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Neues Mobilitätskonzept für Berlin

05.03.12 (Berlin) Autor:Jürgen Eikelberg

In Ulm startete 2008 der Daimler Konzern seinen Pilotversuch car2go. In der Zwischenzeit sind weitere Städte in Europa und den USA gefolgt, wo dieses Carsharing-Modell angeboten wird. Im Februar 2011 startete car2go auch in der Nordrhein-Westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf. Hier wird erstmals eine Kombicard in Zusammenarbeit mit der Düsseldorfer Rheinbahn und dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr angeboten, die den Abonnenten der Rheinbahn eine vernetzte Mobilität bietet. Nun kommt car2go auch in die Bundeshauptstadt Berlin.

Ab Ende April 2011 werden 1.000 smart-fortwo in Berlin zur Verfügung stehen. Das ist die größte Flotte im Konzern. Es wird auch das größte Geschäftsgebiet von car2go sein. Registrierte Kunden können die Fahrzeuge in einem ca. 250 Km² Geschäftsgebiet angemieten und nach beliebig langer Nutzung auf allen öffentlichen Parkplätzen abgestellt werden. Die Ausdehnung umfasst den S-Bahn-Ring, angrenzende Bezirke, die Zentren von Spandau und Köpenick sowie die großen Wohngebiete Marzahn, Hellersdorf, Lichtenrade und das Märkische Viertel.

Es wird auch, ähnlich wie in Düsseldorf eine Einbindung in ein multi-modales Gesamtkonzept in Zusammenarbeit mit dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) und der Berliner Verkehrsgesellschaft (BVG) geben.

„Mit dem car2go Start in der deutschen Hauptstadt unterstreichen wir unsere Vorreiterrolle im Bereich moderner städtischer Mobilität“, sagt Robert Henrich, Geschäftsführer der car2go GmbH. „Durch die geplante konsequente Verknüpfung von car2go mit anderen Angeboten werden wir den Herausforderungen des sich ändernden Mobilitätsverhaltens in Metropolen gerecht und verbessern die Nutzbarkeit aller Angebote für die Kunden.“„ car2go ist bereits ein international erfolgreiches Mobilitätskonzept – weitere werden folgen“, so Klaus Entenmann, Vorstandsvorsitzender der Daimler Financial Services AG, der car2go inzwischen innerhalb des Daimlerkonzerns zugeordnet ist.

Parallel zum Aufbau einer öffentlichen Ladeinfrastruktur sollen die 1.000 konventionellen car2go schrittweise durch Elektrofahrzeuge ergänzt und/oder ersetzt werden. Geplant ist, schon 2013 die ersten 300 smart fortwo electric drive in Betrieb zu nehmen. Zu Testzwecken werden erste Elektrofahrzeuge sogar schon im laufenden Jahr in die Flotte integriert.

„Berlin ist das ideale Labor für den Markttest von neuen Mobilitätsangeboten wie car2go und deren Verknüpfung mit dem traditionellen Angebot des öffentlichen Verkehrs: in keiner anderen deutschen Stadt ist die Nachfrage nach rund-um-die-Uhr verfügbarer individueller und flexibler Mobilität gerade in Ergänzung zum klassischen linien- und fahrplangebundenen ÖPNV so hoch wie in Berlin. Wir freuen uns daher, dass car2go nun auch in Berlin zum Einsatz kommt und auf die Erfahrungen, die wir zusammen machen werden“, sagt Christian Gaebler, Staatssekretär für Verkehr und Umwelt in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt.

Der Start von car2go wird begleitet durch eine enge Kooperation mit weiteren Partnern und der beabsichtigten Einbindung in ein multimodales Gesamtkonzept, das intelligente Dienste und einzelne Verkehrsträger in Berlin und Umland miteinander verknüpft. Der Bereich Business Innovation der Daimler AG, in dem car2go entwickelt wurde, arbeitet an weiteren Mobilitätsdiensten und nahtlosen, mobilen Lösungen und forciert deren intelligente Vernetzung in urbanen Räumen. In Zusammenarbeit mit dem Verkehrsverbund Berlin Brandenburg (VBB), den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) und weiteren Partnern entsteht eine multimodale Vernetzung von Verkehrsträgern, die ab Herbst 2012 bis hin zu einem gemeinsamen elektronischen Auskunfts- und Bezahlsystem reichen soll.

Die Zusammenarbeit mit dem öffentlichen Nahverkehr soll sich auch auf gemeinsame Marketingaktivitäten und attraktive Angebote für BVG Abo-Kunden erstrecken, wie z.B. eine reduzierte Registrierungsgebühr oder eine bestimmte Anzahl monatlicher Freiminuten für car2go. Auch eine Registrierungsmöglichkeit für car2go in ausgewählten BVG Kundencentern ist vorgesehen.

Henrik Falk, Vorstand Finanzen und Vertrieb Berliner Verkehrsbetriebe (BVG): „Wir wollen den größtmöglichen Nutzen für unsere Kunden: die Grundlage ist die Nutzung von Bus und Bahn, ergänzt, je nach Wunsch, durch Angebote wie Carsharing, Fahrradverleih, Taxi und z.B. das Bezahlen am Parkautomaten – und das alles mit nur einer Karte. Jeder Kunde soll aus dem Gesamtangebot der Mobilität seine individuelle Reiseform zusammenstellen können – entsprechend seinen ganz persönlichen Bedürfnissen. Ohne groß zu überlegen, die Buchung erfolgt unkompliziert über das Internet oder entsprechende Apps für das Smartphone. Die Berliner und ihre Gäste sollen dann mit der BVG-Chipkarte oder dem Smartphone nicht nur Bus und Bahn fahren können, sondern sich auch per Rad, Taxi oder Elektroauto durch die Stadt bewegen. car2go ist für uns ein wichtiger Partner auf diesem Weg.“

Die unlängst verkündete Kooperation mit dem Entwickler der myTaxi-App soll in Berlin ebenfalls erstmals in Form einer Integration in die angestrebte multimodale Vernetzung sichtbar werden. So wird an der Spree beispielhaft ein Stück mobiler Zukunft gestaltet. Robert Henrich: „Egal ob mit Bus, Bahn, Fahrrad, Taxi oder car2go – in Zukunft kann sich so der mobile Stadtbewohner das für ihn jeweils sinnvollste Angebot bequem aussuchen und mit nur einem Informationssystem flexibel kombinieren.“

5 Responses

  1. Das ganze Konzept beruht immer auf Smartphonebesitzer. Jemand, der technisch nicht so gut ausgerüstet ist kann diese Mobilitätskonzepte schwer oder gar nicht nutzen. Schade eigentlich…

  2. Pingback: Mehr Mobilität in Berlin, car2go kommt nach Berlin – Berlin-Magazin für Insider | Umweltschutz im Alltag

  3. Ein wesentlicher Bestandteil dieses Konzeptes ist, dass man die Autos spontan anmieten kann. Das heißt, ich brauche jetzt die Info, wo das nächste freie Auto ist, für Stadtfremde auch mit einer Navigation. Da ist die einzig sinnvolle Lösung ein Smartphone.


  4. Beobachter
    06.03.12 um 21:38

    @ M. Sagawe

    Natürlich braucht man für dieses System eine Internetverbindung, aber nicht zwingend ein Smartphone. Auch bei den klassischen Carsharing-Systemen kommt man nicht ohne Internet aus.

    Das ist eben der Lauf der Zeit.

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