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Fahrgastaufkommen 2011: Die unterschiedlichen Zahlen von VDV und Destatis

10.04.12 (Allgemein) Autor:Stefan Hennigfeld

Als das Statistische Bundesamt (Destatis) in der Woche vor Ostern das Fahrgastaufkommen im ÖPNV 2011 bekannt gegeben hat, da fiel dem interessierten Beobachter sofort die Diskrepanz zwischen diesen Zahlen (10,9 Milliarden Fahrgastfahrten) und denen des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) auf (9,7 Milliarden Fahrgastfahrten). Ein Unterschied, der so groß ist, dass man ihn nicht durch Messungenauigkeiten oder ähnliches erklären kann. Woran also liegt es?

Der VDV misst ausschließlich die Daten der Mitgliedsunternehmen. Diese decken nach Angaben des Verbandes etwa 95 Prozent des deutschen Fahrgastaufkommens ab. Ein Beispiel: 304 Busunternehmen sind Mitglied im VDV. Anders sieht es beim Statistischen Bundesamt aus: Dieses erhält Daten von 861 Omnibusbetreibern. Dadurch gibt es Fahrgäste, die zwar beim Statistischen Bundesamt, nicht aber beim VDV gezählt werden. So ist etwa die in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen tätige Westfalenbahn nicht im VDV vertreten.

Die Daten des VDV beruhen allerdings auf den Zulieferungen des Verkehrsunternehmen – so ist es nicht zwingend notwendig, dass ein Verkehrsverbund oder Aufgabenträger selbst Mitglied ist. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) hat den VDV vor einiger Zeit verlassen. Dennoch sind die Berliner und Brandenburger Fahrgäste immer dann in der Statistik enthalten, wenn das jeweilige Unternehmen im VDV ist.

Die Zahlen des VDV zu 2011 wurden im Februar zu einem Zeitpunkt bekannt gegeben, als die endgültigen Messungen für das vierte Quartal 2011 noch nicht abgeschlossen waren. Der Verband musste daher Hochrechnungen durchführen und hat dies sehr konservativ getan – auf keinen Fall wollte man in die Situation kommen, die Zahlen nach unten korrigieren zu müssen. So liegt hier ein zweiter Punkt, der die Werte des VDV geringer werden lässt als die des Statistischen Bundesamtes.

Keine Angaben macht der VDV zum Marktanteil des ÖPNV. Zwar freut man sich alljährlich über die steigenden absoluten Zahlen, diese sagen aber nichts darüber auf, ob mehr Fahrgäste im ÖPNV nur das gestiegene Gesamtverkehrsaufkommen abbilden oder ob man auch seinen Marktanteil erhöhen konnte. Das Statistische Bundesamt tut das, allerdings liegen für 2011 noch keine Zahlen vor, wohl aber für die Zeit bis 2010. Der Marktanteil des ÖPNV ist seit Jahrzehnten bei konstant 15 Prozent, der ÖPNV konnte seinen Anteil am Modal Split trotz explodierender Kraftstoffkosten nicht steigern.

Bild: Deutsche Bahn AG

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