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Gemischte Polizeistreifen in internationalen Zügen

11.04.12 (Allgemein, Europa) Autor:Jürgen Eikelberg

Ein deutscher Polizist im TGV am Pariser Gare de l´est, ein Schweizer Polizist in einem ICE am Hauptbahnhof Freiburg, ein französischer Polizist in einem TGV am Hauptbahnhof Karlsruhe oder ein deutscher Polizist in einem eidgenössischen Schnellzug im Bahnhof der Schweizer Hauptstadt Bern? Bis vor kurzem schienen solche Szenarien unvorstellbar, doch in Zeiten internationaler Polizeiverträge und grenzüberschreitender Kriminalität haben die Schweizer SBB-Police, die deutsche Bundespolizei und die französische Police Nationale ihre Ressourcen gebündelt, um so sinnvolle Synergieeffekte in der Kriminalprävention erzeugen zu können.

Mit dem Start des Projektes „Gemeinsam gegen Taschendiebe“ haben die drei Polizeien die Grundlage geschaffen, mit gemischten Streifenteams Reisende auf den europäischen Fernverkehrsstrecken über die Tricks von international agierenden Taschendieben zu informieren.

Grundlage für die gemeinsamen Präventionsstreifen zwischen Deutschland und der Schweiz bildet der am 1. März 2002 geschlossene „Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Schweizerischen Eidgenossenschaft über die grenzüberschreitende polizeiliche und justizielle Zusammenarbeit“. Für die polizeiliche Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Deutschland sind das Mondorfer Abkommen von 1997 und der Prümer Vertrag Grundlage. Zwischen der Schweiz und Frankreich gibt es ebenfalls bilaterale Abkommen über die polizeiliche Kooperation. Zudem bewegt sich die Zusammenarbeit der SBB-Police, der Bundespolizei und der Police Nationale nach den Richtlinien des Stockholmer Programms, welches die gemeinsame Innen- und Sicherheitspolitik der Mitgliedstaaten der Europäischen Union für die Jahre 2010 bis 2014, somit auch die Bekämpfung der organisierten Kriminalität, zu welcher international agierende

Taschendiebstahlsbanden gehören, regelt.

Wie Arnold Wittwer von der Schweizer SBB-Police, Thomas Gerbert von der deutschen Bundespolizei und Jean-Bertrand Pothin von der Police Nationale übereinstimmend mitteilen, ist ein derartiges Zusammenwirken dreier Polizeien von Paris bis Karlruhe und von Freiburg bis Zürich und Bern erstmalig. Das gemeinsam erarbeitete Konzept mit dem Einsatz länderübergreifender Streifenteams, welches am 3. April gestartet wurde und das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste im internationalen Schienenverkehr über die Osterzeit erhöhen soll, wird indes kein einmaliges Teamwork sein. Wie Thomas Gerbert von der deutschen Bundespolizei erwähnt, könnten auch während der Reisezeit im Hochsommer oder in der Vorweihnachtszeit gemischte deutsch-schweizerische, deutsch-französische oder schweizerisch-französische Streifen in den Fernverkehrszügen anzutreffen sein.

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