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Wieder Ärger mit der Variobahn

27.03.12 (München) Autor:Jürgen Eikelberg

In München droht erneut Ärger mit der Variobahn. Zur Zeit sind die Züge zwar mit einer Gestattung im Liniennetz unterwegs, die endgültige Zulassung ist aber weiterhin unbestimmt. Zwar hat die MVG zwischen-zeitlich alle Auflagen der Technischen Aufsichtsbehörde (TAB) zur Erlangung einer unbefristeten Genehmigung abgearbeitet. Nun aber steht ein in den letzten Tagen aufgetretener Serienschaden an den Rädern der Züge der endgültigen Zulassung durch die Aufsichtsbehörde im Wege.

Auch die weitere Verlängerung der vorläufigen Zulassung hat die TAB davon abhängig gemacht, dass die Herstellerfirma Stadler umgehend entsprechend belastbare Nachweise zur Sicherheit der fraglichen Teile vorlegt. Dies hat die Firma Stadler zugesagt.

Bei den schadhaften Bauteilen handelt es sich um Gummikörper, die zwischen Radreifen und Radscheibe eingesetzt sind und neuerdings bei einigen Rädern Risse aufweisen. Die Ursache für die Rissbildung ist derzeit nach Angaben des Herstellers Stadler noch unklar. Der MVG ist zwischenzeitlich bekannt, dass ähnliche Schäden auch bei mindestens zwei weiteren Variobahn-Betrieben aufgetreten sind; ob und welcher Zusam-menhang besteht, wird derzeit ebenfalls vom Hersteller bzw. seinen Unterlieferanten untersucht.

Bis zur endgültigen Zulassung befinden sich die Variobahnen noch im Besitz von Stadler-Pankow. Dennoch werden die Reparaturarbeiten in den Werkstätten der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) im Auftrag von Stadler durchgeführt.

Der Austausch der schadhaften Teile hat bereits begonnen, wird sich aber über mehrere Wochen hinziehen, wie die MVG mittelt. Er ist zeitaufwändig, weil die Räder – je nach Lage – teilweise samt Motoreinheiten ausgebaut, ggf. von den Motoreinheiten abgepresst und auseinandergenommen werden müssen. Bei jedem einzelnen Rad ist der Radreifen von der Radscheibe zu pressen, damit die dazwischen liegen-den Gummikörper freigelegt und ersetzt werden können. Anschließend ist der gesamte Prozess in umgekehrter Reihenfolge erforderlich, um die Räder zu komplettieren und am Fahrzeug zu montieren.
Die MVG weißt darauf hin, dass es gelegentlich zu Zugausfällen kommen kann, wenn auch andere Fahrzeuge z. B. durch einen Unfall ausfallen. Die vorgesehene Taktverdichtung auf den Linien 15/25 muss verschoben werden.

MVG-Chef Herbert König: „Wir sind bestürzt, dass es bei nagelneuen Zügen der Firma Stadler bereits Schäden gibt, die uns dazu zwingen, teure Fahrzeuge vorübergehend aus dem Trambetrieb zu nehmen – und auch weiter auf deren endgültige Zulassung zu warten. Und wir fragen uns natürlich, wo die Ursache für den offenbar nicht zum ersten Mal auftretenden Schaden liegt. Stadler steht in der Pflicht, schnellstmöglich Antworten zu liefern und gegenüber der Aufsichtsbehörde und uns die geforderten Nachweise zur Schadensursache und den hieraus zu ziehenden Konsequenzen zu liefern. Im Interesse unserer Kunden können wir keinerlei weitere Verzögerung hinnehmen. Dies haben wir heute in einem kurzfristig anberaumten Termin hier in München der Geschäftsleitung der Fa. Stadler deutlich gemacht.“

MVG-Betriebsleiter Michael Richarz: „Die reparierten Räder werden laufend kontrolliert. Sollte sich in den nächsten Tagen ergeben, dass auch die vom Hersteller gelieferten neuen Gummikörper, die wir im Auftrag von Stadler derzeit einbauen, im Betrieb wieder Beschädigungen erhalten, werden wir nicht zögern, die Fahrzeuge unsererseits dann so lange außer Betrieb zu nehmen, bis die Firma Stadler das Problem dauerhaft gelöst hat.“

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