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Martin Zeil: Bahnbranche muss ihr Image verbessern

03.04.12 (Bayern, Verkehrspolitik) Autor:Stefan Hennigfeld

Bayerns Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) will die Bahn für Jugendliche und junge Erwachsene, die kurz vor dem Übergang aus der Schule in den Beruf stehen, attraktiv machen. Zu diesem Zweck wurde ein Runder Tisch Fachkräfteoffensive Bahn Bayern eingerichtet, an dem neben der Regierung auch Eisenbahnverkehrsunternehmen, Gewerkschaften und Bildungsträger sitzen. Deutschlandweit muss die DB AG bis 2020 etwa 80.000 neue Leute einstellen – der Bedarf der Privatbahnen kommt noch dazu.

Martin Zeil: „Uns helfen die besten Strecken und Züge nicht, wenn in bedenklichem Umfang Arbeitskräfte fehlen. Nur mit ausreichendem und gut ausgebildetem Personal können Fahrgäste und Güter ans Ziel kommen. Dazu gehört auch eine Imagesteigerung. Ich freue mich, dass alle Verantwortlichen an einem Strang ziehen wollen.“ Erst in der letzten Woche gab es bei der S-Bahn München Zugausfälle wegen Personalmangel, die Privatbahn Agilis hat seit ihrem Start im Dezember 2010 immense Probleme, Personal zu finden.

Zeil: „Dort, wo bereits Engpässe bestehen, kümmern wir uns mit den Beteiligten um schnelle Lösungen. Bei der S-Bahn München habe ich von den Verantwortlichen Maßnahmen eingefordert, um den Fahrplan sicherzustellen. Beim Runden Tisch geht es jedoch in erster Linie um grundlegende Weichenstellungen für die Zukunft und um eine Imageverbesserung der Bahnen in Bayern. Da ist kurzfristiger Aktionismus nicht angebracht. Verfechten werde ich allerdings auch bei dieser Initiative die bewährte Tarifautonomie.“

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) sowie die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) haben im Jahr 2011 Branchen- bzw. Rahmentarifverträge mit zahlreichen Verkehrskonzernen und -unternehmen abgeschlossen. Damit soll eine branchenweite Untergrenze gewährleistet werden. Bayern ist jedoch in einigen Regionen durch Vollbeschäftigung und eine hohe Zahl unbesetzter Stellen geprägt, so dass die Lohnfrage hier der allgemeinen Einschätzung zufolge eine untergeordnete Rolle spielen dürfe.

Martin Burkert, bayerischer Vertreter im Vorstand der EVG: „Der demographische Wandel und der wachsende Wettbewerb im Bahnsektor stellen die Branche vor bisher in dieser Dimension nicht bekannte Herausforderungen sowohl bei der Rekrutierung als auch beim Halten von Arbeitskräften. Für dieses Bahnbündnis ist es daher höchste Eisenbahn. Bei Erfolg kann es sicher Maßstäbe setzen und Vorbild für weitere Länder und den Bund sein.“

Auch Uwo Böhm, bayerischer Bezirksvorsitzender der GDL, sitzt mit im Boot: „Die Schwierigkeiten mit den Lokführer-Engagements in Nordostbayern und die aktuellen Entwicklungen bei der S-Bahn München sind nur die Spitze des Eisbergs. Ohne geeignete Maßnahmen wird da bald noch mehr zum Vorschein kommen.“

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