronetz Niederrhein ist für uns von großem Interesse“ so Lünser. „Allerdings hätten wir angesichts der Linienverläufe nur zwei Möglichkeiten gehabt: Entweder vor Ort eine Werkstatt aufzubauen oder aber teure Leerfahrten zu unserer bestehenden Hauptwerkstatt nach Hagen. Beides hätte die Wettbewerbssituation von DB Regio unangemessen verbessert, weil man dort auf vorhandene und größtenteils abgeschriebene Werkstätten der ehemaligen Deutschen Bundesbahn zurückgreifen kann.“

Leerfahrten nach Hagen hätten in der Angebotskalkulation berücksichtigt werden müssen. Der Preis wäre dann gestiegen – denn jedes Unternehmen, ob DB Regio oder eine Wettbewerbsbahn, muss wirtschaftlich handeln. Lünser: „Die Deutsche Bahn sieht sich die Situation an und wird die Lage ihrer Konkurrenten bei der eigenen Angebotsabgabe einpreisen. Unsere Mehrkosten würden dort zu Gewinnen werden. Mit der Förderung von Werkstätten stellt man Chancengleichheit her – denn hier müssen – mit Blick auf die Nutzungsbedingungen für Serviceeinrichtungen (NBS) – alle dieselbe Miete an den VRR zahlen.“

Dazu kommt das nicht unerhebliche Restwertrisiko – auch bei einer Werkstatt. Wenn ein Eisenbahnverkehrsunternehmen in eine Werkstatt investiert und die Folgeausschreibung nicht gewinnt, dann stehen hier enorme Anlagewerte in der Bilanz. Man müsste sie verkaufen – möglicherweise an den neuen Betreiber. Wenn der Verkauf nicht möglich ist, werden erhebliche Sonderabschreibungen fällig. Gerade bei mittelständischen Unternehmen könnten hier existentielle Schwierigkeiten auftreten.

Dabei ist das Finanzierungsmodell einer Besitzgesellschaft ja gar nicht neu. „Unsere 17 Elektrotriebzüge vom Typ Stadler Flirt sind Eigentum der Firma Ascendos, wir haben sie gemietet“ erklärt Ronald Lünser. „Die vom VRR jetzt erwogene Besitzgesellschaft ist – unabhängig von deren Gesellschafterstruktur – daher keine Neuigkeit. Neu ist aber, dass eine Risikominimierung eintreten würde, denn die öffentliche Hand in Form des VRR garantiert vertraglich für Aufträge während der gesamten Abschreibungsdauer. Das Restwertrisiko wäre somit nicht mehr vorhanden. Es gäbe wiederum einen Gleichklang bei den Finanzierungsbedingungen für die Anschaffung von Investitionsgütern. Also der Wettbewerb wird dadurch fairer, die Angebotspreise werden günstiger und der Steuerzahler wird insgesamt entlastet.“

Für problematisch hält man aber die Wartung durch die Hersteller. Bislang war es üblich, dass die Eisenbahnverkehrsunternehmen ihre Züge selbst gewartet und gereinigt haben. Jetzt ist dafür der Hersteller zuständig. Dieser kann das entweder in VRR-eigenen Werkstätten tun oder den Auftrag vergeben. An den Betreiber der Züge – oder aber an ein anderes Unternehmen. Wenn Abellio die Linie RE 5 fährt, könnten die Züge durchaus bei trans regio in Koblenz gewartet werden.

Lünser: „Das würde bedeuten, dass wir keine Möglichkeit haben, an dieser Stelle einzugreifen. Wir könnten uns weder gegen mangelhafte Wartung wehren, wie es bei der S-Bahn Berlin passiert ist, noch hätten wir eine Handhabe gegen Schlechtleistungen. Zudem ist es auch schwer, Verantwortung zu delegieren. Denn der Betreiber bringt die Fahrzeuge in den Verkehr und haftet vollumfänglich für deren Zustand – auch wenn die Instandhaltung von einem Dritten ausgeführt wird. An dieser Stelle wird man sehen müssen, wie man uns als Verkehrsbetreiber mit einbezieht, denn unser Anspruch ist es, mehr zu sein als ein bloßer Carrier oder Personaldienstleister. Deshalb gilt es, die weiteren Entwicklungen abzuwarten.“

2 Responses

  1. Lünser: „Das würde bedeuten, dass wir keine Möglichkeit haben, an dieser Stelle einzugreifen. Wir könnten uns weder gegen mangelhafte Wartung wehren, wie es bei der S-Bahn Berlin passiert ist, noch hätten wir eine Handhabe gegen Schlechtleistungen. Zudem ist es auch schwer, Verantwortung zu delegieren. Denn der Betreiber bringt die Fahrzeuge in den Verkehr und haftet vollumfänglich für deren Zustand – auch wenn die Instandhaltung von einem Dritten ausgeführt wird. An dieser Stelle wird man sehen müssen, wie man uns als Verkehrsbetreiber mit einbezieht, denn unser Anspruch ist es, mehr zu sein als ein bloßer Carrier oder Personaldienstleister. Deshalb gilt es, die weiteren Entwicklungen abzuwarten.“

    Stimmt so nicht…Bei TransRegio wird auch die Wartung der Züge durch SiemensTransportation übernommen


  2. schokohase
    12.05.12 um 07:22

    Siemens tut dies aber im Auftrag der TransRegio; das ist ein Unterschied.

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