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Die richtige Idee zum richtigen Zeitpunkt

15.04.12 (Sachsen) Autor:Jürgen Eikelberg

Leipzig hatte eine Idee. „Schluss mit dem Benzinpreiswahnsinn – Zeit für den Umstieg“ lautete das Motto. Mit dem Kraftfahrzeugschein als Fahrausweis durften die Menschen in und um Leipzig für vier Tage nach Ostern den öffentlichen Nahverkehr „erschnuppern“. Das Eisenbahnjournal Zughalt berichtete darüber. Diese Aktion war ein voller Erfolg.

Die Resonanz des Angebotes übertrifft die Erwartungen der Leipziger Verkehrsbetriebe bei weitem. Rund 40.000 Fahrgäste wurden bei den LVB in diesen Tagen in den Straßenbahnen und Bussen nach ihrem Fahrausweis gefragt. Insgesamt 16 Prozent der Fahrgäste waren mit dem Kfz-Schein unterwegs. Das sind immerhin rund 6.400 Fahrgäste, die sonst nicht mit Bus und Bahn gefahren wären. Würde man das auf die rund 350.000 täglichen Fahrgäste der Leipziger Verkehrsbetriebe hochrechnen, sind das stolze 56.00 neue Kunden.

Ulf Middelberg, Sprecher der LVB-Geschäftsführung: „Das ist ein toller Erfolg. Ganz viele Menschen in Leipzig und Umgebung konnten wir mit dem Angebot neugierig machen und dazu bewegen, die öffentlichen Verkehrsmittel auszuprobieren.“

„Durch diese charmante Idee rücken die Vorteile des Nahverkehrs in einer Großstadt wie Leipzig deutschlandweit in den Fokus. Das begrüßen wir sehr und beglückwünschen die Leipziger Kollegen zu dieser erfolgreichen Aktion“, so Lars Wagner, Pressesprecher vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV).

Begleitet wurde die Leipziger Aktion von einer großen Resonanz bundesweit und in aller Welt. „Wir konnten damit Leipzig mit einer positiven Botschaft in die Welt tragen“, resümiert Ulf Middelberg. Und weiter: „Es war die richtige Idee zur richtigen Zeit, Mut und ganz viel Glück. Damit verbinden wir auch den Dank an unsere Partner DB Regio, Mitteldeutsche Regiobahn und Mitteldeutscher Verkehrsverbund.“.

Es bleibt zu hoffen, das es nicht nur ein Strohfeuer in der Ferienzeit war, wo die Busse und Bahnen weniger ausgelastet sind und von der Aktion etwas hängen bleibt. Bei dem Preis einer Monatskarte in Leipzig sind es bei 6.400 zusätzlichen Kunden immerhin rund 350.000 Euro an Mehreinnahmen für die LVB im Monat. Damit lässt sich die Attraktivität durch verbesserte Angebote signifikant steigern.

4 Responses


  1. Edmund Lauterbach
    15.04.12 um 11:00

    Ich halte die Idee nicht für gut. Die Beschränkung auf Autohalter und deren Mitfahrer zeugt von Mißachtung der Leute, die bereits ÖV-Kunden sind. Schlimmer noch ist die Botschaft an die Menschen, die sich weder eine Auto noch ein ÖV-Abo leisten können.

    Es wären sicher sehr überschaubare Zusatzkosten angefallen, wenn man allen Leuten die kostenlosen Mitfahrt erlaubt hätte. Das an die Kfz-Zulassung zu koppeln, ist ein Marketing-Gag.

    Dass dann die sogennanten Medienschaffenden et al auf sowas abfahren, ist beileibe kein Qualitätsmerkmal. Die gleiche Aufmerksamkeit hätte man wahrscheinlich erreicht, wenn man das Fahrpersonal eine Woche im Osterhasenkostüm auf den Weg geschickt hätte.

  2. Bei einer Neukunden Aquise gehen sowohl Bestandskunden als auch potentielle Kunden, die das Angebot mangels Finanzen eh nie nutzen können, leer aus.
    Das ist nicht schön, lässt sich aber nicht vermeiden.

    Und es ging ganz gezielt um die Gruppe der Autofahrer, die zum Umsteigen angeregt werden sollen.


  3. Edmund Lauterbach
    16.04.12 um 11:06

    Ich will den ÖPNV nicht als Sozialamt, aber es ist auch nicht seine Aufgabe, bestehende soziale Gräben zu vertiefen. Das ist ja immer noch kein reines Wirtschaftsunternehmen – und wird auch nie eines sein – sondern politisch gestützt. Damit ist Daseinsvorsorge nicht das einzige, aber ein wesentliches Element.

    Überdies ist es ein verkehrspolitische fatales Zeichen, Leute dafür zu belohnen, dass sie sich bisher ökologisch falsch verhalten (auch wenn es nur dem Anschein nach so sein sollte).

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