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Intermodal mit App und NFC

29.04.12 (Allgemein) Autor:Jürgen Eikelberg

Wer früher eine Reise antrat, musste ganz genau planen. Zugreisende ließen sich am Bahnhof einen Reiseplan und die Fahrkarte ausdrucken. Wie sie zum Bahnhof kamen, blieb ihnen selbst überlassen. Auch wie sie am Zielbahnhof zum eigentlichen Ziel kommen sollten, konnte ihnen die Frau oder der Mann hinter dem Schalter nicht sagen. Autoreisende hatten es da schon wesentlich einfacher. Sofern sie eine Straßenkarte lesen konnten, setzten sie sich in das Auto und fuhren einfach los – von Tür zu Tür. Kein Wunder, wenn das Auto diesen Kampf gewonnen hat.

Dies ist heute viel einfacher geworden. Der Autofahrer hat sein Navi, der Bahnkunde kann im Internet nachschauen, wann der nächste Zug fährt und wo er Umsteigen muss. Zumindest für Deutschland kann man auf den Internetportalen der Deutschen Bahn und den meisten Verkehrsverbünden auch eine Route von Haus zu Haus abfragen. Auch die Buchung und Bezahlung ist dort möglich. Zumindest für das Netz der Eisenbahnen gilt dies für Start- und Zielbahnhof auch an den Automaten der Deutschen Bahn. Für die immer kleiner werdende Schar der Menschen ohne Internet und mit Scheu vor Automaten gibt es auch noch den personenbedienten Verkauf in den Reisezentren.

Problematisch ist allerdings die zersplitterte Tariflandschaft im Nah- und Regionalverkehr in Deutschland. Zwar haben alle Verkehrsverbünde in ihren Internetauftritten entsprechende Gebührenrechner implementiert, doch helfen sie nicht, wenn man von einem in ein anderes Tarifgebiet fahren will.

Auch die Fluggesellschaften haben App´s unter die Leute gebracht, wo man nicht nur den Flugplan einsehen kann, sondern auch Buchen und Bezahlen kann. Das Einchecken geht dann über ein Terminal im Flughafen.

Mittlerweile hat fast jeder dritte Deutsche ein Smartphone und sowohl die Deutsche Bahn als auch die Verkehrsverbünde haben entsprechende kostenlose App´s angeboten, mit der man sich nicht nur die Verbindung anzeigen lassen, sondern bei Bedarf auch die Fahrkarte kaufen kann – Stichwort: Handy-Ticket.

Aber die Smartphones eignen sich nicht nur dafür, sie sind auch hervorragende Navigationssysteme für Fußgänger, Rad- und Autofahrer. Den Fußweg zur nächsten Haltestelle zeigen sie schon mal an. Auch am Zielbahnhof findet man leicht die richtig ÖPNV-Haltestelle mittels Handynavigation.

Fast hätte ich es vergessen, klassisch telefonieren kann man damit auch noch, aber das ist kaum noch der Zweck dieser Geräte.

In den letzten Jahren haben sich zu den klassischen öffentlichen Verkehrsmitteln auch neue Formen der Mobilität gebildet. Carsharing und Leihfahrräder für die “letzte Meile” erobern immer mehr Marktanteile. Auch diese Unternehmen setzten auf App´s, damit die Kunden die Fahrzeuge und Fahrräder leichter orten können, den die stehen nicht mehr wie bei klassischen Mietwagen- und Carscharing Firmen an einem festen Standort, sondern in einem Geschäftsgebiet einer Stadt verteilt.

Warum nicht alle diese Möglichkeiten in einer Applikation für ein Smartphone vereinen? „In zwei bis drei Jahren wird das Realität sein“, glaubt Andreas Knie vom Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (InnoZ) in Berlin.

Die wäre das intermodale Reisen. Ein Geschäftsmann aus dem Ruhrgebiet, der sonst mit dem Dienstwagen seine Kunden besucht, fährt dann mit dem ICE nach Berlin oder nimmt das Flugzeug nach München. Dort kann er dann in den öffentlichen Nahverkehr umsteigen, er kann aber auch ein Carsharingauto nehmen und damit direkt beim Kunden vorfahren. Wenn es nicht ein Geschäftsmann, sondern ein Tourist ist, nimmt er eines der vielen Leihfarräder, die man überall im Stadtgebiet finden und auch wieder abstellen kann.

„Im Grunde machen wir das alle schon ein bisschen, etwa wenn wir Fußweg und Autofahrt verbinden“, sagt Knie. Intermodal bedeute, dass nicht nur auf ein Verkehrsmittel gesetzt werde. „Die große Herausforderung, an der seit 20 Jahren gearbeitet wird, ist ein intermodaler Router. Ein übergeordnetes System, das alle Angebote intelligent verknüpft. Das wird in Zukunft eine App sein“, ist der Mobilitätsforscher überzeugt.

Lokale Projekte laufen bereits oder sind in der Planung, aber bis es für ganz Deutschland soweit ist, fließt noch viel Wasser den Rhein hinunter.

Ein großes Problem bei allen Angeboten ist der Ticketkauf. „Eine Fahrkarte für verschiedene Verkehrsmittel und Tarife ist momentan das große Thema“, sagt Knie. „Das Problem ist: Wie soll das Ticket kontrolliert werden?“, merkt Michael Frankenberg von der Softwarefirma Hacon an, die Fahrplanauskunftsysteme für Bahnunternehmen erstellt. Die Lösung könnte in der NFC-Technik (Near Field Communication) liegen.

Hier werden die Daten berührungslos ausgelesen. Bei der Deutschen Bahn wird dies bei dem System “Touch & Travel” angewandt. Vor dem Einsteigen in den Zug hält er sein NFC-Handy an einen Lesepunkt am Bahnhof, nach dem Aussteigen macht er das gleiche am Zielbahnhof. Abgerechnet wird nach der Strecke. Auch das e-Ticket, das von den meisten Verkehrsverbünden zumindest als Monatskarte angeboten wird, ist mit der NFC-Technik ausgestattet. Weiterhin das e-Ticketing der Fluggesellschaften. Die gleiche Technik verwenden auch die Carsharing Firmen car2go und DriveNow. Auch hier wird ein NFC-Chip an ein Lesegerät an der Fronstscheibe gehalten und die Türen öffnen sich. Bei Beendigung der Miete muss die Karte wieder an das Lesegerät gehalten werden und die Türen werden verschlossen.

Hier müssen aber noch dicke Bretter gebohrt werden, um alles unter einen Hut zu kriegen. Dabei muss es gar nicht ein einheitliches Abrechungssystem geben. Als Beispiel sei hier die Kooperation zwischen der Düsseldorfer Rheinbahn, dem Carsharinganbieter car2go und dem Fahrradverleiher NextBike angeführt. Alle drei Unternehmen rechnen getrennt ab, aber alles ist mit einer Karte nutzbar.

Zwar sind die technischen Voraussetzungen für intermodales Reisen schon heute vorhanden, doch fehlt es noch an der Vernetzung der Angebote. In wenigen Jahren wird das Smartphone aber als “intermodaler Router” vom Flugzeug bis zum Leihfahrrad normal sein.

Allerdings müssen Führerscheininhaber nicht nur in der App einstellen, das sie einen solchen besitzen, sondern ihn einmal jährlich bei dem Carsharingunternehmen vorzeigen – so will es das Gesetz. Denn wenn jemand keinen Führerschein (mehr) hat, wird die Berechtigung zum Carsharing gesperrt. Wer natürlich – aus welchen Gründen auch immer – kein Fahrrad fahren kann, sollte diese Option auch aus der App streichen.

2 Responses

  1. Schoener Kommentar, aber, bitte… Eine App, zwei Apps, ohne Deppenapostroph…

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